Brasilianer marschieren gegen Korruption

Milizen beherrschen die Armenviertel, erst jüngst wurde eine prominente Richterin ermordet. Am Nationalfeiertag gingen nun Zehntausende auf die Straße.

In Brasilien haben zehntausende Menschen am nationalen Unabhängigkeitstag gegen Korruption protestiert. Allein in der Hauptstadt Brasília gingen am Mittwoch nach Polizeiangaben 25.000 Menschen auf die Straße,... ... um schärfere Maßnahmen gegen Veruntreuung von Steuergeldern und Misswirtschaft zu fordern. Erst kürzlich, Mitte August, ist Anti-Mafia-Richterin Patricia Acioli getötet worden. Die Richterin aus der Stadt Sao Goncalo, die für ihr striktes Vorgehen gegen das organisierte Verbrechen bekannt war, war mit ihrem Wagen in einen Hinterhalt geraten. Vermummte Angreifer gaben 21 Schüsse auf ihr Auto ab. In den Mord sind nach offiziellen Angaben auch Polizisten verstrickt. (Bild: Begräbniszug am 13. August 2011) Auch in anderen Städten Brasiliens folgten tausende Menschen dem auch übers Internet verbreiteten Aufruf zum "Nationalen Marsch gegen die Korruption". Die Demonstranten forderten auf Schildern "Null Toleranz gegen Korruption" und warnten, dass Brasilien zum "Land der Diebe" werde. Staatspräsidentin Dilma Rousseff verfolgte unterdessen in Brasília die traditionelle Parade anlässlich des Feiertages. Seit ihrem Amtsantritt im Jänner mussten mehrere Minister ihrer Regierung nach Korruptionsvorwürfen den Hut nehmen. Die Regierung müsse auch die Korruption innerhalb der Polizei sowie die Milizen bekämpfen, "die weiter ungestraft in unserem Staat agieren", so der Chef der Anwaltskammer des Bundesstaats Rio. Diese Milizen aus Feuerwehrleuten, Gefängniswärtern, aktiven und ehemaligen Polizisten haben ihre Wurzeln in der Zeit der Militärdiktatur von 1964 bis 1985, als sogenannte Todesschwadronen Oppositionelle verfolgten und ermordeten. Heute machen sich die Milizen in den Armenvierteln Brasiliens breit und bieten den Bewohnern ihren Schutz gegen eine "Sicherheitssteuer" an. Acioli hatte außer Mafiosi auch Milizionäre verurteilt. Auch wenn die Menschen dagegen aufstehen - es darf wohl bezweifelt werden, dass bis zur Austragung der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen in Rio 2016 die Korruption im größten Land Südamerikas wirksam bekämpft sein wird.
(APA / sho) Erstellt am
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