Wirtschaft 05.12.2011

Banken-Riesen helfen Griechenland

© Bild: AP/Thanassis Stavrakis

Nach der Abstufung von Griechenland haben drei Großbanken zugesagt, Griechenland beim Schuldenaufkauf zu unterstützen.

Nachdem die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsbewertung für Griechenland auf "CC" gesenkt hat, hat das größte deutsche Finanzinstitut, die Deutsche Bank, zusammen mit der französischen BNP-Paribas und der britischen HSBC ihre Unterstützung zugesagt. Am Donnerstag sollen in Athen zudem Experten des Internationalen Bankenverbandes IIF eintreffen, um den freiwilligen Umtausch alter Griechenland-Anleihen der Banken gegen neue Papiere zu beraten.

Die privaten Gläubiger Griechenlands sollen im Zuge des zweiten Hilfspakets für Griechenland am Abbau der hohen Verschuldung des Landes mitwirken. Vorgesehen ist, dass sie Athen freiwillig 21 Prozent seiner Schulden erlassen. Vorgesehen sind mehrere Modelle für den Umtausch ihrer Griechenland-Anleihen. Dadurch sollen die Banken, Versicherungen und anderen Investoren in den kommenden drei Jahren auf rund 54 Mrd. Euro verzichten, innerhalb von zehn Jahren sogar auf 135 Mrd. Euro.

Auch die Europäische Investitionsbank (EIB) hat den Hellenen ihre Unterstützung zugesagt: "Die griechische Regierung hat einen Qualitätssprung gemacht", sagte EIB-Vizepräsident Matthias Kollatz-Ahnen gegenüber dem Handelsblatt. Dies betreffe vor allem "die Art, wie Probleme jetzt gelöst werden." Die EIB ist das Finanzinstitut der EU für langfristige Finanzierungen. Im Jahr 2010 stellte die EIB Kredite in Höhe von 72 Milliarden Euro zur Verfügung, gut drei Mrd. Euro davon flossen nach Griechenland. In Zukunft sollten die Mittel weiter erhöht werden, sagte Kollatz-Ahnen der Zeitung. Bereits in diesem Jahr könnten sie ausgeweitet werden. Das Volumen der Kredite, die in Griechenland vergeben wurden, hat sich damit seit dem Jahr 2005 verdreifacht.

Schäuble: Griechen brauchen Jahrzehnt um aus der Krise zu kommen

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geht davon aus, dass Griechenland noch lange für seinen Weg aus der Schuldenkrise braucht. "Die Griechen werden sicher ein Jahrzehnt benötigen, um wieder wettbewerbsfähig zu werden", sagte er der Passauer Neuen Presse. Der Minister verteidigte die umfangreichen Rettungsmaßnahmen für den Euro: Nichts zu unternehmen wäre "viel risikoreicher und teurer" gewesen, so der CDU-Politiker. Weiters sprach sich Schäuble dafür aus, den Einfluss der Ratingagenturen auf die Finanzmärkte durch zusätzliche Wettbewerber zu beschneiden. Die Gründung einer europäischen Ratingagentur als Gegengewicht zu den bestehenden könne jedoch nicht von der Politik verordnet werden, dies sei vielmehr eine Aufgabe für die private Wirtschaft.

EU-Schuldensünder müssen laut Schäuble mit einer harten Gangart rechnen: "Das Bild von der bequemen Hängematte ist einfach falsch. Es gibt keinen Freifahrschein für die Inanspruchnahme der neuen Instrumente. Ohne entsprechende harte Spar- und Strukturprogramme werden keine Hilfen fließen." Staaten, die um Hilfe nachsuchten, müssten einen Teil ihrer Souveränität aufgeben, "sich harten Bedingungen und scharfer Aufsicht unterwerfen". Dies sei für viele sehr schmerzhaft, "aber allemal besser, als die Integrität der Eurozone zu gefährden".

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Erstellt am 05.12.2011