Wo sind die Patrioten geblieben?

© APA/Harald Schneider

Wachstum
08/18/2014

Bank Austria senkt Österreichs BIP-Prognose

Allein Russland-Krise kostet halbes Prozent Wachstum. BA-Chef-Ökonom: Bisherige Erwartungen überzogen.

Das Wachstum in Österreich bricht heuer stärker weg als noch vor kurzem angenommen. Die Bank Austria hat jetzt die Prognose für den BIP-Anstieg im Gesamtjahr 2014 auf nur noch 0,8 Prozent gesenkt. Allein die Russland-Krise koste Österreichs Wirtschaft bis 2015 einen halben Prozentpunkt an Wachstum, erklärten die Experten am Montag. Im Frühjahr ging die Bank noch von zwei Prozent BIP-Plus 2014 aus.

Nach dem verhaltenen ersten Halbjahr fehlten auch zu Beginn des 3. Quartals sichtbare Zeichen einer Auffrischung der heimischen Konjunktur, so Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer: "Die Stimmung unter den Konsumenten war im Juli noch reservierter als im Vormonat, und die Industrie ist hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung im Verlauf des Jahres skeptischer geworden."

Krisen bremsen

Gebremst werde die Konjunkturerholung von immer mehr Faktoren, verweist Bruckbauer auf die Nahost-Krise und den Ukraine-Konflikt mit EU-Sanktionen gegen Russland und Gegensanktionen wiederum darauf. Die Belastungen durch die jüngsten geopolitischen Entwicklungen kämen für Österreichs Wirtschaft "zur Unzeit", denn die Erholung in Europa komme auch unabhängig davon nur langsam voran: "Es fehlt damit weiter an Unterstützung für die heimische Wirtschaft." Es sei auch nicht mit einer gravierenden Aufhellung der Konjunktur in Europa zu rechnen, meint dazu Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt

Die früher noch erwartete exportgetriebene Konjunkturbeschleunigung in der zweiten Jahreshälfte 2014 sei im aktuell bestehenden Umfeld "jedenfalls weniger wahrscheinlich geworden". Damit werde sich auch die Investitionstätigkeit in den kommenden Monaten trotz des niedrigen Zinsumfelds in Österreich nicht entscheidend beleben. Zudem seien die Voraussetzungen für eine schwungvollere Entwicklung des Privatkonsums nicht besser geworden. Die schwierige Lage am Arbeitsmarkt werde sich wegen der fehlenden Konjunkturimpulse vorerst nicht bessern können, so Pudschedl.

Im zweiten Halbjahr werde es in Österreich beim "verhaltenen Wachstumspfad knapp über der Nulllinie" bleiben, so die Bank Austria im Lichte des bescheidenen Quartalswachstums, das sich laut Wifo-Schnellschätzung von Donnerstag im zweiten Vierteljahr nur unwesentlich von 0,1 auf 0,2 Prozent beschleunigt hat. Und Wifo-Experte Marcus Scheiblecker rechnete imAPA-Gespräch für das 3. und 4. Quartal "optimistisch" betrachtet auch nur mit je 0,2 Prozent, womit man im Gesamtjahres-Plus wohl nur auf ein Prozent komme, "eventuell sogar darunter", wie Scheiblecker sagte. Ende Juni hatten Wifo und IHS noch 1,4 bzw. 1,5 Prozent reales BIP-Wachstum für heuer erwartet, am 18. September kommt die neue Prognose.

"Wachstumserwartungen maßgeblich überzogen"

Für 2014 seien die bisherigen Wachstumseinschätzungen "maßgeblich überzogen" gewesen, meinte Bruckbauer am Montag und fasste die Aussichten für heuer so zusammen: "Angesichts der bestehenden Rahmenbedingungen ist im Gesamtjahr 2014 nur noch ein Wirtschaftswachstum von knapp unter einem Prozent zu erwarten."

2015 werde von etwas tieferem Niveau aus mit 1,5 Prozent BIP-Anstieg - ebenfalls - hinter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben. Unter der Annahme, dass es zu keiner weiteren Eskalation der Russland-Ukraine-Krise komme, werde diese Österreichs Wirtschaft in Summe rund einen halben Prozentpunkt Wachstum gekostet haben bzw. kosten, so Bruckbauer. Wifo und IHS rechneten Ende Juni für 2015 noch mit 1,7 bzw. 1,9 Prozent realem BIP-Plus.

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