APA10226708-2 - 14112012 - WIEN - ÖSTERREICH: ZU APA-TEXT II - "Kurier"-Geschäftsführer Thomas Kralinger am Mittwoch, 28. September 2011, während einer Diskussion im Rahmen der Österreichischen Medientage in Wien. Kralinger wurde heute zum neuen Präsidenten des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) bestellt. APA-FOTO: GEORG HOCHMUTH

© APA/GEORG HOCHMUTH

Matinee
11/05/2014

VÖZ für Ausbau von Medienbildung: "Medienkonsum muss erlernt werden"

Matinee des Verlegerverbands zu politischem Desinteresse - Kralinger: Gefahr für "Fundament unseres demokratischen Gebäudes" - Dritter Public Value-Bericht präsentiert

Die Kluft zwischen Bürger und Politiker ist heute so groß wie nie zuvor" - Der zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf zog am Mittwoch ein wenig beschönigendes Resümee zum Status Quo von Politik und deren (medialer) Vermittlung. Anlass war die vom Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ) und Kopf veranstaltete Matinee „Politisches Desinteresse als Gefahr für Medien und Demokratie".

Ein Fazit der Veranstaltung: Medien und Politiker sitzen im selben Boot. Den einen kommen Nutzer abhanden, die anderen kämpfen mit Politikverdrossenheit und rückläufiger Wahlbeteiligung.

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, mahnte VÖZ-Präsident Thomas Kralinger den Ausbau von Medienbildung an Schulen ein. "Medienkonsum muss erlernt werden", betonte er. Zeitungen und Magazine sollten im Unterricht einen größeren Platz einnehmen, um jungen Menschen den Mehrwert und Nutzen von professionellem Journalismus näher zu bringen. Das sei auch im Interesse des demokratischen Prozesses und der Politik. Dem pflichteten der zweite Nationalratspräsident Karlheinz Kopf sowie Familienministerin Sophie Karmasin (beide ÖVP) bei. "Medienkompetenz und politische Bildung als Fach sind sicherlich ein guter Zugang", so Karmasin.

"Marginalisierung"

Bevor sich in einer Podiumsdiskussion aber dennoch unterschiedliche Standpunkte zwischen Politikern und Journalisten offenbarten, gab der deutsche Medienwissenschafter Wolfgang Donsbach einen Einblick in die "Marginalisierung des professionellen Journalismus": Einerseits hätten Medien mehrfach "am eigenen Ast gesägt", etwa durch Vorantreiben der Boulevardisierung sowie Konvergenz mit Billigprodukten und Gratismentalität im digitalen Zeitalter. Andererseits sei ein Rückgang hinsichtlich der "Selbstverpflichtung sich zu informieren" erkennbar.

"Es findet ein Rückzug ins Private statt", so Donsbach. Die Werteveränderung führe zu einer verminderten Motivation, sich auf dem Laufenden zu halten. "Die Inhalte wären ja da. Sind werden geliefert, gesendet, gedruckt. Das Problem ist nur: Sie werden nicht genutzt." Letztlich entstehe ein "Teufelskreis der politischen Entfremdung": Wer nicht informiert sei, wende sich ab - von Politik wie medialen Inhalten. Politische Bildung sei zwar zentral, reiche alleine aber nicht. "Medien müssen zeigen, dass sie in der Lage sind, den Unterschied auszumachen."

Eine andere Sicht brachte Satiriker Robert Stachl von maschek ein: "Dieses ritualisierte Spiel, dieses Hochamt, mit dem sich die Politik umgibt - das interessiert die Jugendlichen nicht." Er habe das Gefühl, dass man gar nicht genau wisse, worüber man rede. "Die sind anders drauf", verwies er auf jene Zielgruppe, die die Medienschaffenden zurückgewinnen wollen. "Und das Problem ist viel ärger, als wir uns alle denken."

Public Value bei VÖZ-Medien

Vorgestellt auch der dritte Public Value-Bericht des VÖZ, für den die APA-Mediawatch im Auftrag des Verbands eine Studie über die Zitierung von Medieneigenleistungen in anderen Medien erstellt hat. Geschäftsführerin Julia Wippersberg zufolge entfielen im Untersuchungszeitraum (März und Juni 2014) 75 bzw. 68 Prozent der zitierten Meldungen auf VÖZ-Mitgliedsmedien. "Die Themensetzungsleistung insgesamt ist enorm hoch. Knapp 300 Themen wurden in diesen Zeiträumen lanciert und übernommen."

Kralinger bezeichnete die ausgewiesene Zitierung einer Meldung "als Ritterschlag im Mediengeschäft". Eine "umfassende öffentliche Debatte gelingt keinem öffentlich-rechtlichen Rundfunk oder mit Agenturen allein. Dafür braucht es eine vitale und vielfältige Presselandschaft." Das dadurch ermöglichte "Fundament unseres demokratischen Gebäudes" sieht er gefährdet. "Es ist unabdingbar, dass die Inhalte weiterhin die Bürger erreichen."

Ebenfalls im Bericht enthalten sind die kürzlich vorgestellte Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) zur ökonomischen Bedeutung der VÖZ-Mitgliedsmedien sowie Beiträge von Medienmachern und Experten, die sich mit dem digitalen Wandel, demokratischer Qualität oder urheberrechtlichen Fragestellungen auseinandersetzen. Ivar Rusdal, Präsident des europäischen Zeitungsverbandes, schreibt etwa über die europäische Perspektive der Medienpolitik, während Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller auf "Steuervermeidungsstrategien von Google und Co." eingeht.

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