© OTIS/Arnaud Février

Wirtschaft
08/05/2021

Aufzug-Technologie erreicht ungeahnte Höhen

Lifte können nicht abstürzen - sofern sie richtig gewartet werden. Moderne Modelle haben allerdings noch viel mehr drauf.

von Thomas Pressberger

Eine gute Nachricht für alle, die unter Lift-Phobie leiden oder zumindest in Aufzügen ein mulmiges Gefühl haben: Ein moderner Aufzug kann nicht abstürzen, versichert Christoph Sengstschmid, Vorsitzender der Geschäftsführung von Otis Österreich.

Eine Fangvorrichtung verhindert das. Sie wurde vom Gründer des Aufzugsherstellers, Elisha Graves Otis, bereits vor 160 Jahren erfunden und funktioniert erstaunlich einfach. „Eine Klemmvorrichtung verkeilt sich in den Hauptführungsschienen der Aufzugskabine“, sagt Sengstschmid. Ein Geschwindigkeitsbegrenzer überwacht die Fahrgeschwindigkeit. Sollte der Fahrkorb 15 Prozent der Nenngeschwindigkeit überschreiten, so wird die Klemmvorrichtung mechanisch ausgelöst.

Strenge Prüfer

Auch die Gefahr der Überladung bestehe nicht. Der Lift wiegt sich ab. Wenn die maximal zulässige Last überschritten wird, fährt er erst gar nicht weg, erklärt Sengstschmid. Das einzige „Aber“ bei diesen Sicherheitsvorkehrungen: Der Lift muss regelmäßig gewartet werden, damit sie auch sicher funktionieren. Dafür gibt es konkrete Regelungen. „Der Betreiber ist verpflichtet, ein Mal pro Jahr den Aufzug durch eine staatlich akkreditierte Prüfstelle überprüfen zu lassen“, sagt Sengstschmid. Werde ein Mangel festgestellt, müsse dieser umgehend behoben werden, die Behörden und Prüfer seien streng.

Otis, weltweit der führende Aufzugshersteller und in Österreich unter den vier größten Anbietern, stellt praktische jede Art von Aufzügen her. Am meisten wird das Modell für acht Personen, 630 Kilogramm Nutzlast und mit 900 Millimeter Türbreite für Wohnanlagen verkauft. Für Büros und Einkaufszentren ist er zu klein, dort gibt es größere Aufzüge mit breiteren Türen. Die kleinsten Lifte, die zum Beispiel in enge Gründerzeit-Stiegenhäuser eingebaut werden, fassen drei Personen und tragen 200 Kilogramm. In den größten Lift passt ein Lkw, er trägt 15 Tonnen – Otis lieferte ihn an die Oesterreichische Nationalbank.

Doppelter Nutzen

Auch bei den Liftherstellern ist längst die Digitalisierung eingezogen. Durch Echtzeitdaten, die laufend Informationen über den Zustand des Aufzugs liefern und mittels künstlicher Intelligenz ausgewertet werden, wird präventive Wartung möglich. „Dadurch ziehen wir Schlüsse, was zu tun ist und können künftige Störungen vorab beheben“, sagt Sengstschmid. Das habe einen doppelten Nutzen: Der Lift stehe dem Betreiber länger zur Verfügung und Otis könne die Wartungen besser planen.

Durch Sensoren und Kameras kann ein Aufzug mittlerweile auch aus der Ferne kontrolliert und eine Diagnose erstellt werden. Die Technik kann bei modernen Otis-Aufzügen von der Kabine aus repariert werden. Bei anderen Produkten müssen die Techniker tatsächlich noch durch die Decke hinauf auf die Liftkabine klettern und zum Kopf des Liftschachtes hinauffahren, um das sich dort befindliche Triebwerk zu reparieren. Deshalb gibt es auch auf den Dächern der Gebäude so etwas wie einen Hut über den Liftschächten – der wie ein kleines Häuschen aussieht, das auf das Dach draufgesetzt wurde.

Fluchtraum

Darin befindet sich nicht die Technik, sondern ein Rettungsraum, in den der Techniker flüchten kann, um nicht zerquetscht zu werden, sollte der Lift nicht stehen bleiben. Mit den modernen Otis-Aufzügen wäre das nicht mehr notwendig, doch bedürfte es einer Gesetzesänderung, ehe dieser Rettungsraum nicht mehr gebaut werden müsste.

Doch dank der Digitalisierung haben die Lifte noch viel mehr drauf, wie sich am Beispiel einer Universität zeigen lässt. Durch die Nutzung der Liftdaten ließe sich erkennen, wie viele Studenten in einem Universitätsgebäude sind und wie viele Portionen Essen die Mensa bereitstellen muss. Wenn in einem Stockwerk an einem Tag noch keiner ausgestiegen ist, kann die Klimaanlage heruntergefahren werden, oder wenn sich viele Studenten in Richtung Ausgang begeben, können die Wiener Linien verständigt werden, damit die Straßenbahn in kürzeren Intervallen kommt.

Energieautarke Lifte

Dabei handelt es sich um nicht personenbezogene Daten, die bearbeitet werden, weshalb der Datenschutz gewährleistet ist, sagt Sengstschmid. An der Umsetzung solcher Möglichkeiten werde mit der Universität Graz gearbeitet.

Auch der Umweltgedanke spielt bei Otis eine Rolle, manche Aufzüge fahren bereits zu 100 Prozent energieautark, andere brauchen nicht mehr Strom als eine Kaffeemaschine. Die Energie, die beim Bremsen entsteht, wird in Akkumulatoren gespeichert und wiederverwendet. Sonnenkollektoren am Dach liefern zusätzlich Strom. Die Beleuchtung im Lift dreht sich automatisch ab, wenn der Lift nicht benutzt wird.

Otis beschäftigt in Österreich rund 500 Mitarbeiter und steigerte seinen Umsatz von 2018 bis 2020 von 117 Millionen Euro auf 123 Millionen Euro. Auch in Zukunft geht Sengstschmid von einem stabilen Wachstum aus. Vor allem das starke Wachstum am Bau stimmt ihn optimistisch.

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