© APA/dpa/Bernd von Jutrczenka

Wirtschaft
01/17/2020

Bauern protestieren gegen strenge Klimaschutzvorgaben

Zu Beginn der Grünen Woche in Berlin gehen Bauern wieder auf die Straße. Pendler müssen sich auf Verkehrsbehinderungen einstellen.

Die deutschlandweiten Bauernproteste mit mehreren hundert Traktoren zum Auftakt der Grünen Woche sind am Freitag angelaufen. Auf zahlreichen Bundesstraßen versammelten sich Treckerfahrer zu Sternfahrten nach Berlin und anderen größeren Städte. Pendler müssen sich auf Verkehrsbehinderungen einstellen. Umfangreiche Aktionen der Landwirte zur Grünen Woche sind in Bayern, Niedersachsen, Bremen, Baden-Württemberg, Berlin und Hessen geplant.

 

Zu den Protesten aufgerufen hat die Bauern-Initiative "Land schafft Verbindung". Die Landwirte demonstrieren für die Interessen der Agrarbetriebe und gegen aus ihrer Sicht zu harte Umweltschutzvorgaben. Für Samstag ist in Berlin zum zehnten Mal eine Demonstration der Initiative "Wir haben es satt!" geplant, an der sich Umwelt- und Tierschützer sowie Landwirte beteiligen wollen.

 

In Dresden sind seit etwa 5 Uhr rund 1.000 Traktoren in der Stadt unterwegs. Die Fahrer brachen von vier Sammelpunkten aus in Richtung Staatskanzlei auf, wie die Polizei in der Landeshauptstadt mitteilte. In den Morgenstunden haben auch in Niedersachsen die Proteste begonnen - Traktoren sind auf dem Weg zu Demonstrationen in Hannover und Bremen. Allein zu der Kundgebung in Hannover werden mehr als 2.500 Landwirte mit ihren Fahrzeugen erwartet.

In Berlin sollen zum Auftakt der Agrar- und Verbrauchermesse hunderte Traktoren durch die Hauptstadt rollen. Die Polizei erwartete wegen der mit 500 Treckern angemeldeten Sternfahrt ab den Morgenstunden Staus und am späten Vormittag große Behinderungen.

In Stuttgart sind 1.000 Landwirte zu einer Sternfahrt angemeldet. In Nürnberg erwarten die Veranstalter bis zu 10.000 Teilnehmer. In Rheinhessen wollten sich nach Angaben der Organisatoren 1.000 bis 2.000 Fahrzeuge an einer Traktorenkette beteiligen. Proteste sind zudem in Kiel, Schwerin, Rostock, Magdeburg und Halle angekündigt.

Die Landwirte kritisieren unter anderem die geplante Verschärfung der Düngeverordnung. Der Protest richtet sich gegen das Agrarpaket der deutschen Regierung, das etwa ein staatliches Tierwohl-Label und ein Aktionsprogramm Insektenschutz mit Einschränkungen beim Pestizide-Einsatz vorsieht. Die Landwirtschaft dürfe nicht mehr länger billiger Rohstofflieferant der Lebensmittelindustrie sein.

Grünen-Chef Robert Habeck äußerte Verständnis für die Proteste gegen die Agrarpolitik. "Die Bauern und Bäuerinnen leiden selbst unter dem System", sagte Habeck dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag). "Die Förderpolitik der EU und die Exportorientierung der Wirtschaft setzen darauf, dass sie immer mehr zu immer kleineren Preisen produzieren. Da schmälert jede neue Verordnung die Einnahmen, mit der sie ihre Familien ernähren oder Schulden begleichen müssen." Die Landwirte würden zerrieben: "Aber die Antwort, weniger Klima- oder Tierschutz, wäre falsch." Landwirte seien wichtige Partner für eine Reform des Agrarsystems. Habeck warnte vor "moralischer Überheblichkeit gegenüber den Bauern".

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.