Banken im Abwertungs-Fieber
Als Erster hat es Erste-Group-Chef Andreas Treichl getan. Montag morgens verkündete er Abschreibungen von Beteiligungen in Osteuropa und von Euro-Staatsanleihen von in Summe 2,9 Milliarden Euro an. Aus dem angepeilten Gewinn von 700 Millionen Euro wird heuer ein Verlust in dieser Größenordnung.
Am Donnerstagabend folgte
Gerald Wenzel, Chef der Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG). Wenzel schreibt 700 Millionen Euro auf Beteiligungen (Investkredit, Rumänien-Tochter) ab. Aus dem erhofften ausgeglichenen Ergebnis wird bei weitem nichts: Die ÖVAG wird heuer einen Verlust von 900 Millionen Euro einfahren, vielleicht auch mehr.
Damit sind alle Dämme gebrochen, könnte man meinen. Wer wird als nächstes melden (müssen), dass es heuer schwere Verluste gibt?
Die Raiffeisen Bank International (RBI) bleibt dabei: Abschreibungen in Ungarn wird es zwar geben, am Ende des Jahres wird die RBI aber dennoch Gewinne vorweisen können. Bei der Bank Austria sieht man das ganz ähnlich: Größere Abschreibungen im Osten, etwa in Kasachstan, hätte man längst hinter sich gebracht. 2011 will man mit Gewinnen abschließen. "Wir sehen uns als kerngesunde Bank", so ein Bank-Sprecher.
Harte Quoten
Wie kerngesund die Banken in Europa tatsächlich sind, darüber scheiden sich gerade die Geister. Das Kernproblem, um das sich derzeit alles dreht: Bekommen Banken Gelder, die sie verborgt haben (etwa an Griechenland) zum Teil nicht mehr zurück, haben sie dann genügend Reserven, um das Loch aufzufüllen? Das "harte Kernkapital" (das sich aus Grundkapital und einbehaltenen Gewinnen zusammensetzt) soll neun Prozent des Bankrisikos ausmachen, fordert die EU-Kommission. Schaffen Banken diese Quote nicht, müssten sie eben zu ihrem Glück gezwungen werden - mit Kapitalspritzen von den nationalen Staaten.
Erste Group und RBI sind genauso überzeugt davon, dass sie nicht auf staatliche Gelder angewiesen sein werden wie die
Bank Austria. Letztere weist laut Eigenangabe eine harte Kernkapitalquote von gut zehn Prozent auf. Die Erste Group kommt auf 9,2 Prozent - allerdings inklusive der 1,2 Milliarden Euro an Staatshilfe, die sich die Erste in der Finanzkrise geholt hat. Die RBI gibt eine Kernkapitalquote von 8,5 Prozent an. Sie hat öffentliche Hilfe in Höhe von 1,75 Milliarden Euro in Anspruch genommen. Werden wirklich neun Prozent die vorgegebene Messlatte, müsste die RBI Geld von ihren Eigentümern mobilisieren.
Bei der ÖVAG hat sich die Lage etwas gebessert, ist aber dennoch schwierig. Der Verkauf der Ostbanken-Tochter VBI bringt zwar 300 Millionen Euro fürs Eigenkapital, ein Teil davon wird jetzt aber durch die neuen Abschreibungen aufgefressen. Für die Finanzmarktaufsicht (FMA) steht aber etwas anderes im Vordergrund: "Besonders wichtig ist der gefasste Beschluss, die Volksbankengruppe zu einem einheitlichen Konzern zu verdichten", so FMA-Vorstand Harald Ettl. Die ÖVAG hat eine Milliarde Euro an Staatskapital erhalten. Offen ist, ob sie weitere Garantien oder Staatsgeld braucht.
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