BÖsterreich, TV-Unterhaltung des ORF nach öffentlich-rechtlichen Qualitätskriterien und Gegensatz zu Dschungel-Modell-TrashTV. (c: apa - superfilm)
Wirtschaft atmedia
03/27/2014

ORF zieht Grenzen in der TV-Unterhaltung

atSo wie es E-, für ernste, und U-, für unterhaltsame, -Musik gibt, trennt sich in der TV-Unterhaltung nun die E-, für öffentlich-rechtliche, von der U-, hier im Sinne des dualen Gegensatzes für private, -Unterhaltung. Diese Interpretation legt der jüngste, der Fernseh-Unterhaltung gewidmete Public-Value-Bericht des ORF nahe. Denn Unterhaltung ist ein, wie ORF-Direktorin Kathrin Zechner erklärt, "Grundnahrungsmittel für Menschen".

Der ORF versteht sich in seiner Rolle als, wie Zechner bezeichnet, "Identity-Backbone des Landes" auch als erster Lieferant des Grundnahrungsmittels Unterhaltung. Von Qualitätsunterhaltung! Die im Kontrast zu, wie wiederum Klaus Kastberger vom ORF-Public-Value-Kompetenzzentrum die U-Unterhaltung skizziert, "Trash-TV, spekulativen Dschungel- und Topmodel-Shows" steht. Denn Unterhaltung, so Kastberger weiter, "ist mehr als Quotenbringer und Unterlage für kommerzielle Werbe-Unterbrechungen".

Das wissenschaftliche Fundament zum jüngsten Vorstoß des ORF das Feld der TV-Unterhaltungsinhalte künftig nachhaltig beackern zu können, kommt von der Universität Zürich und der dort forschenden und lehrenden Professorin Gabriele Siegert.

Aus ihrer Analyse von Unterhaltung als öffentlich-rechtlicher Auftrag schlussfolgert der ORF, dass Unterhaltung für den öffentlich-rechtlichen Auftrag "von besonderer Bedeutung" sei und öffentlich-rechtliche Medien angesichts der ökonomischen Negativeffekte im Medienmarkt "insbesondere im Bereich Unterhaltung kulturelle, soziale und demokratierelevante Funktionen" habe. Deshalb ist Unterhaltung in den gesetzlichen Rahmenbedingungen und Aufträgen des öffentlichen Rundfunks "fest verankert".

Angesichts dieser "Pflicht" zur TV-Unterhaltung seien öffentlich-rechtliche Medienanbieter angehalten die Qualität der Unterhaltung zu definieren und als Qualitätsmaßstäbe zu fungieren. Die der private, quotengetriebene Mitbewerb zwangsweise unterschreiten muss. Was nicht explizit in der Analyse steht aber implizit zwischen den Zeilen des Berichts durchschimmert.

Dafür leiten sich viele aus den zahllosen Debatten bekannte Argumente ab. Wie etwa, dass gesetzlich definierte Programm-Anteile, die "der öffentlich-rechtliche Rundfunk zu erfüllen hätte beziehungsweise auf die er zu reduzieren wäre, europaweit unüblich sind". Oder das kleinere Staaten im Schatten großer (gleichsprachiger) Nachbar-Länder "explizit eines Schutzes ihrer kulturellen Vielfalt und entsprechender Förderungen" bedürfen. Und dass die veränderte Mediennutzung sowohl Herausforderung als auch Auftrag an öffentlich-rechtliche Medien ist, die damit verbundenen Bedürfnisse und Erwartungen von Medienkonsumenten an TV-Unterhaltung auch zu decken.

Siehe dazu: ORF
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