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ÖBB
09/11/2014

Brigitte Ederer wird ÖBB-Aufsichtsratsvorsitzende

Pöchhacker-Nachfolge: Frühere Siemens-Vorstandsdirektorin einstimmig zur Aufsichtsratspräsidentin gewählt.

Die frühere Siemens-Vorstandsdirektorin und Ex-Europa-Staatssekretärin Brigitte Ederer ist am Donnerstag einstimmig zur Aufsichtsratspräsidentin der ÖBB gewählt worden. Sie wird damit Nachfolgerin des im August verstorbenen langjährigen Aufsichtsratspräsidenten Horst Pöchhacker (mehr dazu).

Am Mittwoch hatte sich Infrastrukturminister Alois Stöger (SPÖ) für Ederer ausgesprochen, ihre Wahl galt damit als fix. In Gesprächen mit Eigentümer- und Belegschaftsvertretern habe sich sein Eindruck bestätigt, dass Ederer die "beste Wahl" für den Vorsitz sei, so Stöger in einer Aussendung am Mittwoch.

"Kompetente Frau"

Es brauche eine "starke Persönlichkeit" an der Spitze des ÖBB-Aufsichtsrates um das Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln, betonte Stöger: "Brigitte Ederer vereint internationale, wirtschaftliche und politische Erfahrung, und ich freue mich darüber, dass der Aufsichtsrat eine so kompetente Frau aus seiner Mitte wählen kann."

Ederer sitzt bereits seit März als Eigentümervertreterin im ÖBB-Aufsichtsrat. Die ehemalige Europa-Staatssekretärin und Wiener Finanz-und Wirtschaftsstadträtin Ederer (SPÖ) war nach der Politik in die Wirtschaft gegangen und hatte dort Karriere gemacht. Im Herbst 2013 war sie vorzeitig aus dem Vorstand des Siemenskonzerns ausgeschieden. Derzeit ist sie Aufsichtsrätin bei Infineon Österreich, bei Boehringer Ingelheim in Wien und bei Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment. Bei der Wien Holding ist Ederer Aufsichtsratsvorsitzende.

Im ÖIAG-Aufsichtsrat saß Ederer mehr als sechs Jahre. Am Montag ist sie nach Differenzen wegen der Übernahme der Telekom Austria durch die mexikanische America Movil überraschend ausgetreten (mehr dazu). Sie war gegen den Pakt mit dem mexikanischen Mobilfunk-Riesen des Milliardärs Carlos Slim.

Warum Top-Managerin Ederer in der ÖIAG das Handtuch warf

Es gab keinen aktuellen Anlass, aber grundsätzliche Auffassungsunterschiede über Strategie und Aufgaben der ÖIAG. Brigitte Ederer, ehemalige Top-SPÖ-Politikerin und bis zum Vorjahr im Konzernvorstand von Siemens, trat mit sofortiger Wirkung als Aufsichtsrätin der Staatsholding zurück (der KURIER berichtete online als erstes Medium). Sie teilte ihre Entscheidung am Montag dem Aufsichtsratsvorsitzenden Siegfried Wolf mit.

Ederer sah sich in dem Gremium, dem sie seit 2008 angehörte, als Vertreterin der Interessen der Eigentümerin Republik. Dabei muss sie sich ziemlich einsam gefühlt haben. Die Spitzen-Managerin stimmte im April gegen den Syndikatsvertrag zwischen der ÖIAG und America Movil, der dem Konzern des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim die industrielle Führung über die Telekom ermöglichte. Als Wolf, Freund von Wladimir Putin, Ende Juni an die Spitze des ÖIAG-Aufsichtsrates gewählt wurde, enthielt sie sich der Stimme. "Besser, wenn ich bei diesen unterschiedlichen Auffassungen zurücktrete", erklärt Ederer gegenüber dem KURIER.

Die ÖIAG managt die Staatsbeteiligungen an den Schwergewichten OMV, Telekom und Post. Für die Grün-Politikerin Gabriela Moser kommt Ederers Rücktritt nicht überraschend. Sie kritisiert die fehlende ÖIAG-Strategie der Regierung und fordert einen Neustart für die Staatsholding. Der im rot-schwarzen Koalitionsabkommen ohnehin vereinbart wäre. Seit der schwarz-blauen Regierung unter Schüssel/Grasser erneuert sich der Aufsichtsrat selbst, heißt, die Republik hat nichts mitzureden. Das gestand Ex-Finanzminister Michael Spindelegger im August in einer seiner letzten Anfrage-Beantwortungen vor seinem Abgang ganz offen ein. Das Finanzministerium habe "nach der bestehenden Gesetzeslage keine Möglichkeit, Entscheidungen von Organen der ÖIAG zu beeinflussen", erklärte er auf eine grüne Anfrage. SPÖ-Industriesprecher und Gewerkschafter Rainer Wimmer bedauert, dass mit Ederers Rücktritt "viel wirtschaftspolitisches Know-how verloren gehe" und "ausgerechnet die einzige kritische Stimme unter den Kapitalvertretern" geht.

Ederer will sich außerdem nicht der Kritik aussetzen, sie habe womöglich zu viele Mandate: "Corporate Governance nehme ich sehr ernst." Sie ist derzeit in fünf Aufsichtsräten vertreten. Erst im Juni wurde sie zur Vorsitzenden der Wien Holding bestellt. Ein Heimspiel, Ederer war Ende der 90er-Jahre Finanzstadträtin in Wien.

Und gilt als Favoritin für die Nachfolge des verstorbenen Horst Pöchhacker an der Spitze des ÖBB-Aufsichtsrates. Ederer wurde heuer von Doris Bures in die Bahn geholt. Die Entscheidung über den Vorsitz dürfte schon kommenden Donnerstag im Strategie-Ausschuss fallen. Die offizielle Aufsichtsratssitzung ist Ende September. Bures-Nachfolger Alois Stöger, SPÖ, will sich noch nicht in die Karten schauen lassen, aber jeder andere Vorsitzende als die äußerst kompetente Ederer wäre wohl eine Überraschung.

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