Change Management
12/04/2014

Spiegel: Chefredakteur Büchner muss gehen

Der Machtkampf im Hamburger Medienhaus ist entschieden.

Der Change Manager muss den Job wechseln. Wolfgang Büchner, Chefredakteur beim Spiegel, muss seinen Posten zum 31. Dezember räumen, bestätigte das Hamburger Medienhaus am Donnerstagnachmittag entsprechende Berichte.

Über die Ablösung des Chefredakteurs war schon lange spekuliert worden. Seit seinem Antritt im September 2013 wollte Büchner die für das gedruckte Blatt und Online zuständigen Redaktionen enger verzahnen und legte dafür sein Konzept "Spiegel 3.0" auf. Das löste in Teilen der Print-Redaktion Unmut bis hin zum Widerstand aus. Medien schrieben von "Büchners heikler Mission", vom "Showdown" an der Ericusspitze, dem Verlagssitz. Am Ende fanden Büchner und die Redaktion des gedruckten "Spiegels" nicht mehr zueinander; das Verhältnis war zerrüttet. Saffe hingegen stand immer zu Büchner und dem Konzept "Spiegel 3.0".

Holpriger Start

Büchner hatte schon vor seinem Start einen Teil der Redaktion gegen sich aufgebracht, weil er den "Bild"-Journalisten Nikolaus Blome in die "Spiegel"-Chefredaktion holte. In seiner Amtszeit konnte er eine behutsame Heftreform und den Samstag als Erscheinungstag vom 10. Jänner 2015 an durchsetzen. Die engere Zusammenführung des gedruckten "Spiegels" mit dem erfolgreichen Nachrichtenportal "Spiegel Online" ("Spon") blieb aber stecken.

Die Struktur des Verlagshauses ist kompliziert und erschwert schnelle Führungsentscheidungen: Am "Spiegel" sind die länger beschäftigten Angestellten des gedruckten Blatts in einer Mitarbeiter KG mehrheitlich beteiligt (50,5 Prozent). Die restlichen Anteile gehören dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr (25,5 Prozent) sowie den Erben des "Spiegel"-Gründers Rudolf Augstein.

Stolpersteine Print

Ob sich der Graben zwischen den beiden Redaktionen Print und Online überbrücken lassen wird, muss die Zukunft zeigen. Auch Büchners Nachfolger braucht eine Zukunftsstrategie. Unter dem "Spiegel"-Dach hat sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft etabliert. Die 260 Print-Redakteure sind gut bezahlt und an den "Spiegel"-Gewinnen beteiligt. Die 150 Online-Journalisten sind im Durchschnitt jünger, bekommen weniger Gehalt und werden nicht in die Mitarbeiter KG aufgenommen.

Die Online-Redaktion, bei der Büchner früher neun Jahre gearbeitet hatte, stand zumeist hinter dem Chefredakteur und seiner Agenda. Dass in digitalen Zeiten, in denen Zeitungs- und Zeitschriftenhäuser nach geldbringenden Konzepten im Kampf gegen den Leserschwund suchen, auch für den Spiegel-Verlag eine Vorwärtsstrategie her muss, machte Noch-Verlagsgeschäftsführer Ove Saffe im Oktober vor Journalisten deutlich: "Wir müssen stärker wachsen und den digitalen 'Spiegel' ausbauen."

Die digitale Version des Magazins wird von rund 51.500 Lesern im Abonnement bezogen. Die gedruckte Auflage, die vor zwei Jahren noch bei über 900.000 Exemplaren lag, hat sich im 3. Quartal 2014 bei 878.260 Heften (IVW-geprüft) stabilisiert. In den vergangenen beiden Jahren ist der Umsatz der Verlagsgruppe geschrumpft, auf zuletzt knapp 300 Millionen Euro (2013). "Weil es uns sehr gut geht, ist es vielleicht schwerer, relevante Prozesse umzusetzen", sagte Saffe. Dennoch müssten Weichen frühzeitig gestellt werden, um ohne Druck, Zwang oder Not Arbeitsprozesse zu verändern.

Noch ist der Print-"Spiegel" der Geldesel des Hauses, doch der Verlag will sich neben Vertriebs- und Werbeeinnahmen neue Erlösquellen im Internet erschließen. Ein wichtiger Baustein sollten nach den bisherigen Plänen ab Mitte 2015 kostenpflichtige Zusatzangebote auf "Spiegel Online" werden. Neben dem digitalen Heft sollen dessen Geschichten je nach Inhalt und Ressort auch an den dazu passenden Stellen im Nachrichtenportal zu haben sein, wie Saffe Anfang Oktober ankündigte. Das Zusatzangebot soll voraussichtlich per Abo-Gebühr erhältlich sein, der Zugang zu "Spon" jedoch kostenfrei bleiben.

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