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Wirtschaft
08/02/2012

Bolivien wirft Coca Cola aus dem Land

Der Andenstaat kündigt für den 21. Dezember das Ende des Kapitalismus an - und damit das landesweite Verbot der Kapitalisten-Brause.

Am 21. Dezember 2012 geht die Welt unter – für all jene, die dem Maya-Kalender Glauben schenken. Für David Choquehuanca, den Außenminister Boliviens, ist dieses Datum von zusätzlich historischer Bedeutung:  Er will zu diesem Zeitpunkt Coca Cola, Vorzeigeprodukt des Kapitalismus, aus dem Land verbannen.

Den Platz des "kulturimperialistischen" Getränks soll dann eine andere Brause einnehmen – und zwar eine einheimische; der traditionelle Pfirsichsaft "Mocochinche" soll stattdessen etabliert werden. "Der 21. Dezember 2012 ist das Ende des Egoismus, der Spaltung, er muss das Ende von Coca Cola und der Beginn von Mocochinche (ein Pfirsichgetränk) sein. Die Planeten werden erstmals seit 26.000 Jahren in einer Linie aufgereiht sein", unterstrich der Minister die globale Bedeutung des Datums, das Pessimisten für das Ende der Welt halten.

In dem vom linken Präsidenten Evo Morales regierten Andenland werde dann der Beginn der "Kultur des Lebens" gefeiert werden, erklärte Choquehuanca, wie die spanische Zeitung El Pais am Donnerstag berichtete.  Die pompösen Feiern zum "Epochenwechsel" sollen am Ufer des Titicaca-Sees stattfinden.

"Coca Colla" als Eigenmarke

Bei der Ankündigung, Coca Cola aus dem Land zu werfen, handelt es sich aber keineswegs um eine rein spirituelle Tat. Vielmehr setzt die linke Morales-Regierung ihre Linie von Verstaatlichungen und Lizenzentzügen fort. Auch der schweizerische Bergbaukonzern Glencore oder das spanische Stromunternehmen Red Electrica haben diese Taktik bereits zu spüren bekommen.

Der Kampf gegen die süße Brause allerdings ist wiederum ein ganz eigenes Kapitel. Bereits vor etwa zwei Jahren hatte Präsident Morales nämlich die Idee, ein Getränk mit dem Namen "Coca Colla" einzuführen. Der Hintergrund: die Legalisierung des Koka-Anbaus. Morales selbst kämpft auf internationaler Ebene seit langem darum – und ist selbst Koka-Bauer. Während einer internationalen Drogenkonferenz in Wien präsentierte Evo Morales dem irritierten Publikum beispielsweise ein Kokablatt.

Das von Morales erdachte Getränk sollte demnach auch Koka-Extrakte – die weltweit dem Suchtgiftgesetz unterliegen – enthalten. So wie das Große-Bruder-Getränk aus den USA, mutmaßte Morales lange Zeit. Er forderte sogar eine Offenlegung der streng geheimen Coca-Cola-Rezeptur, um zu beweisen, dass Koka in der Brause enthalten sei. Ist Koka in der Cola, sei es zu legalisieren, so Morales` Logik.

Der US-Konzern weigerte sich, das Rezept zu offenbaren - der Rausschmiss ist nun direkte Folge dieses Streits. Bolivien hat in diesem Punkt übrigens bereits Gesellschaft: Auch in Kuba oder Nordkorea ist das Getränk nicht erhältlich.

Auch Mc Donald`s zieht ab

Auch ein anderes Vorzeigeunternehmen kapitalistischer Denke verlässt Bolivien – allerdings aus wirtschftlichen Gründen. Mc Donald’s will all seine Filialen schließen; nach dem Abzug der Fast-Food-Kette wird Bolivien zum zweiten lateinamerikanischen Land nach Kuba, wo es keine derartigen Schnellrestaurants gibt.

Nach Expertenmeinung hatte das Unternehmen einen Misserfolg in seiner wirtschaftlichen Strategie erlitten: In den 14 Jahren der Aktivitäten in Bolivien konnten die McDonald`s-Restaurants keine Beliebtheit in der Bevölkerung erzielen, die an ihren kulinarischen Traditionen festhält.

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