Peter Pelinka, Chefredakteur News (c: news/hergott)
Wirtschaft atmedia
04/20/2010

Pelinka hat einen vollen Tank

atOliver Voigt führt ein großes Verlagshaus, liebt klare Worte sowie Wein, Weib und Gesang. Ein deutscher, austrofizierter Manager. An seiner Seite steht nun Peter Pelinka als News-Chefredakteur. Er hatte das Glück, dass das Erscheinen eines seiner ersten Hefte im Zuge des Hypo-Kärnten-Skandals per Einstweiliger Verfügung verhindert werden sollte. atmedia.at: Herr Voigt, Herr Pelinka, Sie läuten Sturmglocken nach der Melodie Gefahr für die Pressefreiheit. Werden Sie unterstützt? Oliver Voigt: Es ist unglaublich. Da geht man an die Erzrechte der Medien ´ran und irgendwie läuft das bei den anderen so unter zwölfzeiliger Fußnote. Ich bin schon irritiert, wie eine Süddeutsche Zeitung, wie eine FAZ auf dieses Thema aufspringt und wie die geneigte Kollegenschaft hier im Land bisweilen Mucksmäuschen-Ruhe hält.

Störfeuer einer Staatsbank

Das ist schon erstaunlich. Aber was das Ganze noch in einen Absurdistan-Swing bringt. Bei der Hypo Kärnten wurde auf fahrlässigstem Niveau Missmanagement der Sonderklasse betrieben und dann, das zeigt ja die Armleuchterei die dort stattfindet, ist eine Kanzlei damit beauftragt, hochgradigst Störfeuer gegen die Berichterstattung zu leisten. Und das in einer Staatsbank! Ich könnte mir schon den einen oder anderen Akteur vorstellen, der sich darum kümmern sollte!
Peter Pelinka: Der Falter war sofort dabei und auch andere Zeitungen waren korrekt. Aber nicht in dem Ausmaß, wie es die Sache verdient. Dass eine Richterin meint, es gehe um eine Abwägung zwischen sogenannten Bankgeheimnissen und der Pressefreiheit, ist lächerlich. Wir haben davon berichtet, dass ein Vorstand den anderen beschuldigt hat. Übrigens legen wir Rekurs ein, da wir durch die Beschränkung Schaden erlitten haben. Aber damit nicht genug. Wir wissen von einem früheren Verfahren bei derselben Richterin, in dem sie meinte, das Redaktionsgeheimnis spiele vor Gericht keine Rolle. Das ist ungeheuerlich.

Mit Autopilot wird nicht geflogen

Abgesehen davon, Herr Pelinka. Sind sie gutes Mutes?
Pelinka: Vielleicht sag' ich in einem halben Jahr etwas anderes, aber momentan sage ich: Ja! Unter Fellner war ich einer von vier Chefredakteuren, jetzt alleine so oben zu stehen, ist schon was.

An Sie, Herr Voigt: Laut Media-Analyse gibt's bei News eine leichte Delle. Richtig?
Voigt: Nun ja, ein stabiler Gradeauslauf ist ja noch nichts zum Jammern. Mit 820.000 Lesern fühlen wir uns sehr wohl. Aber, um auf den neuen Chefredakteur gleich umzuleiten: Um Stabilität und Reichweiteniveau dieser Klasse zu halten, darf natürlich nicht auf Autopilot geschalten werden. Natürlich wollen wir in Reichweite, Auflage sowie im Anzeigengeschäft wachsen.

Und wie?
Voigt: Das wird Peter Pelinka gleich selber sagen, dafür gibt's ja eigenverantwortliche Chefredakteure. Aber als Verwaltungsbeamter dieses Hauses darf ich mir den Hinweis gestatten: Die wenigen Hefte, die Peter Pelinka bislang auf die Beine gestellt hat, können sich sehen lassen. Dass sich Bankvorstände bemüßigt fühlen gegen einen regulären journalistischen Vorgang zu klagen, ist eigentümlich genug. Oder verhaltensoriginell. By the way: Darüber hinaus wurde die Einstweilige Verfügung abgewiesen.

Zwei, drei Investigative

Das nicken Sie ab, Herr Pelinka?
Pelinka: Grundsätzlich nicke ich zu den Ausführungen und ergänze: Es wird nicht leicht sein die Auflage zu steigern, aber für mich entscheidend ist mehr Gewicht, mehr Relevanz, ein bisschen mehr Qualität. Was nicht heißen soll, dass News vorher keine Qualität hatte.

