Can Ertugrul (AustrianStartups), Oliver Holle (SpeedInvest) und Christoph Jeschke (AustrianStartups) wollen Österreichs Wirtschaftszukunft mitverändern. (c: austrianstartups -vilsecker lucia)
Wirtschaft atmedia
11/29/2013

Österreich braucht eine echte Gründerzeit

atIn gesättigten Märkten wie Österreich oder Europa garantieren oft nur echte Innovationen Fortschritt, Standortsicherheit und in weiterer Folge, im Idealfall, Arbeitsplätze und Wohlstand. Stefan Pierer, CEO und Aufsichtsrat-Vorsitzender der KTM AG, hält Österreich explizit für "einen unternehmerfeindlichen Markt", wie er Ende Oktober im Rahmen des Pioneers Festival erklärte. Im Raum zwischen Fortschrittsnotwendigkeit und Pierers düsterer Diagnose bewegen sich jene, die verändern wollen und müssen, um Zukunft zu schaffen, wie die Organisation AustrianStartups, die der heimischen Politik und der nächsten Regierung Vorschläge, wie im Land eine echte Gründerzeit anbrechen könnte, macht.

Christoph Jeschke und Can Ertugrul, die beiden Geschäftsführer von AustrianStartups, waren mit ihrem 43-seitigen Arbeitspapier im Hohen Haus bereits vorstellig geworden, übergaben die darin entwickelten Vorstellungen von einer innovationsgetriebenen, zukunftsorientierten österreichischen Wirtschaft an die Vertreter aller seit der Nationalratswahl im Parlament vertretenen Parteien.

Dort stießen sie, wie beide erklärten, auf durchaus offene Ohren und reges Interesse. Ein, in dem Papier formuliertes Grundziel ist, Österreich im Jahr 2018 "europaweit im Spitzenfeld der attraktiven Standorte für Startup-Gründungen und innovative Wachstumsunternehmen zu verankern".

Dazu sind, aus Sicht des zu Ende gehenden Jahres 2013 und einer vierjährigen Arbeitszeit, Hürden mit mehr als bloßer Ambition und niedriger Leidensfähigkeit zu nehmen. Denn, wie Jeschke skizziert, der derzeitige Ist-Zustand für Startups in Österreich ist, im Vergleich zu London, Berlin oder das Silicon Valley "nicht ideal".

Um ideal zu werden müsste sich im Wirtschaftsstandort Österreich ziemlich viel verändern. Ertugrul fasst zusammen und erklärt damit gleichzeitig die fünf Säulen der erforderlichen Entwicklungsarbeit im Sinne der "Agenda 2018".

Einen Grundstein stellt die Bildung im Land dar. Sie ist auch irgendwie der "dickste Hund" im AustrianStartups-Konzept. Ertugrul wünscht sich, an Schulen vermitteltes, unternehmerisches Denken, sogar Entrepreneurship sowie frühzeitigen IT-Unterricht und Gründerwerkstätten an Hochschulen. Und schon in dieser Phase könnten jungen Menschen lernen Risiken einzugehen, zu managen und sich auch einen entspannteren Umgang mit dem Scheitern anzueigenen. Respektive nach dem Scheitern wieder aufzustehen, sich den Staub abklopfen und weiter zu machen.

Gemessen an der Veränderung des Bildunssystems sind die vier weiteren Säulen des Arbeitspapieres fast schon "Kinderspiel". Ertugrul: "Das Gründungsumfeld gehört verbessert." Dazu gehörte seiner Ansicht nach die "Reform der aktuellen Neugründungsförderung, des Unternehmensgründungsprogrammes. Notariatspflichtige Geschäftsprozesse gehörten für Startups signifikant reduziert oder abgeschafft und einfache Mitarbeiter-Beteiligungsmodelle für Kapitalgesellschaften eingeführt". Idealerweise sollte noch die Gewerbe-Ordnung modernisiert und Strukturförderungen ausgebaut werden.

Wünschenswerte wäre weiters, und das ist die dritte Säule des Zukunftskonzepts, eine Optimierung der in Österreich etablierten Förderlandschaft. Jeschke und Ertugrul fordern hier mehr Praxisnähe, mehr Flexibilität innerhalb verlaufender Förderphasen und auch einfachere Zugänge zu derartigen Unterstützungsleistungen sowie deren Planbarkeit. Denn irgendwann stehen Gründer im Unternehmensaufbau still, da unter Umständen die Mezzanin-Finanzierung fehlt, mit der der nächste größere Wachstumsschritt, der noch dazu für die Internationalisierung und Expansion elementar ist, fehlt.

Das führte Jeschek und Ertugrul zur privaten Finanzierung durch Wagniskapital. Beide konstatieren: "Die Venture-Capital-Industrie in Österreich ist praktisch tot!" Anders ausgedrückt: Eine bislang ohnehin scheue Spezies an Finanzierung, hat sich endgültig in die Unsichtbarkeit verdrückt oder gerettet. Je nachdem.

An dieser Stelle geht es um mehr als um das bloße Vorhandensein von Geld. Steuerliche Anreize für Business Angels und institutionelle Investoren beispielsweise. Oder Startup-Funds. Oder Fund-of-Fund-Modell, in den sich staatliche und private Investments treffen, um Risiken bei Wachstumsfinanzierungen zu teilen. Und hier geht es auch um Crowdfunding und Crowd-Investing. Wobei sich hier in Österreich etwas leise aber unübersehbar zu bewegen beginnt.

Der Schlußstein im AustrianStartups-Konzept ist die Verankerung von "Jungunternehmertum in der Politik". Das würde eine Transformationsprozess von einer verwaltungsorientierten zu einer managenden und handelnden Politik bedingen. Jeschke und Ertugrul wünschen sich einen "Gründungsbeauftragten in der Regierung".

Das AustrianStartups-Visionspapier liefert reihenweise Impulse zur wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit Österreichs über die nicht nur nachgedacht werden soll. Bei nüchterner Betrachtung der politischen Gestaltungswillen im Land fällt mitunter die Aussage Als das Wünschen noch geholfen hat ein. Der Schriftsteller Peter Handke betitelte eines seiner frühestens Werke so. Und das war 1974. Damals hielt Bruno Kreisky das politische Zepter fest in seiner Hand.

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