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Wirtschaft
03/20/2020

Coronavirus: Verliert Gold seinen Ruf als "Krisenwährung"?

World Gold Council: Gold war kurzfristig zwar von Abverkauf betroffen, dürfte mittelfristig aber sicherer Hafen bleiben.

Die Sorgen um die Ausbreitung des Coronavirus und die damit verbundenen Rezessionsängste haben die Finanzmärkte in massive Turbulenzen gestürzt. Die Aktienkurse sind in die Tiefe gerauscht, während die Volatilitätsindizes (welche die Kursausschläge anzeigen) Höchstwerte wie zuletzt bei der Finanzkrise 2008 erreichten.

Die Anleger suchen daher sichere Häfen - aber auch diese haben in den vergangenen Tagen unter Schwankungen gelitten.

Gold keine Ausnahme

Einer der wichtigsten sicheren Häfen an den Finanzmärkten ist Gold. Das Edelmetall gilt als eine der wichtigsten "Krisenwährungen", das heißt im Falle von deutlich sinkenden Aktienmärkten bewegt sich das Edelmetall im Normalfall gegenläufig zu diesem Trend und legt zu.

Kommt zu den fallenden Kursen jedoch hohe Unsicherheit dazu, kann Gold genauso wie alle anderen Anlageklassen von einem allgemeinen Ausverkauf an den Märkten erwischt werden und zumindest kurzfristig abrutschen.

So dürfte es auch bei den aktuellen Kursverfällen im Zuge der Coronavirus-Krise geschehen sein. Im Laufe der Woche hätten nämlich so gut wie alle Anlageformen massive Abschläge erfahren, schreibt der World Gold Council (WGC). "Gold war da keine Ausnahme," hieß es in der Analyse.

Nur Bares ist Wahres

Darüber hinaus dürften die Anleger mit Goldverkäufen Bargeld locker gemacht haben, um Verluste in anderen Assetklassen auszugleichen.

Auch historisch gesehen sei es nicht ungewöhnlich, dass es in Zeiten hoher Unsicherheit bei Gold starke Schwankungen gebe, schreiben die WGC-Experten. So sei das Edelmetall auch zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 zunächst gefallen und habe in US-Dollar gemessen teils 15 bis 25 Prozent an Terrain verloren, habe jedoch zum Ende des Jahres unterm Strich Kursgewinne geschrieben.

Trotz kurzfristiger Schwankungen rechnen die Experten daher damit, dass Gold mittelfristig weiterhin ein sicherer Anlagehafen sein wird. Ein Indiz dafür liefert auch ein längerfristiger Blick auf das Edelmetall.

Seit Jahresanfang hat Gold in US-Dollar gerechnet lediglich 1,1 Prozent verloren. Gold notiert zudem nicht in allen Währungen schwächer. In Euro gerechnet hat es beispielsweise seit Jahresanfang bereits 2,2 Prozent zugelegt, in britischen Pfund steht laut Daten des WGC sogar ein Plus von 11,5 Prozent zu Buche. Nichtamerikanische Anleger bewerten Gold meist auch in ihren Landeswährungen.

Vom Allzeithoch weit weg

Aktuell steht der Goldpreis bei knapp über 1.500 Dollar je Feinunze, das Jahreshoch liegt aktuell bei knapp über 1.700 Dollar. Vom Allzeithoch von knapp über 1.900 Dollar, das inmitten der Eurokrise im Jahr 2011 erreicht wurde, ist das Edelmetall damit noch weit entfernt.

Neben Gold gelten auch einige Staatsanleihen als sicherer Anlagehafen, darunter auch die heimischen Anleihen. Diese erleben derzeit - genauso wie Gold - starke Schwankungen, insgesamt ließ sich laut Angaben der Oesterreichischen Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) jedoch ein Anstieg der Renditen feststellen, nachdem diese vor eineinhalb Wochen noch historische Tiefstwerte erreicht hatten.

Die Rendite für die zehnjährige Anleihe stand am Freitag sogar im Plus bei 0,16 Prozent, das Allzeittief lag am 9. März bei minus 0,5 Prozent. Ebenso stieg die Rendite für die 100-jährige Anleihe heute wieder auf 0,90 Prozent, nachdem diese vor knapp zwei Wochen nur 0,34 Prozent Rendite brachte.

Börsen am Freitag im Plus

Nicht nur bei Gold und Staatsanleihen, auch an den Aktienmärkten herrscht derzeit noch hohe Unsicherheit und dementsprechend eine entsprechend hohe Volatilität. So sind die Kurse nach dem massiven Kursverfall im Wochenverlauf am Freitag wieder deutlich zurückgekommen.

Der heimische Leitindex ATX zog am Freitagvormittag um rund 13 Prozent nach oben, auch der Frankfurter DAX sowie der Euro-Stoxx-50 gewannen am Freitag wieder um je fünf Prozent dazu. Auf Monatssicht bleibt die Bilanz aber weiterhin düster: So stehen der DAX und der Euro-Stoxx-50 im Vergleich zu den Kursen Ende Februar jeweils um mehr als 35 Prozent im Minus, beim ATX sind es sogar mehr als 45 Prozent.

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