Bawag: Ringen um zehn Millionen Euro
Wenn ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider am Montag im Bawag-Schadenersatzprozess in den Zeugenstand tritt, gehört ihm die Bühne ganz allein. Nach den Plänen von Richterin Kerstin Just vom Handelsgericht hätte er sie nämlich mit Helmut Elsner teilen müssen. Dessen Befragung war in diesem Zivilverfahren ebenfalls für Montag geplant. Allein: Der Ex-Bawag-Chef ist bis auf Weiteres "krank geschrieben" und weilt zur Kur im Tiroler Igls.
Bei seiner – im wörtlichen Sinn – Abrechnung mit dem geschassten ÖGB-Präsidenten Fritz Verzetnitsch, Helmut Elsner sowie den übrigen ehemaligen Bawag-Vorstandsmitgliedern wird Clemens Schneider also die volle Aufmerksamkeit gewiss sein.
Zu den Fakten: Es geht um 280 Millionen Euro Schaden für die ÖGB-eigene AVB-Holding (Anteilsverwaltung Bawag). Der soll nach den Spekulationsverlusten der Bawag durch Bilanzfrisuren und Umverteilungen wertloser Kreditforderungen angerichtet worden sein.
Versteckt
Die AVB hat Verzetnitsch, Elsner & Co. aus prozessökonomischen Gründen (zu hohe Verfahrenskosten) nur auf einen kleinen Teil der 280 Millionen Euro geklagt – sie fordert lediglich zehn Millionen Euro Schadenersatz. Den einstigen Verantwortungsträgern wird vorgeworfen, die Spekulationsverluste 2005 verheimlicht und hinter undurchschaubaren Stiftungskonstruktionen versteckt zu haben. Es ist bereits der dritte Anlauf in dieser Causa, zwei Mal wurde die Klage in erster Instanz schon abgewiesen. Aber der Oberste Gerichtshof attestierte der Klägerin einen grundsätzlichen Anspruch.
AVB-Anwalt Herwig Hauser schöpft nun aus dem Umstand Hoffnung, dass jetzt "im sechsten Prozessjahr zum ersten Mal ein Beweisverfahren mit Einvernahmen durchgeführt wird. Bisher wurden nur Formalfragen abgehandelt."
Mit Spannung erwartet wird unter anderem der Zeugenauftritt von Fritz Verzetnitsch kommenden Mittwoch. Im ersten Bawag-Prozess hatte er noch den Retter des ÖGB gegeben und erklärt, mit sich selbst ins Gericht gegangen zu sein. Ergebnis: Er habe sich nichts vorzuwerfen.
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