Wirtschaft 23.03.2018

AUA-Betriebsrat schließt Osterstreik aus

© Bild: APA/HELMUT FOHRINGER / HELMUT FOHRINGER

Eine Einigung bei den Gehaltsverhandlungen zwischen Fluglinie und Bordpersonal ist nicht in Sicht. Aber: "Ostern bleibt verschont"

Trotz der festgefahrenen Gehaltsverhandlungen bei der AUA schließt der Betriebsrat für das Bordpersonal einen Streik über das Osterwochenende aus. "Ostern bleibt verschont", sagte Betriebsratschef, Kapitän Rainer Stratberger, am Freitag zu Journalisten. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Für die harten Fronten gibt es mehrere Gründe, einer davon ist der harte Sparkurs vor sechs Jahren.

"Zu Ostern gibt es keinen Streik. Zu dem stehe ich, das gilt", versprach Stratberger den Passagieren, die mit der AUA über die Feiertage verreisen. Damit kommt es frühestens nach Ostern zu einem Arbeitskampf der Piloten und Flugbegleiter der Austrian Airlines. Den Streikbeschluss gibt es bereits. Ernst werden könnte es etwa um den symbolischen 15. Mai, dem 60. Geburtstag der Austrian Airlines: "Ich möchte vermeiden... Nein, ich würde mir wünschen, dass wir vor dem 15. Mai einen Abschluss haben, um gemeinsam feiern zu können", sagte Stratberger.

Belegschaft auf Streik aus

Nach der Betriebsversammlung am Donnerstag, die in einem halbstündigen Warnstreik mit 150 Flugausfällen mündete, soll es nächste Woche wieder Verhandlungen geben. Die Belegschaft sei mehr auf Streik aus als der Betriebsrat und die zuständige Gewerkschaft vida, wurde in dem Hintergrundgespräch zwischen den Zeilen betont. Angeblich stand gestern sogar die Gefahr im Raum, dass die Situation mit weiteren spontanen Streiks gänzlich eskaliert. Der Antrag für den Warnstreik sei aus der Belegschaft, nicht vom Betriebsrat gekommen, sagte Stratberger.

Die Kollektivvertragsverhandlungen, um die es geht, ziehen sich seit Oktober 2017. Der AUA-Vorstand habe sich trotzdem bisher nicht eingeschaltet, kritisiert die Gewerkschaft. Die Verhandlungen führt die Wirtschaftskammer - womit man offenbar auf Gewerkschaftsseite angesichts der komplizierten Sondersituation bei Luftfahrt-Kollektivverträgen nicht ganz glücklich ist. "Wir brauchen einen Verhandlungspartner, mit dem man sachlich und inhaltlich über die Themen reden kann", deutete vida-Verhandler Philip Gastinger an. Die Wirtschaftskammer lehne einen Kollektivvertrag für die gesamte österreichische Airlinebranche leider aus ideologischen Gründen ab.

In den konkreten Verhandlungen sind die beiden Seiten noch meilenweit von einer Einigung entfernt. Die AUA hat eine Erhöhung aller Gehälter um 2,1 Prozent und zusätzlich 1,4 Prozent angeboten. Betriebsrat und Gewerkschaft wollen eine Anhebung auf ein branchenübliches Niveau. Im Detail orientieren sie sich an den Gehaltstabellen, die der britische Billigflieger easyJet in Deutschland zahlt. Diese sind sowohl im Cockpit als auch in der Kabine im Schnitt um zehn bis 20 Prozent höher. Von den doppelt so hohen Gehältern bei Lufthansa und Swiss wagen die AUA-Piloten gar nicht zu träumen. Das niedrige Lohnniveau der AUA bekommen laut Stratberger auch die deutschen und Schweizer Gewerkschaften in den Verhandlungen mit Lufthansa und Swiss zu spüren.

Vida und AUA-Betriebsrat haben einen detaillierten Vergleich der Airline-Gehälter in ganz Europa erstellt. Das Ergebnis: Kaum eine Fluggesellschaft zahlt schlechter als die AUA und die ebenfalls in Wien angesiedelte AUA-Schwester Eurowings Europe. Bei der AUA steigt ein Copilot im ersten Jahr mit 3.850 Euro brutto ein. Netto sind das rund 2.400 Euro. Allerdings muss der Pilot in den ersten zehn Jahren rund 500 Euro monatlich vom Nettogehalt für die Ausbildungskosten an das Unternehmen zurückzahlen. Zum Kapitän - und damit in der Gehaltsstufe - steigt man in der AUA im Schnitt erst nach zwölf Jahren auf. Bei anderen Airlines ist das deutlich früher, bei Eurowings beispielsweise nach drei Jahren.

