Es werden wohl wieder mehr Autos auf der Straße sein

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
08/17/2021

Corona dämpfte das Geschäft der Autoindustrie

Umsatz der europäischen Zulieferer (-16 Prozent) sank 2020 stärker als globaler Schnitt (-12 Prozent).

Das erste Coronajahr 2020 hat die europäische Autozulieferindustrie spürbar eingebremst. Die Umsätze der Hersteller in Europa schoben kräftiger zurück als weltweit. Der globale Schnitt lag bei minus 12 Prozent, jener der Top-Lieferanten in Europa - ohne den Ausnahmefall Deutschland - bei minus 16 Prozent, geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens PwC hervor. Die deutschen Zulieferer kamen aber im weltweiten Vergleich mit minus 10 Prozent besser davon als die Branche.

Durch das gedämpfte Geschäft bleibt jedoch insgesamt weniger Geld für die Transformation der Branche in Richtung klimafreundlich und abgasärmer, also derzeit in erster Linie E-Mobilität. Deshalb seien verstärkt Rationalisierungsprogramme vonnöten, meint das Consultingunternehmen PwC. Die Coronakrise verschärfte die Kostenproblematik und zehrte auch bei den deutschen Zulieferern kräftig am Eigenkapital.

Minus 12 Prozent

Der Wandel im Automobilsektor zu Elektrofahrzeugen hat jedenfalls auch die Zulieferbranche fest im Griff - aus Sicht mancher Experten muss die deutsche Industrie nun aufpassen, auf dem Weltmarkt nicht abgehängt zu werden. So haben der PwC-Studie zufolge asiatische Autozulieferer ihren Weltmarktanteil im vergangenen Jahr deutlich auf 43 Prozent ausbauen können.

Konkret sanken die Umsätze der 80 weltweit größten Autozulieferer laut PwC Strategy& im Krisenjahr 2020 um 12 Prozent auf 783 Mrd. Euro, jene der europäischen - ohne Deutschland - um gut 16 Prozent auf 134 Mrd. Euro.

Größter Zulieferer: Robert Bosch

Unter den Top-15-Zulieferern im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) rangierte das österreichische Unternehmen Benteler mit einem Umsatz von 6,4 Mrd. Euro im abgelaufenen Jahr auf Platz sieben, hinter der deutschen Hella (2020: 6,9 Mrd. Euro), die nunmehr von der französischen Faurecia übernommen wurde. An erster Stelle lag - der auch weltweit größte Autozulieferer - Robert Bosch (71,5 Mrd. Euro), weit vor den ebenfalls deutschen Anbietern Continental (37,7 Mrd. Euro) und ZF Friedrichshafen (32,6 Mrd. Euro).

Die Umsätze der deutschen Kfz-Zulieferer gingen 2020 um 11 Prozent auf 199 Mrd. Euro zurück. Der Weltmarktanteil von Robert Bosch, Continental, ZF Friedrichshafen und Co. sei mit 26 Prozent zwar weiterhin hoch, der Wettbewerb mit den Konkurrenten in Asien werde aber härter, heißt es in der Pwc-Studie. Diese hätten in der Krise mit 4,4 Prozent Betriebsgewinn vom Umsatz die höchste Rentabilität erzielt und ihre Eigenkapitalquote bei 48 Prozent gehalten. Bei den deutschen Zulieferern verringerte sie sich auf 21 Prozent.

Transformation

Dabei ist das Thema Transformation bei den Konzernen längst angekommen. Vor allem die Zulieferer für den Antriebsstrang hätten kräftig in neue Produkte investiert. Im Durchschnitt investierten deutsche Zulieferer 6,1 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung (F&E) - weit mehr als ihre Wettbewerber im übrigen Europa (4,8 Prozent), Amerika (3,6 Prozent) und Asien (3,8 Prozent).

Bei einer Branchenumfrage des deutschen Verbands der Automobilindustrie (VDA) sowie der Wirtschaftsberatung Deloitte gaben die befragten Konzerne an, sogar 15 Prozent ihres Gesamtumsatzes in Innovationen im Bereich Elektromobilität zu investieren. Ein Großteil der heuer im Frühjahr befragten Unternehmen geht demnach davon aus, dass zwischen 2023 und 2040 der Verbrenner vollständig von der Straße verdrängt sein wird. Bereits bis 2030 rechnen sie damit, dass Batteriefahrzeuge sich als neuer Technologiestandard durchgesetzt haben werden.

Jüngste Übernahme: Hella

Doch andere Experten befürchten, dass europäische und deutsche Zulieferer ihre konkurrenzfähige Kostenstruktur schon seit einem Jahrzehnt aus dem Blick verloren hätten. Das könnte "zu einer teuren Hypothek im globalen Wettbewerb werden", sagte Studienautor Henning Rennert.

Erst am Wochenende war die jüngste Übernahme auf dem Zulieferermarkt bekannt geworden: Die seit einigen Monaten zum Verkauf stehende deutsche Hella mit Sitz in Lippstadt geht an den französischen Konkurrenten Faurecia. Das neue Unternehmen werde global der siebtgrößte Automobilzulieferer sein (Top 5 in Europa und jeweils Top 10 in Amerika und Asien) und das Profil mit Blick auf Geschäftsaktivitäten und Kundenzugang erheblich stärken, teilte der neue Eigentümer mit.

"Wachsen ganz stark"

Größe ist im Geschäft der Zulieferer sehr wichtig, da die Verhandlungsposition mit den Autoherstellern gestärkt wird. Die deutschen Konzerne Bosch, Continental und ZF Friedrichshafen zählen zu den größten Autozulieferern weltweit.

Der Abschluss der Übernahme von Hella wird Anfang 2022 erwartet. Eine Arbeitsplatzgarantie will die Faurecia nicht geben - allerdings gebe es auch keine konkreten Pläne für einen Stellenabbau, so das Unternehmen. "Wir wachsen ganz stark. Wir werden Leute einstellen müssen", sagte Faurecia-Chef Patrick Koller.

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