Wirtschaft
22.03.2018

Casinos: Tschechen schaffen Fakten, Kirchenbanker zocken

Der Kampf um die Herrschaft über die teilstaatlichen Casinos Austria (Casag) spitzt sich zu.

Die tschechische Sazka Group hält 34 Prozent, will aber unbedingt die Kontrolle, um sich mit einer konsolidierten Casag für den Börsegang in London aufzuputzen. Die Tschechen agieren direkt gegen die Regierung, die den Einfluss der Republik am heimischen Glücksspielkonzern absichern will.

Auf einem inoffiziellen Investorenmeeting in Prag präsentierte sich Sazka als wesentlich größere Aktionärin der Casag. Die Unterlagen liegen dem KURIER vor (siehe Grafik) . Im Textteil heißt es, man sei dabei, 42,5 Prozent zu erwerben und habe daneben eine Aktionärsvereinbarung, welche die Kon trolle über die Casinos-Gruppe ermögliche.

Das ist gelinde formuliert sehr frei interpretiert, offenbar will Sazka Fakten schaffen. Nicht gerade die feine Art, Anteile anzugeben, über die man noch gar nicht verfügt, kritisieren Kapitalmarkt-Insider.

Mit der Aktionärsvereinbarung kann nur die Stimmrechtsbindung mit der Novomatic gemeint sein, die allerdings bei einer Änderung der Sazka-Eigentümerstruktur hinfällig wird.

Auch die Aufstockung auf 42,5 Prozent ist noch lange nicht fix. Dabei geht es um die Anteile der ehemaligen Kirchenbank Schelhammer & Schattera, die zur Grazer Wechselseitigen (Grawe) gehört. Diese spielt mit Sazka und der Republik seltsame Spielchen.

Dazu muss man wissen, dass Vorkaufsrechte und Zwischenholdings die Eigentumsverhältnisse an der Casag verkomplizieren. Durchgerechnet kommt Schelhammer & Schattera auf 9,4 Prozent. Die Bank ist mit 5,31 Prozent direkt an der Casag beteiligt. Dort haben jedoch alle anderen Aktionäre ein Vorkaufsrecht. Gut möglich, dass die Staatsholding ÖBIB davon Gebrauch macht. Bliebe Schelhammer auch nur mit einem Prozent direkt in der Casag drin, könnte die Bank auch in Zukunft mitbestimmen. Mit dieser Option soll die Grawe, hört man, gegenüber Sazka den Preis maximieren.

Zudem hält die Bank 10,77 Prozent an der Medial Holding, der wiederum 38 Prozent an der Casag direkt gehören. 88,89 Prozent an der Medial sind bereits bei Sazka, doch einen winzigen Anteil hält die Casag selbst. Diese 0,34 Prozent könnten zum Zünglein an der Waage werden, denn ein Verkauf von Anteilen in der Medial muss einstimmig erfolgen.

Schelhammer & Schattera verpflichtet sich als „Bank für die Kirchen“ und „führender Anbieter ethisch nachhaltiger Bankdienstleistungen“ (Eigendefiniton) strengen ethischen Regeln. Glücksspiel gehört sicher nicht dazu. Außerdem gelobte das Institut, nicht gegen die Interessen des Finanzministeriums zu agieren. Sazka erklärte, man könne „nicht irgendwelche Dokumente kommentieren, die nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind“. andrea.hodoschek