Finanzminister Schelling macht Ernst mit der umstrittenen Verstaatlichung des Casinos-Konzerns.

© KURIER/Gilbert Novy

Glücksspiel
06/11/2015

Casinos Austria: Schelling legt ein Angebot

Auftakt zur umstrittenen Verstaatlichung des Glücksspielkonzerns. Prüfung auf Pflichtverletzung gegen Hampel.

Rund um den heimischen Glücksspielkonzern Casinos Austria, der auch zu 68 Prozent an der Cashcow Lotterien beteiligt ist, wird es jetzt richtig spannend. Die Staatsholding ÖBIB, die Finanzminister Hans Jörg Schelling untersteht, wird kommende Woche ein Übernahmeangebot legen.

Das ist der Auftakt zur – durchaus umstrittenen – Verstaatlichung der Glücksritter. Die ÖBIB hält bereits 33,2 Prozent an der Casag. Das Eigentümer-Roulette setzte die MTB Privatstiftung der 87-jährigen Maria Theresia Bablik in Gang, der 16,79 Prozent an der Casag gehören. Die betagte Dame will verkaufen.

Die Aktionäre der Casag sind, ebenso wie jene der Lotterien, über einen Syndikatsvertrag verbunden und haben Vorkaufsrechte.

Die Stiftung gab ihre Ausstiegsabsicht im März offiziell bekannt. Innerhalb von drei Monaten muss der Käufer ein Übernahmeangebot legen. Die Frist endet am 20. Juni. Mit dem Anteil der betagten Dame kommt die Republik Österreich auf 49,99 Prozent. Schelling will zumindest die Mehrheit erreichen, um den Konzern dann mit Gewinn zu privatisieren. Die Bablik-Stiftung kann mit 75 bis 80 Millionen Euro rechnen.

Der Finanzminister ist dann der mit Abstand größte Aktionär. Die restlichen Eigentümer, von Raiffeisen bis zur VIG-Gruppe und dem Bankhaus Schelhammer & Schattera, pokern natürlich um den Preis. Neben Schelling gehen einige private Anbieter ins Rennen: Der Investor Peter Goldscheider (Epic) mit zwei tschechischen Finanzmagnaten, die Dorotheum-Eigentümer Soravia, Michael Tojner und die Medienfamilie Dichand, angeblich Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer für den Bautycoon Hans Peter Haselsteiner sowie der neue, umstrittene conwert-Aktionär Teddy Sagi.

Die Eigentümer der Lotterien (neben Casag noch RZB, Erste, Bawag, ORF etc.) ärgern sich sehr über den überraschenden Einstieg der Novomatic. Nicht einmal Schelling soll informiert worden sein.

Die Novomatic übernahm 7,94 Prozent der Lotterien von der B&C-Holding, die der Bank Austria nahesteht. Da nicht die Anteile direkt gekauft wurden, sondern die Tochterfirma BAIH, in der die Lotto-Beteiligung geparkt ist, glaubt Novomatic, die Vorkaufsrechte der restlichen Miteigentümer umschiffen zu können.

Die Lotto-Gesellschafter sind allerdings ganz anderer Meinung und haben bereits ein Gutachten vorliegen. Mit dem Inhalt, dass die Vorkaufsrechte auch für diesen Kunstgriff gelten.

Außerdem wollen sie ihren Vize-Aufsichtsratspräsident Erich Hampel so rasch wie möglich loswerden. Dessen Mandat läuft noch bis März 2017. Hampel sitzt auch im Vorstand der Stiftung, der die B&C-Holding gehört.

Er soll die Lotto-Anteile der Novomatic angedient haben. Damit könnte er als Aufsichtsrat eine Pflichtverletzung begangen haben, mutmaßt man in Lotto-Kreisen. Als Aufsichtsrat müsste Hampel ausschließlich im Interesse der Lotterien agieren. Ist das der Fall, wenn er dem Erzrivalen Novomatic den Einstieg ermöglichte? Die Lotto-Gesellschafter lassen diese Frage jetzt rechtlich prüfen.

Hampel könnte sich mithilfe der Novomatic weiter im Aufsichtsrat halten. Oder er spekuliert überhaupt darauf, den 78-jährigen Novomatic-Aufsichtsratschef Herbert Lugmayr zu beerben. Dann würde er in einer ganz anderen Liga mitspielen.

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