Wirtschaft
26.07.2018

"AUA stehen harte Zeiten bevor"

József Váradi, Chef der ungarischen Wizz Air, über den neuen, heftigen Wettbewerb der Low-Cost-Airlines in Österreich.

KURIER: Sie kündigten an, in Wien die Nummer zwei zu werden. Da war Ryanair noch nicht Mehrheitseigentümer von Laudamotion. Wizz Air ist zwar die größte Billig-Airline in Mittel- und Osteuropa, aber hält Ihre Prognose jetzt noch?

József Váradi: Natürlich. Wir engagieren uns sehr in Wien und werden in den nächsten sieben bis acht Monaten auf fünf Flugzeuge aufstocken, mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigen und 31 Routen in 22 Ländern anbieten. In fünf Jahren planen wir zehn bis 15 Flugzeuge und 500 bis 1000 Mitarbeiter. Wir sind eine sehr kostengünstige Airline und sehr kompetitiv.

Werden alle Airlines den Wettbewerb in Wien überleben?

Der Markt ist derzeit überhitzt, eine Menge Airlines kommt nach Wien. Das ist zum Vorteil der Konsumenten. Aber ich glaube, nach einem Jahr oder so werden sich einige dieser Airlines wieder zurückziehen. Wir werden alles tun, um einer der Gewinner zu sein.

Was schätzen Sie, wie viele Airlines fliegen aus dem Markt?

Zuerst einmal glaube ich, dass der AUA harte Zeiten bevorstehen. Die AUA hatte es bisher sehr gemütlich und die Lufthansa-Gruppe hat ein Monopol in Wien. Das ändert sich derzeit, die Low-Cost-Airlines werden erfolgreich sein. Wir werden sehen, was mit Laudamotion passiert, was mit Level passiert und wir werden eine schwächere Lufthansa-Gruppe sehen.

AUA und Lufthansa-Gruppe sind die Verlierer?

Ich glaube ja.

Kann die AUA den Wettbewerb gegen die Low-Cost-Airlines überhaupt überleben?

Da die AUA Mitglied der Lufthansa-Gruppe ist, ist das keine Frage des Überlebens, sondern eine Frage der Größe. Die AUA wird reduzieren und ihre Kapazitäten verkleinern müssen, um intakt zu bleiben. Die AUA hat ja schon in der Vergangenheit finanziell nie stark performt.

Wizz Air will Europas allerbilligste Airline werden. Wie nahe sind Sie diesem Ziel?

Wir sind bereits der Kostenführer. Wir haben niedrigere Stückkosten als Ryanair. Aber wir müssen diesen Vorteil noch besser einsetzen.

Ihre Mitbewerber kritisieren, dass Sie die Mitarbeiter nach ungarischen Kollektivverträgen entlohnen. Da ist es leicht, der Kostenführer zu sein.

Nein, nein! Ich glaube, Sie sind von den Airlines in Österreich falsch informiert worden. Das ist absoluter Quatsch. Die Wahrheit ist, dass wir jeden Mitarbeiter in Österreich gemäß den österreichischen Verträgen und Lohnstandards bezahlen. Wir zahlen unseren österreichischen Piloten mehr als Eurowings. Unsere Arbeitskosten machen weniger als zehn Prozent unserer Gesamtkosten aus, nicht nur in Österreich. Aber wir fliegen ein Flugzeug 12,5 Stunden am Tag, die AUA nur sieben.

Werden auch in Europa nur wenige Airlines die Konsolidierung überleben, wie in den USA?

Ich schätze schon. Die Konsolidierung passiert in Europa bereits. Die AUA ist ein gutes Beispiel dafür, sie ist nicht mehr unabhängig, sondern ein Teil der Lufthansa-Gruppe.

Kann Wizz Air eigenständig bleiben?

Wir sind in den letzten drei, vier Jahren um jeweils 20 Prozent gewachsen und wachsen weiter. Wir haben keine konkrete Agenda, uns einer großen Gruppe anzuschließen, doch was in zehn Jahren ist, darüber kann ich jetzt nicht spekulieren.

Rentabel, aber leichter Gewinnrückgang

Wizz Air meldet für das erste Quartal (per 30. Juni) des laufenden Geschäftsjahres einen Rückgang des Nettogewinns um 14 Prozent auf 50 Millionen Euro. Die börsenotierte Billig-Airline steigerte die Zahl der Passagiere um knapp 20 Prozent auf 8,6 Millionen Fluggäste und den Umsatz um knapp 18 Prozent auf 553,4 Millionen Euro. Der Ladefaktor (Auslastung der Flugzeuge) stieg leicht auf 92,1 Prozent.

Die Flotte besteht aus 71 Airbus A-320 und 31 Airbus A-321. Letztere fliegen besonders sparsam und können mehr Passagiere befördern.

Wegen der gestiegenen Kerosinpreise und der Streiks der Fluglotsen in Europa hat Wizz Air das Wachstumsziel für das Gesamtjahr geringfügig von 20 auf  18 Prozent reduziert. Gemeinsam mit Ryanair und der englisch-spanischen IAG-Gruppe reichte Wizz Air am Dienstag bei der EU-Kommission Beschwerde gegen Frankreich ein. Dort streiken die Fluglotsen beinahe jedes Wochenende gegen die Wirtschaftsreformen der Regierung.