Sparkurs

In dem aktuellem Konflikt schwingt auch mit, dass die AUA vor sechs Jahren einen radikalen Sparkurs durchsetzte. Alle Piloten und Flugbegleiter der AUA wurden zur damaligen Regionaltochter Tyrolean verschoben. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) urteilte aber gegen die AUA und entschied, dass der alte Kollektivvertrag nachwirkt. Die AUA stand daraufhin vor dem finanziellem Abgrund, innerhalb kürzester Zeit musste ein Einigung her. Der Betriebsrat akzeptierte einen deutlich schlechteren Kollektivvertrag und verzichtete gegen Abschlagszahlungen auf Klagen - für die Airline war das die Rettung.

"Aus jetziger Sicht war das ein Wahnsinn, was man abgeschlossen hat, man muss aber die Situation berücksichtigen", so Stratberger heute. Er war 2016 dem damaligen Betriebsratschef Karl Minhard nachgefolgt. Dazu kommt, dass die AUA 2017 mit 101 Mio. Euro erstmals in ihrer Geschichte dreistellige Millionengewinne eingeflogen hat. Jetzt wollen die Piloten einen Teil dieses Kuchens. Es ist die Rede davon, dass die Gehaltsforderungen einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Der Vorstandschef der Konzernmutter Lufthansa, Carsten Spohr, will hingegen, dass der Gewinn auf 150 Mio. Euro weiter steigt.

vida-Gewerkschafter Johannes Schwarcz nannte den 2014 abgeschlossenen KV, der de facto ein Vergleich war, heute als "Sanierungs- und Unterstützungs-KV", sonst wäre die AUA in Konkurs gegangen. Stratberger will diese Einschnitte von damals nun ausgleichen. Bei den Flugbegleitern wollen die Arbeitnehmervertreter ein Einstiegsgehalt von 1.700 Euro brutto. Die derzeit rund 1.500 Euro brutto seien zu wenig, um davon in Österreich leben zu können, so Schwarcz. Dies sei auch der Grund, warum viele der täglich über 100 Flugbegleiter-Bewerbungen bei der AUA aus den östlichen Nachbarländern stammen würden. Zum Vergleich: Bei der Swiss verdient ein Junior Flight Attendent laut Gewerkschaft 3.800 Franken (3.255 Euro). Das Argument der Unternehmensseite, dass der Markt in Österreich nicht mehr hergebe, greife nicht, da die Lufthansa-Gruppe den österreichischen Luftfahrt-Arbeitsmarkt dominiere, AUA und Eurowings seien bei den Gehältern quasi die Monopolisten, so die Kritik.

Die vida verhandelt parallel zur AUA auch einen Kollektivvertrag für Eurowings Europe, wo es derzeit noch gar keinen gibt. Ein Abschluss im April sei möglich. Wir sind ein paar Meter vor der Ziellinie", sagte Schwarcz. Beim bulgarischen Billigflieger Wizz Air, der im Juni Flugzeuge in Wien stationiert, warte man auf die Rückmeldung der Wirtschaftskammer. Explizites Lob der vida gab es für den spanischen IAG-Billigflieger, der selbst auf die Gewerkschaft zugekommen sei. Für den von Niki Lauda in Aussicht gestellten Laudamotion-Kollektivvertrag ist nicht die vida, sondern die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) zuständig. Laudomotion spielt aber auch für die vida eine Rolle, weil die Niki-Nachfolgeairline, bei der neben Lauda der irische Billigflieger Ryanair fast 75 Prozent halten wird, auch Flüge für Eurowings durchführen soll. Ob Laudamotion bereits über das sicherheitsrelevante CARA-Audit (Common Airline Risk Assessment) verfügt oder es für die Eurowings-Kooperation benötigt, ist der Gewerkschaft nicht bekannt.

( Agenturen ) Erstellt am 23.03.2018