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Bericht
09/10/2014

Andreas Otto wird neuer AUA-Vorstand

Otto ist derzeit bei Lufthansa Cargo. Offiziell werde er am Donnerstag vom AUA-Aufsichtsrat bestellt.

Nachfolger von Karsten Benz als AUA-Vorstand wird Andreas Otto, schreiben die Presse und inzwischen auch andere Medien online. Offiziell werde er am Donnerstag vom AUA-Aufsichtsrat bestellt. Otto ist derzeit Vorstand f├╝r Produkt und Vertrieb bei der Lufthansa-Fracht (Cargo). Benz geht zur AUA-Mutter Lufthansa zur├╝ck und wird "Group Infrastructure Officer".

Otto sei seit 2000 in seiner jetzigen Funktion und damit das dienst├Ąlteste Mitglied im Vorstand der Lufthansa Cargo, schreibt die Presse. Neben dem weltweiten Vertrieb und Handling (au├čer den Hubs Frankfurt und M├╝nchen) verantworte er auch das Produktmanagement sowie den Bereich Global Network. Seine Laufbahn begann Otto dem Bericht zufolge 1994 bei dem Logistik-Dienstleister Rhenus AG in Dortmund. 1999 wurde er dort stellvertretendes Vorstandsmitglied f├╝r Marketing und Vertrieb, ehe er im Jahr 2000 in den Vorstand der Lufthansa Cargo berufen wurde.

Karsten Benz (50), der erst Anfang April 2012 von der Lufthansa zur AUA gewechselt war und damals Andreas Bierwirth ersetzt hatte, geht mit 1. Oktober zur Muttergesellschaft zur├╝ck. Er ├╝bernehme den neu geschaffenen Posten eines "Group Infrastructure Officer", wie die AUA Ende August mitteilte.

AUA-Zukunft: Flug ins Ungewisse

Die Stimmung in der gl├Ąsernen AUA-Zentrale am Wiener Flughafen ist wieder einmal am Nullpunkt. Chef Jaan Albrecht hat zu riskant gepokert und muss mit hoher Wahrscheinlichkeit am Donnerstag eine teure Niederlage einstecken. Der Europ├Ąische Gerichtshof (EuGH) d├╝rfte verk├╝nden, dass der 2012 vom Vorstand gek├╝ndigte AUA-Kollektivvertrag f├╝r die Piloten und Flugbegleiter nachwirkt. Solange, bis es einen neuen gibt. ├ťber ein neues Lohnsystem streiten der "Rambo aus Mexiko", wie Albrecht in Belegschaftskreisen gerne genannt wird, und der Bord-Betriebsrat allerdings schon seit zwei Jahren. Ohne sich auch nur eine Flugmeile angen├Ąhert zu haben.

Die Entscheidung kann f├╝r die AUA, die gerade einmal hauchd├╝nne Gewinne einfliegt, fatale Konsequenzen haben. Den ehrenwerten H├Âchstrichtern sind die ├Âkonomischen Auswirkungen ihrer Spr├╝che allerdings herzlich egal. F├╝r sie z├Ąhlt das Arbeitsrecht.

Der Lufthansa-Tochter drohen Nachzahlungen und R├╝ckstellungen (f├╝r Leistungspensionen, Abfertigungen und Jubil├Ąumsgelder) von mehr als 100 Millionen Euro. Sowie k├╝nftig wieder wesentlich h├Âhere Personalkosten. Derzeit werden werden die rund 1000 Piloten und 2000 Flugbegleiter nach Unternehmensrichtlinien bezahlt, die das Unternehmen deutlich billiger kommen als der alte Kollektivvertrag. 600 Klagen aus der Belegschaft sind anh├Ąngig.

Die AUA w├╝rde um zwei Jahre zur├╝ckgeworfen ÔÇô in jene Phase, als die ehemalige Staatsairline vor der Pleite stand. Die gro├če Frage ist, wie geht es weiter? Einen klaren Plan B gibt es nicht. Der Vorstand bildete erst im Juni R├╝ckstellungen, als die Signale aus dem EuGH unmissverst├Ąndlich waren. H├Ątte man schon 2012 machen m├╝ssen, mit einer Prozesslawine war ja zu rechnen. ├ľffentlich will lieber niemand Statements abgeben. Doch hinter verschlossenen T├╝ren wird heftig spekuliert. Eines ist klar. Die Lufthansa wird nicht nochmals frisches Geld in die ├ľsterreich-Tochter pumpen.

