Vom Euphoriker zum Skeptiker: Für Sascha Lobo ist das Internet „tot“

© Reto Klar

Kongress
09/15/2014

Ist das Internet kaputt?

Bei den diesjährigen Medientagen dreht sich vieles um die Erneuerung von Zeitung und TV.

Re-Invent Media" lautet das Motto der diesjährigen Österreichischen Medientage, die ab kommendem Dienstag zum dreitägigen Gedankenaustausch nach Wien laden. Wobei der Slogan nicht nur auf inhaltlicher Ebene zum Tragen kommt, sondern auch strukturell und organisatorisch Neues für den Kongress bedeutet. Erstmals findet dieser im von Zaha Hadid entworfenen "Learning Center" der WU statt.

Thematisch wird bei den Diskussionen möglicherweise kein Stein der Medienwelt auf dem anderen bleiben, wie die Liste der Vortragenden verspricht. Einer wird der deutsche Blogger und Internet-Erklärer Sascha Lobo sein. Er war glühender Vorkämpfer des freien Netzzugangs und schwärmte von der neuen Demokratisierung des Wissens. Mittlerweile ist er Skeptiker und misstrauisch geworden. "Ich glaubte, das Internet sei das perfekte Medium der Demokratie, der Emanzipation, der Selbstbefreiung. Der Spähskandal und der Kontrollwahn der Konzerne haben alles geändert. Das Internet ist kaputt", erklärte er in einem Interview. Die Illusion der Freiheit ist der Realität der Überwachung und Spionage des Individuums gewichen. Lobo wird den Medienleuten bei dem Kongress erläutern, wieso aus seiner Sicht das Internet "kaputt" ist.

Chancen

Er präsentiert damit eine mögliche Gegenthese zum Vortragsthema des Bertelsmann-Vorstands Thomas Rabe, der in seiner Keynote allerdings ein nur zu bekanntes Thema adressieren will: "Chancen und Herausforderungen eines internationalen Medienunternehmens im Zeitalter der Digitalisierung", lautet der Titel seines Vortrags.

Der Medienmanager hat sich jedenfalls zum Ziel gesetzt, Bertelsmann "wachstumsstärker, digitaler und internationaler" aufzustellen, und wird dazu wohl einige Ausführungen für das Publikum bereithalten.

Gespannt sein darf man auch auf den Vortrag von Gruner + Jahr-Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel, hat das deutsche Medienunternehmen doch jüngst mit einem harten Sparkurs für Schlagzeilen gesorgt. Vom KURIER werden unter anderem Geschäftsführer Thomas Kralinger und Herausgeber Helmut Brandstätter auftreten.

Zu einem "Fernsehgipfel" kommt es am zweiten Tag, wenn sich Vertreter von ORF, Puls4 und Sky am Podium treffen und über "neue Player, neue Plattformen, neue Märkte" diskutieren. Ein insofern passend gewähltes Thema, als zur selben Zeit in Wien der US-Dienst Netflix Näheres über seinen Österreich-Start im Herbst bekannt geben wird.

Offenes Forum

Neu ist der Abschluss der Medientage am 18. September: Ein "Open Media Space" richtet sich als offenes Forum an junge Menschen, die sich für künftige Tätigkeiten in der Medien-, IT- und Kommunikationswirtschaft interessieren. Große Konzerne werden sich hier ebenso vorstellen wie aufblühende Start-ups, um über die Möglichkeiten in der Szene zu informieren und "übergreifende Netzwerke zu ermöglichen", wie es in einer Ankündigung heißt.

"Neue Wege" beschreitet auch das US-Unternehmen Google, teils sehr zum Leidwesen heimischer Medienschaffender, wie gerade bei vergangenen Medientagen deutlich zum Ausdruck gebracht wurde. Wie eine fruchtbare Zusammenarbeit aussehen könnte, soll ebenfalls am Abschlusstag deutlich werden. Am Mittwoch spricht Google-Manager Santiago de la Mora über die Veränderung unseres täglichen Lebens durch die technologische Entwicklung.

INFOS: Zum 21. Mal findet Österreichs größter Medienkongress statt. Veranstaltungsort ist von Dienstag bis Donnerstag das Library & Learning Center auf dem Campus der Wiener Wirtschaftsuniversität. Der dritte Tag ist für die Medien-, IT- und Kommunikationswirtschaft als offenes Forum gedacht.

www.medientage.at

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