Wirtschaft atmedia
09/22/2010

Qualität versus Reichweite

atSchließen sich Reichweite und Qualität aus? Mit der Beantwortung dieser klassischen Frage der Medienwirtschaft geht der zweite Tag der Österreichischen Medientage in Szene. Media-Stratege und Omnimedia-Chef Paul Schauer verneint dies. Er argumentiert damit, dass jede Zielgruppe, die es zu erreichen gilt, eine bestimmte Qualität erfordert.

Trugschlüsse, Gegensätze, Kontaktqualitäten

Wolfgang Bergmann, Geschäftsführer von Der Standard, beantwortet die Frage mit der gesellschaftspolitischen Relevanz von Qualitätsmedien, die nicht notwendigerweise mit Reichweite punkten können und nicht müssen. Denn, so Bergmann, auch Medien können ohne vom Markt geforderten Reichweiten kommerziell erfolgreich sein.

Eva Dichand, Herausgeberin der Gratistageszeitung Heute quittiert die zur Debatte gestellte Frage mit der Antwort, dass die Nachfrage von Lesern und deren Ansprüche letztentscheidendes Qualitätskriterium sind woraus sich wiederum Reichweite ableiten lässt.

Helmut Hanusch, Generalbevollmächtiger der Verlagsgruppe News und Präsident der Media-Analyse, bekräftigt, dass Reichweite und Qualität sich weder bedingen noch ausschließen müssen. "Medien mit Reichweite können Qualitätsmedien sein. Medien ohne Reichweite müssen im Umkehrschluß deshalb nicht Qualitätsmedien sein", stellt Hanusch fest.

In das selbe Horn stößt Thomas Kralinger. Der Kurier-Geschäftsführer hält die Polarisierung von Reichweite und Qualität zueinander für einen Trugschluß. Er fokussiert seine Argumentation auf Leser- und Werbekontaktqualität. Daraus, so Kralinger, leiten sich die Kommerzialisierungsbestrebungen eines Mediums ab.

Christian Pöttler, Geschäftsführer des Echo Medienhauses, versucht eine Annäherung an den Begriff der Qualität, die, wie er es auf Wienerisch ausdrückt, "ein Hund" ist. Weil unklar, komplex und nur durch Verengung definierbarer wird. Pöttler hält "die Qualität für die natürliche Feindin der Reichweite". Und: "Qualität ist ein mittlerweile teures Hobby." Das sich künftig eventuell nur Philanthropen, Mäzene oder Milliardäre leisten können. Pöttler: "Qualität ist eine bedrohte Spezies in Medien."

Spardruck und Abhängigkeiten wirken sich auch auf den ORF aus, skizziert ORF Wien-Landesdirektorin Brigitte Wolf die Rahmenbedingungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Veranstalter. Sie zieht sich in der Runde gerne auf die Gebühren-Insel zurück, die den ORF im allgemeinen und ORF Wien unabhängiger vom Werbemarkt macht. Und die Qualität sieht sie mit einem "rigiden Redakteursstatut" abgesichert.

atmedia.at

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