Wirtschaft atmedia
04/27/2011

Öffentlich-rechtliches Heiraten

atAm 29. April heiraten Kate Middleton und der britische Thronfolger Prinz William. Der ORF liefert einen siebenstündigen Live-Marathon sowie senderübergreifende Coverage dieser Hochzeit, die als "Traumhochzeit des Jahrzehnts" tituliert wird. Dazu frage ich mich: Was ist daran öffentlich-rechtlicher Inhalt, Bildungsauftrag oder Public Value?

Ist das britische Königshaus, dessen Nachkommen und die Thronfolge ein elementares Teil des österreichischen Bildungswesens?

Ist Adel als überkommenes Herrschaftssystem und in Europas Demokratien bestenfalls als anachronistisches Kostümwesen bedeutungsvoll für unser Geschichtsbewusstsein oder jenem unserer Kinder?

Oder geht es um Familie, Familiensystem, um das christliche Sakrament der Ehe und um katholische Riten, die ein vielstündiges, öffentlich-rechtliches Medien-Epos rechtfertigen?

Oder ist doch nur der Zeremonien-Pomp, die Seitenblicke- und Adabei-Güte, das bürgerliche Mädchen das zur Prinzessin wird, die Kleiderschau, die euphorisierten Menschen, die den Weg zur Kirche des Hochzeitspaares säumen und eine längst vergessene aber noch latente Unterwürfigkeit vor einem Adelsgeschlecht und einen Funken Demokratie-Feindlichkeit zur Schau stellen?

Ich bekenne mich zur Demokratie und halte Adel so interessant wie Madame Tussauds-Geschichtsdarstellung. Ich halte die öffentlich-rechtliche Coverage dieser Verehelichung für sehr fragwürdig. Sie ist ein klassisches Yellow Press-Thema!

Irritierenderweise mischte sich in diesen ganzen "Hochzeitsvorbereitungen" der vergangenen Woche auch niemand von den Damen und Herren ein, die in den zurückliegenden ORF-Krisen-Jahren immer wieder in der Public Value-Debatte das Wort ergriffen, es führten oder einen klar definierten öffentlich-rechtliche Auftrag forderten.

Ich würde mir gerne erklären lassen, weshalb diese Hochzeit öffentlich-rechtlicher Inhalt ist und deshalb im ORF 2-Programm zu sehen ist. An deren öffentlich-rechtlichem Charakter will ich solange zweifeln bis mir das Gegenteil bewiesen wird. Und auch bis der Nachweis erbracht ist, dass hier keine Gebühren- und Refundierungsgelder in das blaublütige Spektakel, das nichts mit der österreichischen Geschichte, nichts mit der hierzulande erforderlichen Ausbildung und bestens mit "Millionenshow"-Fragen etwas zu tun hat, investiert werden!

Thomas Loser

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