Wirtschaft
14.07.2018

Austria ja, aber noch nicht Australien

© Bild: Florence Stoiber

Der Nachwuchs im Weingut Salomon übernimmt den Betrieb in Krems. Die Eltern werken auf dem anderen Kontinent

„Wir sind die Einzigen, die übrig geblieben sind.“ Berthold Salomon weiß um die Kontinuität des Weinguts Salomon. Auf dem Tisch im Verkostungsraum im Undhof in Krems liegen neben einer Flasche Grünen Veltliner zwei Ausgaben des bekannten Weinführers „Der große Johnson“. Sowohl in der Ausgabe von 1971 als auch in einer aktuellen Ausgabe ist ein Etikett des Weinguts Salomon abgebildet. Das habe sonst kein österreichisches Weingut geschafft, ist Berthold Salomon stolz auf die Familientradition.

Seit 1792

Im Jahr 1792 hat einer seiner Vorfahren das frühere Wirtschaftsgebäude des Klosters und die dazugehörigen Weingärten gekauft. Eine durchaus nachhaltige Investition. Seither produziert die Familie Salomon dort Wein.

Das soll auch die nächsten Jahrzehnte so bleiben. Denn die Nachfolge im Betrieb ist bereits geregelt. Die Zwillinge Fanny-Marie Salomon und Bert Salomon werden in eineinhalb Jahren gemeinsam das Weingut übernehmen. Der Vater ist dann 65 Jahre alt.

„Wir wurden nie gedrängt, dass wir einsteigen“, betont Fanny-Marie Salomon. Das hat die Entscheidung, die Familientradition weiterzuführen, wohl erleichtert. Bereits vor sechs Jahren haben sich die heute 28 Jahre alten Geschwister entschlossen, das Weingut zu übernehmen.

Für die Eltern war es jedenfalls eine Überraschung. „Wir haben unsere Eltern zum Abendessen eingeladen und ihnen nur gesagt, dass wir ihnen etwas Wichtiges mitzuteilen haben.“ Das hat zuerst für einige Anspannung bei der älteren Generation gesorgt. Was kommt jetzt Wichtiges? Dafür war nach dem Übernahme-Angebot die Erleichterung groß. „Mama hat gefragt, wo der Champagner ist“, erinnert sich Fanny-Marie.

Wobei sich die Eltern nicht gleich zur Ruhe setzen werden. „Das heißt ja nicht, dass wir dann zum Arbeiten aufhören werden“, präzisiert Berthold Salomon. Man werde schon noch helfen, „aber das darf nicht unser Wunsch sein, sondern der Wunsch der Kinder“.

Down Under

Zumal die Elterngeneration ja auch noch andere Verpflichtungen hat. „ Australien und Neuseeland behalten wir uns.“ Das Weingut Salomon Estate in Australien wurde 1995 gegründet. Das zweite Standbein hat sich sehr gut entwickelt. Die Salomons pendeln zwischen Europa und Australien.

Dass die Eltern keinen Druck auf den Nachwuchs ausgeübt haben, um die Nachfolge im Betrieb sicherzustellen, hat wohl auch mit den persönlichen Biografien zu tun. „Ich war ein ganzes Leben berufstätig“, erzählt Gertrud Salomon. Damit ist nicht nur das Weingut gemeint. „Ich habe zwanzig Jahre im Management von L’Oréal gearbeitet. Man kann glückliche Kinder haben, auch wenn man selbst sehr eingespannt ist. Sie haben gesehen, dass uns die Arbeit sehr viel Freude gemacht hat.“ Der französische Konzern mit Hauptsitz in Clichy ist der größte Kosmetikhersteller der Welt.

Auch Berthold Salomon war ursprünglich nicht als Nachfolger seines Vaters vorgesehen gewesen. Er hat Handelswissenschaften studiert und hat danach im Marketing gearbeitet. Zuerst als Verkaufsleiter bei den Freien Weingärtnern Wachau (damals Domäne Wachau), sowie im Vorstand bei Schlumberger und als Chef der Österreich Wein Marketing (ÖWM).

Nach der plötzlichen Erkrankung seines Bruders hat Berthold Salomon doch das Weingut übernommen. Wobei auch schon sein Bruder unerwartet schnell den Betrieb vom Vater übernehmen musste. „Wir hatten zwei ungeplante Übergaben des Weinguts. Das wird jetzt eine vorbereitete Übergabe“, freut sich Berthold.

Die Kinder sind tatsächlich sehr gut vorbereitet. Sohn Bert hat nach dem Studium der Betriebswissenschaften noch ein Masterstudium Weinbau angehängt. „Derzeit absolviere ich ein Praktikum beim Weingut Ott in Feuersbrunn, das noch bis Jahresende dauern wird.“

Die Zwillinge haben im Alter von 14 an der Vinohak (Weinschule mit Handelsakademie) begonnen. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität hat Fanny -Marie bei Schlumberger gearbeitet und diverse Praktika absolviert. Derzeit studiert sie Online-Verkauf. Es fehlt nur noch die Masterarbeit.

„Wir sind sehr eng, aber auch sehr unterschiedlich“, beschreibt sie das Verhältnis zu ihrem Zwillingsbruder. Die künftige Arbeitsteilung ist klar. Die extrovertiertere Fanny-Marie übernimmt den Verkauf. Bruder Bert ist der Chef im Weingarten und im Weinkeller.

Der Artikel ist Teil einer Serie über Familienunternehmen. Die Serie wird fortgesetzt.

Zwei  Standorte

Der Undhof in der Undstraße 10  liegt im Stadtteil Und zwischen Krems und Stein. Bewirtschaftet werden 30 Hektar Weingärten. Die Hälfte davon ist Eigenbesitz, der Rest langfristig gepachtet.   Angebaut wird Weißwein, die Exportquote beträgt   50 Prozent. Zu den bekanntesten Lagen zählen Kremser Kögl und Pfaffenberg.

Von den 50 Hektar  Grundbesitz  in Australien  ist  ein Drittel Weingärten mit Rotweinreben. Dazu kommen  Olivenbäume zur Olivenölproduktion. Die Rotweine werden auch nach Österreich exportiert und international sehr gut bewertet.  Großes Lob gab es vom  Gourmetmagazin Feinschmecker  für den 2009 Alttus Salomon Estate.