Rudolf Cuturi, Präsident Verband Druck & Medientechnik, Herausgeber OÖ Nachrichten/OÖN
Wirtschaft atmedia
12/16/2009

Unverschämt hoher Lohn für vier Stunden Arbeit

at // Rudolf Andreas Cuturi benützt neuerdings ein prachtvolles Präsidentenbüro des Verbandes Druck & Medientechnik im Palais Fürstenberg in Wien. Das Haus ist herrschaftlich, aber in die Jahre gekommen. Wie das Druckereigewerbe, dem er als Präsident des Arbeitgeberverbandes vorsteht. Der Herausgeber der Oberösterreichischen Nachrichten hat die, unter Michael Hochenegg geführten Verhandlungen mit der Gewerkschaft GPA-djp zum Abschluß gebracht. Ein neuer Kollektivvertrag für das grafische Gewerbe liegt schön verpackt unter dem Weihnachtsbaum. atmedia.at: Vorneweg ein wenig Klagearbeit - wie geht es der Druckerbranche?

Cuturi:Wenn man brutal ist, müsste man sagen, ich sperre meinen Betrieb zu und sperre ihn in Polen, Tschechien oder sonst wo auf. Wir haben Überkapazität noch und nöcher. Die Basis des Kollektivvertrages, den wir jetzt ein bisschen korrigiert haben, um ein paar Stricherln, ist aus Zeiten, wo die schwarze Kunst wirklich eine Kunst war und ein `closed shop´ oben drauf. Heutzutage ist es ein offenes Gewerbe und jeder, der irgendeine Quetsch'n hat, kann arbeiten. Und die Tschechen, Polen oder Ungarn, die scheren sich eine Schmarr'n um das Ganze. Die zahlen Gehälter, die 20 Prozent unter den unseren liegen und holen sich Aufträge von hier rüber.

Aber man kann doch noch etwas verdienen?
Cuturi:Man verdient gerade noch das Brot, aber nicht mehr die Butter darauf. Wir haben in ganz Österreich etwa 650 Druckbetriebe. Davon haben heuer 53 Pleite gemacht, darunter einige größere. Wenn fast zehn Prozent der Branche in einem Jahr die Segeln streicht, dann ist es ein eindeutiger Beweis, dass da der Wurm drinnen ist.

Mitte, ein hypothetischer Punkt

Na gut, das war der Trauerteil . Warum waren die Verhandlungen so zäh?
Cuturi: Wir waren uns im Prinzip über Teile klar, aber es fehlten die Beistriche, wobei manchmal soooo große Beistriche waren. Es war aber das Bestreben beider Seiten eine Textierung zustande zu bringen, die möglichst wenig Interpretation offen lässt. Das ist schwieriger als man denkt. Natürlich gibt es eine paritätische Kommission, die im Falle eines Falles über Interpretationen entscheidet. Aber je weniger man die braucht umso besser ist es für beide Seiten.

Wo hat man sich den getroffen? In der klassischen Mitte?
Cuturi: Nach mathematischen Kriterien gibt es keine Mitte. Die Mitte ist ein hypothetischer Punkt, den es in der Realität nicht gibt, dem man sich jedoch nähern kann. Wir hatten jedenfalls eine ganze Reihe von Punkten eingebracht. Die Gewerkschaft hatte ihre Wünsche. Mit etwas mehr oder weniger Zwicken und Feilschen sind wir auf einen Kompromiss gekommen, der für beide gleich untragbar ist oder gleich tragbar. Wie man es halt sieht.

Wo lagen denn die besonderen Schwierigkeiten?
Cuturi: In der Bereitschaft, die Flexibilisierung der Arbeitszeit zu verlängern. Es ist so: Es gibt in der Wirtschaft Monate wo wenig zu tun ist, das ist überall so, und dann gibt es starke Monate. Früher musste man innerhalb von 14 Wochen diese Zeiten ausgleichen, jetzt sind es 26 Wochen. Für das muss man Rechtssicherheit haben. Es geht also darum, die in der schwächeren Phase gesparten Zeiten für die starken Monate abrufen zu können.

Sackgasse, Herr Vorsitzender!

Wie lange gilt das jetzt Ausverhandelte?
Cuturi: Der neue Kollektivvertrag beginnt am 1. Jänner 2010. Für die Bogendrucker gilt er für zwei Jahre, für die Zeitungsdrucker und für die Rollenoffset-Drucker vier Jahre. Normalerweise wird auf fünf Jahre abgeschlossen, aber weil doch noch einige Probleme offen sind wollten wir kürzere Zeiten haben um mit mehr Ruhe darüber zu sprechen.

Wie sehr hat die nunmehrige Einigung mit Ihrer Person zu tun?
Cuturi: Ach, ich könnte jetzt mit Eigenlob beginnen und ich hätte durchaus Phantasie dafür, aber in Wahrheit ist die Situation eine andere. Wir hatten im Sommer eine Lage, wo die Gewerkschaft Forderungen stellte, die unerfüllbar waren. Es ging vor allem um die Bogendrucker. Ich hatte damals gesagt, Herr Vorsitzender, sie manövrieren sich in eine Sackgasse, aus der sie nicht mehr raus kommen. Und so war es. Dann ging die Gewerkschaft in die Schmollecke und der alte Präsident wusste nicht mehr weiter. Jedenfalls hat er mir mit seinem Rücktritt die Möglichkeit gegeben neu zu verhandeln und Forderungen zu stellen. Das war jedoch nicht geplant sondern hat sich so ergeben.

