RTL weitet Angebot aus

© APA/dpa

Drastisch
08/21/2014

RTL-Gewinneinbruch wegen Steuerstreits in Ungarn

Umstrittene Werbesteuer: 88 Mio. Euro Abschreibung - RTL-Chef ruft EU-Kommission zu Hilfe.

Probleme in Ungarn, Frankreich und den USA belasten den Fernsehkonzern RTL Group. Ein Steuerstreit mit der Regierung in Budapest, sinkende Werbeeinnahmen jenseits des Rheins und Schwierigkeiten im TV-Produktionsgeschäft drückten Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal. Der Überschuss brach um 62 Prozent auf 110 Mio. Euro ein, wie die Bertelsmann-Tochter am Donnerstag mitteilte.

Die Aktie sackte in Frankfurt um sechs Prozent ab und war damit das Schlusslicht im Nebenwerteindex MDAX.

Die Fernsehtochter in Ungarn ist wegen einer umstrittenen neuen Steuer kaum mehr profitabel und verlor deshalb in den Büchern des Konzerns mehr als die Hälfte ihres Werts. Doch obwohl die Abschreibung von 88 Mio. Euro auf die verhältnismäßig kleine Landesgesellschaft einen Großteil des Konzerngewinns zunichtemachte, schloss Vorstandschef Guillaume de Posch einen Rückzug aus Ungarn aus. "Wir haben null Absichten, das Land zu verlassen", betonte de Posch im Reuters-Interview. "RTL ist tief in Ungarn verwurzelt und wird dies auch bleiben."

Kampf gegen Werbesteuer

Stattdessen sagte der Konzernchef dem Ministerpräsidenten Viktor Orban den Kampf an, dessen Werbesteuer RTL als größten Sender des Landes besonders trifft: "Wir haben eine Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht, um ein Verfahren gegen Ungarn anzustoßen." Ungarn hat sich mit einer restriktiven Banken- und Medienpolitik bereits mehrfach Kritik der Europäischen Union und ausländischer Unternehmen eingehandelt.

Protest in Ungarn

Die Steuer von bis zu 40 Prozent auf Werbeeinnahmen stößt innerhalb und außerhalb des Landes auf Protest. Ungarische Zeitungen erschienen mit leeren Titelseiten, Fernsehsender stellten kurzzeitig ihr Programm ein. Der Verband der Werbeindustrie befürchtet den Ruin vieler Medienunternehmen. Regierungspolitiker in Budapest hatten die Abgabe als Beitrag der Medien zur Sanierung der Staatsfinanzen verteidigt.

EU-Kommissarin Neelie Kroes kritisierte den Schritt ebenfalls. Sie zeigte sich jedoch zurückhaltend, was die Erfolgsaussichten von RTL angeht. Bei einem Treffen mit de Posch sei man sich zwar einig gewesen, dass Ungarn versuche, RTL aus dem Land zu treiben, erklärte ein Sprecher am Donnerstag. Doch damit werde nicht notwendigerweise EU-Recht verletzt. Die Prüfung des Falls dauere an.

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