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Wirtschaft
12/05/2011

ATX schließt Freitags leicht im Minus

Schlechte Konjunkturaussichten ließen die Börsen am Donnerstag abstürzen, der ATX fiel auf ein 25-Monats-Tief.

Nach den heftigen Kursverlusten an den Aktienbörsen am Donnerstag schaute es am Freitag zuerst nach Beruhigung aus. Der Frankfurter DAX konnte sogar kleine Gewinne vorweisen.

Die Ankündigung der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20), alles Notwendige zu unternehmen, um die Stabilität des Finanzsektors zu gewährleisten, schien zu wirken. Da

nn überwog rasch wieder die Angst, Europa werde mit der Schuldenkrise nicht fertig werden. Wie schon tags zuvor wurden riskantere Veranlagungen wie Aktien auf den Markt geworfen.

Bis zum Nachmittag stürzte der Wiener ATX um 5,3 Prozent ab. Der DAX verlor 2,6 Prozent. Unter die Räder kamen vor allem Bankaktien und Titel von Konzernen, die unter der befürchteten Konjunkturflaute leiden würden. Erneut schlimm erwischte es die Raiffeisen Bank International (minus 12,1 Prozent) und Erste Group (minus neun Prozent). In Frankfurt rutschten Siemens und BMW massiv ab.

Am späteren Nachmittag stabilisierte sich die Lage aber. Auslöser war die Bereitschaft der EZB, Europas Banken mit zusätzlicher Liquidität zu helfen. Letztlich verlor der ATX "nur mehr" 1,48 Prozent (Raiffeisen: Minus 5,26 Prozent, Erste Group: Minus 1,94 Prozent). Frankfurt, London und Paris drehten ins Plus.

In den USA lag der Dow Jones im Handelsverlauf im Plus. Nike konnte aufgrund kräftig steigender Gewinne sechs Prozent zulegen. Hewlett Packard verlor massiv. Nach einem Jahr macht der deutsche Manager Leo Apotheker Platz für Meg Whitman. Die Ex-Ebay-Chefin soll das verloren gegangene Vertrauen der Kunden und Aktionäre zurückgewinnen.

Krise 2.0

Die Angst geht um, dass sich eine globale Bankenkrise wie nach der Lehman-Pleite 2008 wiederholen könnte. Als Auslöser diesmal gilt die Staatsschulden-Problematik. Bekommt Europa die Schuldenprobleme in Griechenland nicht in den Griff, könnten sich auch große Eurostaaten wie Italien mit diesem Virus infizieren. Das würde neuerliche Schockwellen rund um den Globus jagen. "Wir könnten in eine neue Kreditkrise geraten, die zu einer Schrumpfung der Realwirtschaft führt", warnte der kanadische Finanzminister Jim Flaherty am Donnerstag.

Viele Banken stehen zwar besser da als vor der letzten Finanzkrise. Und dennoch ist das System äußerst fragil. Für neuerliche Bankenrettungen ist kein Geld da, dafür ist die Staatsverschuldung zu hoch. Die Ratingagentur Moody's hält daher Bankenpleiten für wahrscheinlicher und hat die Bonitätseinstufung der US-Großbanken Bank of Amerika, Citigroup und Wells Fargo gesenkt.

Die Ratingagentur Standard & Poor's wiederum hat die Kreditwürdigkeit von sieben italienischen Geldinstituten zurückgestuft. Weiteren acht Instituten (unter ihnen die Bank-Austria-Mutter UniCredit) könnte eine Zurückstufung bevorstehen. Hintergrund: Die italienischen Banken besitzen viele Staatsanleihen ihres Landes, die an Wert verlieren. Das setzt ihrer Finanzkraft zu.

Schlechtere Noten für Banken - na und, könnte man denken. Doch die Auswirkungen sind massiv: Mit der Bonität verschlechtern sich auch die Konditionen, zu denen sich Banken Geld besorgen. Das wiederum bedeutet, dass sie bei der Kreditvergabe knausriger werden und höhere Kreditzinsen verlangen. Und das bremst Unternehmensinvestitionen und Privatausgaben und damit die Realwirtschaft.

Euro sinkt

Nur kein Risiko eingehen, lautet derzeit die Devise der Anleger. Das führte auch dazu, dass der Euro erstmals seit Februar unter die Marke von 1,35 Dollar sank. Auch wenn die USA konjunkturell gesehen nicht besser dastehen als Europa, wird der Dollar von vielen doch als sicherer Hafen wahrgenommen.

Harvard-Professor Kenneth Rogoff, früher Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, ortet eine weitere Gefahr für die Banken hoch verschuldeter Euroländer. Das aktuell größte Risiko für die Eurozone sei, dass die Sparer in Griechenland und anderen Ländern ihre Konten räumen und das Geld in sichere Länder wie Deutschland überweisen, sagte er in einem Interview mit dem Handelsblatt. Bankenpleiten wären die Folge.

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