Wirtschaft
20.04.2018

Betriebsrat: "Opel laufen die Leute weg"

Opel-Mutterkonzern PSA will 3.700 Stellen in Deutschland streichen.

Bei Opel in Deutschland sollen nach derzeitigen Plänen des französischen Mutterkonzerns PSA nach Informationen des Betriebsrats bis zum Ende des Jahrzehnts 3.700 der rund 19.000 Stellen wegfallen. "Die haben uns einen Abbauplan vorgelegt bis 2020, dass sie 3.700 Arbeitsplätze abbauen wollen", sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug heute, Freitag, in Frankfurt.

Allein das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim solle 1.200 Jobs verlieren. Bisher hätten aber schon 2.000 Mitarbeiter die Programme zum freiwilligen Ausscheiden, etwa über einen Vorruhestand, angenommen. Nach Einschätzung des Betriebsrats kämen bis 2020 noch 2.000 Abgänge hinzu. Damit wäre der von PSA geforderte Personalkostenabbau schon erfüllt und kein Grund für Lohnkürzungen der verbleibenden Beschäftigten.

Wir haben enormen Druck, dass Leute gehen wollen

Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug

Mittlerweile bekomme Opel eher Probleme, genug Leute zu halten. "Wir haben enormen Druck, dass Leute gehen wollen", sagte Schäfer-Klug. Der Betriebsrat und die deutsche Gewerkschaft IG Metall streiten derzeit mit dem Opel- und PSA-Management über Investitionspläne und Kostensenkungen. Was bisher an Vorschlägen für Produkte bis 2020 auf dem Tisch liege, würde rechnerisch nur 1.800 der insgesamt rund 19.000 Stellen sichern, sagte Schäfer-Klug.

Bisher gebe es kein Angebot, sondern nur ein "Diktat" vom französischen Mutterkonzern. "Wir erwarten von PSA/Opel ein verhandlungsfähiges Angebot, dann sind wir gesprächsbereit." Der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber, der die Arbeitnehmer bei den Verhandlungen berät, nannte das Vorgehen von PSA "Erpressung".

Die Produktionsstandorte von Opel in Europa

RÜSSELSHEIM: Am Opel-Hauptsitz arbeiten 14.850 Beschäftigte, davon gut die Hälfte im Entwicklungszentrum. Die Produktion hat rund 3.000 Arbeitnehmer. Sie bauen den Mittelklassewagen Insignia in mehreren Varianten, den Zafira sowie Getriebe und Komponenten.

KAISERSLAUTERN: Der Standort in Rheinland-Pfalz hat 2.130 Beschäftigte. Sie produzieren Motoren und Fahrwerkskomponenten.

EISENACH: In Thüringen laufen die Kleinwagen Corsa und Adam vom Band. Im Werk Eisenach arbeiten 1.790 Menschen.

Weitere Standorte außerhalb Deutschlands

GLIWICE: In dem polnischen Werk sind knapp 3.050 Mitarbeiter beschäftigt. Sie bauen den Kompaktwagen Astra und das Cabrio Cascada und den Sportwagen Opel GTC. In Tychy stellen 400 Beschäftigte Motoren her.

FIGUERUELAS: In dem spanischen Standort bei Saragossa laufen Corsa, Meriva, der SUV Mokka und der Stadtgeländewagen Crossland X vom Band. Der Standort hat 5.170 Arbeitsplätze.

ELLESMERE PORT: Im Werk arbeiten 1.470 Beschäftigte. Hier werden ebenfalls Astra-Modelle produziert.

LUTON: Der Standort nördlich von London hat 1.240 Arbeitnehmer und baut den Kleintransporter Vivaro.

ASPERN: In dem österreichischen Werk nahe Wien arbeiten 1.330 Menschen. Dort werden Motoren und Getriebe hergestellt.

SZENTGOTTHARD: Die Fabrik in Ungarn produziert mit 1.160 Arbeitnehmern Motoren und Komponenten.