Börsen: Sorge um Frankreich löste Panik aus

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Die Kurse brachen nach Gerüchten um einen Verlust der Bestnote erneut ein. Italien wiederum will weitere Sparmaßnahmen per Notverordnung einführen.

Die Grande Nation hat große Probleme. Von den sechs Eurozonen-Ländern, die von den Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet werden, weist Frankreich die höchste Verschuldung auf. Als am Mittwochnachmittag das Gerücht die Runde machte, die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Frankreichs stehe bevor, brach an den Börsen erneut Panik aus. Ganz schlimm erwischte es vor allem Bankaktien. Bei der Pariser Großbank Société Générale ging es zeitweise um mehr als 20 Prozent nach unten.

"Diese Gerüchte sind völlig haltlos und die drei Ratingagenturen Standard & Poor's, Fitch und Moody's haben bestätigt, dass es kein Risiko einer Herabstufung gab", kommentierte ein Sprecher von Finanzminister François Baroin die gerüchte. "Nichts hat sich geändert. Es bleibt bei der Top-Bewertung und einem stabilen Ausblick", teilte Moody's mit. Die Anleger wollten sich davon allerdings nicht beruhigen lassen.

Sarkozy unterbrach Urlaub

Zu den wilden Gerüchten rund um die Bonität Frankreichs hat Präsident Nicolas Sarkozy wohl selbst einen kleinen Beitrag geleistet. Er hatte am Mittwoch seinen Urlaub unterbrochen, um in Paris mit einigen Ministern und dem französischen Notenbank-Chef zu einer Krisensitzung zusammen zu treffen. Eiligst einberufen wurde diese Sitzung wegen der heftigen Kursstürze der vergangenen Tage, hieß es offiziell. Tatsächlich ging es aber um die Staatsverschuldung. Sarkozy forderte von seinen Ministern Vorschläge, wie das Defizit raschergesenkt werden kann.
Mit weiteren Sparmaßnahmen, die am 24. August schon beschlossen werden sollen, will Frankreich sein Defizit von heuer 5,7 Prozent in zwei Jahren auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung senken. Nach deutschem Vorbild soll eine Grenze für die Neuverschuldung in der Verfassung festgeschrieben werden.

Hauruck-Aktion

Diese Hauruck-Aktion legt nahe, dass Sarkozy sehr wohl um sein Triple-A bangt. Die Anleger wollten sich jedenfalls gar nicht ausmalen, was es für die großen europäischen Banken bedeutet, wenn französische Staatsanleihen schlechter bewertet werden. Sie ließen Bankaktien wie heiße Erdäpfel fallen, und zwar nicht nur französische. "Société Générale zieht alles herunter, da kann sich niemand entziehen", sagte ein Händler. Die Aktie des Instituts schloss knapp 15 Prozent im Minus, jene des Mitbewerbers Credit Agricole 11,8 Prozent tiefer. In Frankfurt gab die Deutsche Bank 7,4 Prozent ab, in Mailand rutschte der Kurs der Bank Austria-Mutter erstmals seit 2009 unter die Ein-Euro-Marke. Unter dieser Grenze wird von Penny-Stock gesprochen. Vergleichsweise etwas besser erging es in Wien der Erste Group mit einem Abschlag von 3,7 Prozent und Raiffeisen International mit minus 5,9 Prozent. Der Leitindex ATX schloss 2,2 Prozent im Minus, der Frankfurter DAX 5,1 Prozent und der Pariser CAC sowie der Madrider IBEX je 5,5 Prozent tiefer. Die US-Börsen schlossen sich der negativen Stimmung an. Der Dow Jones beendete den Mittwoch mit 4,6 Prozent im Minus.

Italien

Neben der Rating-Problematik kommt hinzu, dass Frankreichs Banken 245 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen in ihren Büchern halten. Diese Institute wären im Falle von Zahlungsschwierigkeiten Italiens stark betroffen. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat für nächste Woche eine Sitzung einberufen, auf der neue Sparmaßnahmen beschlossen werden sollen.

Während die Ratingagenturen zu Frankreich zunächst Entwarnung gaben, machte Fitch mit Zypern Ernst. Die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes wurde zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit reduziert. Die Bonität sinkt um zwei Noten von "A-" auf "BBB".

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(kurier / C. Klafl, R. Kleedorfer, I. Kischko) Erstellt am
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