Insider argw├Âhnen, dass Lufthansa-Boss Carsten Spohr die AUA zum Billigflieger degradieren k├Ânnte. Unter dem Arbeitstitel "Wings" pr├Ąsentierte Spohr Anfang Juli ein Konzept, das die Piloten schockte. Unterhalb des kosteng├╝nstigen Ablegers Germanwings will Spohr auf Basis der Tochterfirma Eurowings einen noch billigeren Anbieter formen (siehe Artikel unten). Auch f├╝r die Langstrecke. Um endlich den Low-Cost-Carriern und der erdr├╝ckenden Konkurrenz der ├ťberflieger vom Golf entgegen zu halten. Im "Wings"-Konzept werden ausdr├╝cklich Boeing 767 erw├Ąhnt ÔÇô die einzige Konzern-Airline mit diesem Flugzeugtyp ist die AUA.

"Ich glaube eher nicht, dass die Lufthansa aus der AUA eine Billigmarke wie etwa Austrian Wings macht. Daf├╝r ist die AUA als Qualit├Ątsmarke zu stark. Aber was wei├č man. Um sie zuzudrehen, ist die AUA jedenfalls zu gro├č. Aber mit einer heftigen Redimensionierung ist schon zu rechnen", meint der deutsche Luftfahrtanalyst J├╝rgen Pieper. Das hie├če wieder ein Sparpaket, wieder den Abbau von Mitarbeitern, wieder die Einstellung von Strecken. Falls die 767-Maschinen tats├Ąchlich zum neuen Billig-Carrier wandern, w├╝rden die Bord-Crews nicht mehr in Wien, sondern in Destinationen wie Bangkok oder Peking angestellt. Eine stark gerupfte AUA w├Ąre auch Gift f├╝r den Standort ├ľsterreich. Weniger Gesch├Ąft f├╝r den Flughafen Wien und alle mit der Luftfahrt verbundenen Unternehmen, Verlust von Arbeitspl├Ątzen, ein unattraktiveres Angebot vor allem f├╝r die lukrativen Business-Passagiere.

Die Verantwortung alleine den Piloten zuzuschieben, ist freilich zu billig. Die AUA fliegt seit zwei Jahren mit den niedrigsten Piloten-Gagen im Konzern und ist trotzdem nicht nachhaltig saniert. Vertriebs-Vorstand Karsten Benz, der sich mit 1. Oktober wieder zur Mutter nach Frankfurt vertsch├╝sst, konnte die Ertr├Ąge nicht so in die H├Âhe bringen wie die Lufthansa erwartete. Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine trifft die stark auf Osteuropa fokussierte Airline besonders empfindlich.

Auch im Management l├ĄuftÔÇÖs nicht rund. Querelen zwischen AUA-Mitarbeitern und den Kollegen der Tochter Tyrolean erschweren die Zusammenarbeit nach wie vor. Dass auch heuer wieder etliche Fl├╝ge ausfielen, hat nichts mit h├Ąufigeren Krankenst├Ąnden im Cockpit zu tun. Sondern mit zu knapper Personalkalkulation. F├╝r die 767 etwa fehlen zwei Kapit├Ąne und zwei Co-Piloten.

Bordbetriebsratschef Karl Minhard sollte mit einer Klage des Unternehmens offenbar eingesch├╝chtert werden. Nicht gerade f├Ârderlich f├╝r das Gespr├Ąchsklima. Minhard werden falsche Angaben in der ├ľffentlichkeit ├╝ber Gehaltserh├Âhungen des Managements vorgeworfen, das Verfahren liegt auf Eis.

Dass der ehemalige AUA-Aufsichtsratschef und Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer, unter dem der Kollektivvertrag gek├╝ndigt wurde, bei seinem Abgang stolze 6,5 Millionen Pensionsabfindung kassierte, animiert die fliegende Belegschaft nicht gerade dazu, freiwillig auf alte Anspr├╝che zu verzichten. Irgendwie auch verst├Ąndlich.

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