Zalando hatte bisher nur mitgeteilt, noch in diesem Jahr an die Börse gehen zu wollen.

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Bericht
09/12/2014

Zalando plant Börsengang am 1. Oktober

Der deutsche Online-Modehändler will mit dem Börsengang sein Kapital erhöhen.

Der deutsche Online-Modehändler Zalando will einem Bericht zufolge am 1. Oktober an die Börse gehen. Wie die Fachzeitschrift Textilwirtschaft am Freitag unter Berufung auf das Unternehmensumfeld berichtete, laufen alle Planungen bei Zalando und den mit dem Börsengang beauftragten Banken auf den 1. Oktober zu.

Wie in solchen Fällen üblich, könne sich das Datum noch um wenige Tage nach vorn oder hinten verschieben. Zalando hatte bisher nur mitgeteilt, noch in diesem Jahr an die Börse gehen zu wollen.

Kapitalerhöhung

Das Unternehmen will mit dem Börsengang sein Kapital erhöhen. Ziel sei es, dass am Ende zehn bis elf Prozent des Eigenkapitals an der Börse platziert seien, hatte das Unternehmen in der vergangenen Woche mitgeteilt. Die aktuellen Gesellschafter sollten ihre Anteile behalten, darunter auch der Fonds der Samwer-Brüder, Global Founders, der 17 Prozent der Anteile hält. Mit dem Geld der Samwers war Zalando einst aufgebaut worden.

Bonusaktien-Programm für Mitarbeiter

Nach Informationen derTextilwirtschaft laufen derzeit auch die Vorbereitungen für ein Bonusaktien-Programm für Zalando-Mitarbeiter. Unabhängig von der Dauer der Betriebszugehörigkeit könne jeder Beschäftigte Gratis-Aktien im Wert von rund 180 Euro bekommen. Mitarbeiter, die für mehr Geld Aktien kaufen wollten, bekommen demnach Rabatt.

Im Jahr 2008 nach dem Modell des US-Versandhändlers Zappos gegründet, ist Zalando heute der nach eigenen Angaben größte europäische Online-Händler für Schuhe und Mode. Laut Zalando besuchten Kunden im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Mal die Internet-Seite. Der Versandhändler habe 2013 rund 13,1 Millionen aktive Kunden gehabt, die insgesamt 35,1 Millionen Bestellungen aufgegeben hätten. Mittlerweile ist der Versandhändler in 15 europäischen Ländern vertreten.

Online-Handel zieht an

Der Online-Handel ist im Moment der Wachstumsmotor im deutschen Einzelhandel. Allein in diesem Jahr sollen die Umsätze der Internet-Händler nach Schätzungen des Handelsverbandes Deutschland (HDE) um 17 Prozent wachsen.

Der Mode-Händler Zalando will diesen Rückenwind nutzen und drängt an die Börse. Doch wer mit einem Einstieg liebäugelt, sollte eines wissen: Trotz der hohen Wachstumsraten ist der Online-Handel kein Paradies, eher schon gleicht er einem Haifischbecken.

"90 Prozent der Onlinehändler werden vom Markt verschwinden"

"Der Verdrängungswettbewerb im Online-Handel ist noch im vollen Gange", urteilt etwa der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH), Kai Hudetz. "Rund 90 Prozent der reinen Onlinehändler werden wieder vom Markt verschwinden", prognostiziert der Branchenkenner. Übrig bleiben würden Amazon und vielleicht eine Handvoll anderer reiner Online-Anbieter, außerdem klassische Händler mit Multi-Channel-Angeboten wie Media Saturn und Hersteller mit eigenen Online-Shops wie H&M und Esprit.

Gerrit Heinemann, der Leiter des eWeb Research Centers der Hochschule Niederrhein sieht das ähnlich. "Online-Handel funktioniert nach dem Prinzip des Kategorie-Killers. Ich muss in meiner Warengruppe das größtmögliche Sortiment anbieten, dann habe ich große Erfolgschancen", beschreibt er den Auswahlprozess im Netz.

Zalando als Gewinner?

Zalando hat, darin sind sich die Experten einig, dank der inzwischen erreichten Marktstellung gute Chancen, zu den Gewinnern des Konzentrationsprozesses zu gehören. Immerhin ist das Unternehmen heute nach einer aktuellen Marktuntersuchung des IFH hierzulande hinter der Otto-Gruppe und noch vor Amazon die Nummer zwei unter den Mode-Anbietern im Internet. "Im Modebereich ist Amazon bisher extrem schwach. Damit haben sie Zalando erst die Möglichkeit gegeben, so stark zu wachsen", meint Hudetz.

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