Was genau wollen Sie verbessern?
Pelinka: Wir drehen regelmäßig an kleinen Dingen, wie an eine fixe große Fotostrecke, an eine große fixe Reportage im Heft. Wir schaffen ein neues Ressort namens Lebensart, und holen neue Autoren, etwa die Ex-ORF-Korrespondentin in Moskau, Susanne Scholl. Walter Pohl bleibt bei uns, der eigentlich schon am Sprung weg war, und wir werden den einen oder anderen überraschenden Feuilletonisten einholen. Mein Wunsch ist, einen Stock von zwei, drei Leuten für wirklich investigative Arbeiten und Reportagen zu haben, die zwei, drei Wochen an einer Geschichte arbeiten.

Voller Tank und Reserve

Herr Voigt, dafür geben Sie gerne Geld aus?
Voigt: Es wird am redaktionellen Pouvoir nicht scheitern. Ich erinnere mich an ein mir gar nicht so angenehmes Gespräch, wo mich der Herr Chefredakteur mit seinen Vorstellungen konfrontierte. Danach habe ich mir das, wie es sich für einen Rechenschieber gehört übers Wochenende ausgerechnet und bin zur Meinung gekommen, dass es sinnhaft ist. Sie können keine Rakete in die Luft schießen, ohne genug Kerosin an Bord zu haben. Pelinka hat einen vollen Tank und ich hab' auch schon Reservetanks bereit.

Ist News ihr teuerstes Verlagsobjekt?
Voigt: Ja, absolut, News ist im Budget größer ausgestattet als Profil, danach kommt Format.

Jetzt zu Woman. Sehen Sie da, wie die MA zeigt, ebenfalls eine Delle?
Voigt: Ja, eine kleine, das räume ich gerne ein. Und weil man die Media-Analyse ja ernst nehmen muss, haben wir sofort erste Schritte gesetzt. Wir haben den kompletten Auftritt von Woman.at neu gemacht sowie eine massive Werbekampagne gestartet. Und wir haben mit dem Magazin Man, aus Woman heraus, einen innovativen Schritt gesetzt. Am Ende des Tages wird Chefredakteurin Euke Frank, so wie jeder Chefredakteur das turnusmäßig tun muss, in die Hexenkammer gehen und Woman neu überdenken. Damit wir wieder wachsen.

Das Luxusblatt First

Zu Ihrer Schöpfung First. Christian Konrad meinte unlängst, er frage sich, ob es am Ende des Tages so ein Blatt geben müsse?
Voigt: Ich denke, er hat das im Hinblick auf Muss-Titel wie Profil oder News gemeint. First ist und bleibt ein Luxusblatt und ich nehme mit großer Freude zu Kenntnis, wir haben heute Kunden und Anzeigensujets, die wir gestern nicht hatten. Sprich: Hermes, Dolce & Gabbana, die Uhrenindustrie. Wir sind damit genau auf der Fahrrille, wo wir hingehören. Wir dürfen ja nicht vergessen das Krise ist, außerdem sind wir in Österreich, wo die Gefäße noch einmal kleiner sind. Es war ein hartes Stück Arbeit dieses Blatt durchzubringen.

Herr Pelinka, was macht ihr Vorgänger Atha Athanasiadis?
Pelinka: Ich hab ihn kürzlich wieder getroffen und er hat angedeutet, Print sei nicht unbedingt seine Zukunft.
Voigt: Vielleicht ist soviel Platz in diesem Artikel. Das Gespann Atha-Redaktion-Elisabeth Giesser-Verlag hat es geschafft News wirtschaftlich auf einen Plafond zu stellen, wie wir es seit fünf, sechs Jahren nicht mehr hatten. News hat das Geschäftsjahr 2009 mit dem doppelten Betriebsergebnis zum nächstfolgenden Magazin in seinem Genre abgeschlossen. Da wurde ein solider, guter Job gemacht.

Kavau und heilige Kälber

Die Medienwelt diskutiert über Kollektivverträge. Diskutieren Sie mit, Herr Voigt?
Voigt: Erstens: Es ist wichtig, dass es sie gibt. Es braucht gesicherte Gefässe, vor allem für Einsteiger und für den Mittelbau. Chefs und Hochkaliber verhandeln sich ihre Welt sowieso, sind von daher auch ein bisschen mehr gefährdet. Zweitens: Über die Struktur des Medien-Kollektivvertrages, wie für andere auch, ist nachzudenken. Wir als etwas größeres Unternehmen können uns den Kavau leisten, ich weiß aber, das viele kleine darunter ächzen. Drittens, und das ist ganz entscheidend. Ich halte den Kavau für inhaltlich unausgewogen, weil er heilige Kälber in Bestzuständen erhält. Wenn du alle fünf Jahre zehn Prozent qua Quinquennium nach oben gehen musst, ist das eine tolle Sache. Würden wir uns alle wünschen, ist aber hart.