Also doch eine österreichischer Lösung?
Cuturi: Jetzt ist der Passus, den die Bogendrucker nicht akzeptieren konnten, vom Tisch. Es ist gute, alte österreichische Tradition, und ich meine das nicht ironisch, dass man so lange reden bis irgendein Kompromiss zustande kommt. Manchmal ist er faul, manchmal nicht, aber irgendwo ist es besser so als der Griff zu härteren Mitteln des Arbeitskampfes. Ich bin in Italien aufgewachsen, ich weiß wovon ich rede. Dort war es so, dass in den Zeitungen auf der erstes Seite links, dort, wo normalerweise die Spalte Kommentare steht, die Rubrik `Was streikt heute?´ stand. Die Tankstellen, die Bahn, der Flughafen und so weiter.

Zeitungsdrucker bekommen am wenigsten

Von Drei-Mann-Betrieb bis Großdruckerei - wie kriegt man alle unter einem Hut?
Cuturi: Nur schwer. Im Druckereiverband gibt es im Wesentlichen drei Arten von Betrieben. Die Zeitungsdruckereien, die Industriebetriebe, die etwa Zeitschriften drucken und in der Regel eine Rollen-Offset-Druckerei haben, und die Gewerbe- oder Kleinbetriebe, die eine oder mehrere Bogenmaschinen haben. Wir verhandeln für das gesamte graphische Gewerbe mit den jeweiligen Sonderbestimmungen, und die Bereitschaft der Gewerkschafter uns entgegen zu kommen war natürlich von Sparte zu Sparte unterschiedlich. Die Zeitungsbetriebe sind vielleicht jene, die am wenigsten `bekommen haben´, weil die Gewerkschaft möglicherweise der Meinung ist, dass es den Zeitungsbetrieben am wenigsten schlecht geht.

Ein Unternehmer sagt vermutlich immer, Druckereiarbeiter verdienen zu viel?
Cuturi: Die Lohnkosten sind gemessen an der Leistung viel zu hoch. Vor 20 oder 30 Jahren waren die Arbeitsbedingungen ziemlich hart. Heute aber sitzt ein Drucker wie ein Straßenbahnfahrer in einer Koje, druckt auf einen Knopf und das Produkt kommt mehr oder weniger fertig heraus. Von Zeit zu Zeit spielt er ein bisschen auf diesem Klavier - das ist es. Wir müssen unsere Drucker immer wieder auf die Finger klopfen. Sie arbeiten wenn der Zeitungsdruck beginnt und erst wegen Papierriss oder Mutation ein Stopp ist, zwischendurch lesen die Leute Zeitung oder spielen Schach im Internet. Was natürlich verboten ist. Letztendlich sind es vier fade Arbeitstunden, für die der Lohn unverschämt hoch ist.

Wie hoch ist er denn im Durchschnitt?
Cuturi: Die Geschicklichkeit der Druckergewerkschaft war von jeher, einen Grundlohn zu verhandeln, der relativ akzeptabel ist, der jedoch durch eine ganze Reihe von Zuschlägen und Sonderbestimmungen verdoppelt, wenn nicht verdreifacht wird. Im allgemeinen Druckgewerbe liegt er bei 38.000 Euro im Jahr. Bei Druckern an der Großmaschine bei 50.000 Euro, bei den Tageszeitungsdruckern bei über 70.000 Euro. Dazu muss man wissen: Der Tageszeitung-Drucker arbeitet, wegen Sonntag und Sonderbestimmungen, netto 1250 Stunden im Jahr. Das heißt, die haben einen Brutto-Stundenlohn von mehr als 50 Euro.

King Kong und depperte Richter

Stimmt die Atmosphäre wieder zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberseite?
Cuturi: So la la. Psychologisch ist sie gut, weil es keine Verlierer gibt und Unternehmer aber auch Gewerkschaft sagen können, wir haben unseren Obolus geleistet. Was die Druckerunternehmer betrifft, haben sie ihre Probleme auf den Tisch gelegt. Was rausgekommen ist, ist aus der Sicht vieler Kollegen natürlich zu wenig. Die Gewerkschaft wiederum sagt, dass sie zum ersten Mal etwas Konkretes hergegeben hat. Das ist auch `nur´ eine `Geste, die aber immerhin den Unternehmen ein paar Prozente ersparen wird.

Die Zeitungs- und damit auch die Druckerbranche sind vom Internet bedroht. Wie geht es weiter?
Cuturi: Ich habe nicht so sehr die Sorge dass uns die Leser abhanden kommen, denn das Medium hat schon gewisse Vorzüge. Aber das Stehlen von Content ist ein ganz großes Problem. Das ganze Internet ist ein Dschungel, in dem das Gesetz von King Kong herrscht. Das ist für mich vor allem Google. Die erwischt man auch nicht. Die haben Scharen von Anwälten. Dann gibt es noch ein paar depperte Richter die völlig vertrottelt sind und entscheiden, wenn ein Inhalt gedruckt ist, dann ist er auch frei. Das ist ein Nonsens sondergleichen. Ein Buch, eine Musik, ist jahrzehntelang geschützt, aber die Zeitung, kaum ist sie am Markt, ist schon Freiwild? Eine Tagezeitung sollte mindesten eine Woche lang die Rechte am Produzierten haben. Aber wir werden wohl einen Weltgerichtshof brauchen um diese Räuber zu erwischen.

Es ist gute, alte Sitte, dass jeder Druckerpräsident hier im Verbandsbüro in Öl an der Wand hängt. Setzen sie das fort?
Cuturi: Ob ich mir das wünschen soll? Na ja. So rühmlich ist der Job auch nicht mehr. Viele meiner Vorgänger sind darüber hinaus alle mehr oder weniger pleite gegangen. Aber es kann ja auch einmal eine Ausnahme geben. Kein Bild, keine Pleite.

atmedia.at/Franz Prassl

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