Bauernbund kritisiert: "Qualitätslebensmittel als Lockartikel"

© KURIER/Gilbert Novy

Handel
10/30/2014

Billig-Milch: Nun steht Zielpunkt am Pranger

Der Bauernbund erstattet wieder Anzeige wegen eines Dumpingangebots im Handel.

Die nächste Runde im Milchpreis-Match Handel gegen Bauernbund ist eröffnet. Diesmal trifft der Zorn – und die Anzeige – der Bauern die Kette Zielpunkt. Diese verkauft an zwei Tagen dieser Woche Haltbarmilch von Schärdinger um 54 Cent. Zum Vergleich: Die Molkereien zahlten ihren bäuerlichen Lieferanten zuletzt 38,91 Cent netto je Kilo (brutto 43,58 Cent).

Der Bauernbund hatte auch die Diskontkette Penny von Rewe Mitte September wegen eines ähnlichen "Milch-Schleuderpreises" bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angezeigt (mehr dazu hier). "Diese Mal muss H-Milch als stark rabattierter Lockartikel herhalten", sagt Bauernbund-Direktor Johannes Abentung. Ein wertvolles Lebensmittel werde "verschleudert". Der Bauernbund schaue nicht zu, "wie Qualitätslebensmittel als Lockartikel missbraucht werden".

Der aktuelle "Milch-Dumpingpreis" bei Zielpunkt, wie ihn der Bauernbund bezeichnet, kann tatsächlich als überraschend bezeichnet werden, schaut man sich eine Aussendung von Zielpunkt im Rahmen der Anzeige gegen Penny an. Damals teilte die Handelsgruppe Pfeiffer mit, dass Lebensmittelwertigkeit ein "wesentliches Thema" sei und dass jedes Glied der Wertschöpfungskette ihr Geld verdienen können müsse. Die Kritik richtete sich gegen 1+1-Gratisangebote wie damals von Penny, die Frischmilch betroffen hatten. Jedenfalls habe Pfeiffer - zur Gruppe gehören neben Zielpunkt auch Unimarkt, Nah& Frisch sowie C+C Pfeiffer - 1+1 Gratis-Angebote im Frischebereich verbannt, wurde betont. Begründung: "Als Handelsunternehmen tragen wir Verantwortung."

"Die Kosten der aktuellen Aktion tragen wir, sie geht nicht zulasten der Bauern."

Am Donnerstag hieß es seitens der Handelskette, man halte die jetzige Anzeige für "überzogen". Es handle sich beim 54-Cent-Angebot für einen Liter Haltbarmilch "um einen Aktionspreis" und nicht um einen branchenüblichen Preis. Außerdem beträfe es ein Produkt mit langer Haltbarkeit, nicht ein frisches Produkt, so Zielpunkt-Geschäftsführer Roland Malli. Aktionspreise für H-Milch seien "nichts Außergewöhnliches". Solche Angebote mit Haltbarprodukten hätten in den vergangenen Monaten alle Ketten gehabt - "in ähnlicher bzw. identer Preisstellung".

Frisch- und Haltbarmilch seien nicht miteinander vergleichbar, argumentiert Malli weiter. "Die Kosten der aktuellen Aktion tragen wir, sie geht nicht zulasten der Bauern." Also werde Zielpunkt "auch weiterhin wettbewerbsfähige Angebote" bringen, aber auf Mehrpackaktivitäten im Frischebereich verzichten.

Beim Bauernbund arbeitet man nun an einer "Preis-Wert-Sicherheit"-Arbeitsgruppe. Dort sollen die Direktoren der Landesbauernbünde sitzen und ein Monitoring des Lebensmitteleinzelhandels und dessen Preispolitik durchführen. Dabei soll das Augenmerk im besonderen auf Fleisch-Rabatte liegen.

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