Herr Pelinka, ihre Meinung?
Pelinka: Als ehemaliger Journalistengewerkschafter und Betriebsrat sage ich, natürlich, das führt dazu, dass immer weniger Junge angestellt werden, eben aus diesen Befürchtungen. Gleichzeitig werden immer mehr Alte beäugt, wie lange muss man dem noch zahlen, oder kann man ihn rechtzeitig hinausdrängen? Also ist er kontraproduktiv für Junge wie für Alte. Aber ich höre, dass auch in den Gewerkschaften ein Umdenken beginnt.

Zusatzgeschäfte und Online polieren Bilanz

Herr Voigt, wie sehen Sie das Internet-Geschäft?
Voigt: Erstens: Dass wir jemals ein Bezahl-Internet bekommen halte ich für Unsinn. Da kann man soviel glauben und beten wie man will. Zweitens: Apps und iPads sind die nächste Traumwelt. Da glaubt ja auch jeder, das wird bezahlt werden. Ich mache jeden Tag den Hausfrauentest und frage alle Menschen, wie viele Apps haben sie gekauft? Meistens sind es ein oder zwei. Es gibt ein paar Ausnahmen, der Guardian verkauft, der Spiegel macht gerade einen interessanten Versuch, der will Apps an Abonnenten für 50 Cents verkaufen, an Einsteiger für 3,50 Euro. Wir haben im Special Interest-Bereich drei Projekte auf der Pfanne, einmal was die Golf Revue und zweimal was tvmedia angeht. Wo du wirklich neuen Nutzen stiftest mag es sein, dass einer für Apps etwas bezahlt. Aber wird werden keine Reichtümer verdienen.

Herr Pelinka, rechnet sich News im Internet?
Pelinka: Ja, News Network hat sein eigenes Budget und ist seit drei Jahren profitabel. Aber nur deshalb, weil die Kernmannschaft eine kleine ist und die Zulieferung, zum Beispiel aus Profil oder autorevue, bravourös ist.

Herr Voigt, wie war das Jahr 2009 für Ihr Haus?
Voigt: Ich glaube, dass Wort vollzufrieden stellt eine Untertreibung dar. Wir haben ein exzellentes 2009er Jahr gemacht, vor allem im Anbetracht einer weltweiten Krise und eines doch nachhaltigen Rückganges im Anzeigengeschäft. Aber durch nichtmediale Zusatzgeschäfte und durch profitables Online-Geschäft schlossen wir 2009 auf höherem Niveau ab als 2007.

Wie das?
Voigt: Weil wir seit 2006, seit damals bin ich hier, sehr solide Struktur- und Kosten-Management betreiben. Wir haben Doppel-Chefredaktionen eingeführt, wir haben Bild-Redaktionen fusioniert, wir haben Grafik-Pools gebildet. Alles das was so verschrien und schlimm ist, haben wir einfach gemacht. Anderswo wurde darüber gesprochen und gestritten, und wie beim Hornberger Schießen sind alle aus dem Zimmer hinaus und es ist geblieben wie es war. Außerdem haben wir konsequent nichtmediales Nebengeschäft aufgebaut, was heute für uns eine signifikante siebenstellige Größenordnung ist. Im Umsatz. Im Gewinn sechsstellig.

Was geht denn besonders gut?
Voigt: Wir verkaufen heute signifikant Reisen, was wir hingegen eher rückführen sind Messen, Bücher, Hörspiele. Aber ich möchte noch ins Banken- und Versicherungsgeschäft, also dort hin, wo man Margen mitnehmen kann.

Erholt sich die Werbewirtschaft?
Voigt: Was uns betrifft: Wir haben ein durchaus positives Klima und wir haben aus der unglücklichen Situation eine Tugend gemacht und haben uns mehr um das mittlere Geschäft gekümmert. Vielleicht schaffen wir bis Ende des Jahres eine Steigerung von drei bis vier Prozent. Summa summarum bringt 2010 nicht den Durchbruch, aber es wird leicht besser.

atmedia.at

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