Stephane Charbonnier wurde ebenfalls ein Opfer der Terroristen Anfang JĂ€nner in Paris.

© Deleted - 1256853

Stephane Charbonnier

Letztes Buch des ermordeten "Charlie"-Chefs kritisiert Medien

Charbonnier wies den Islamfeindlichkeitsvorwurf von sich.

04/16/2015, 08:42 AM

In einem kurz vor seiner Ermordung fertiggestellten Buch hat der Chef der französischen Satirezeitung Charlie Hebdo, Stephane Charbonnier, den Vorwurf der Islamfeindlichkeit zurĂŒckgewiesen. Gut drei Monate nach dem blutigen Anschlag islamistischer Terroristen auf "Charlie" veröffentlichte die Zeitschrift Le Nouvel Observateur am Mittwoch AuszĂŒge aus dem Text.

Darin ging Charbonnier - genannt Charb - hart mit der Berichterstattung der Medien ĂŒber die von seinem Magazin veröffentlichten Mohammed-Karikaturen ins Gericht: Er betonte, diese Zeichnungen hĂ€tten nie allen Muslimen gegolten. Als Beispiel nannte er eine bekannte Karikatur, in welcher der Prophet Mohammed eine Bombe auf dem Kopf trĂ€gt - was Kritiker als Beleidigung aller Muslime gelesen hĂ€tten. "Eine andere Interpretation war möglich, aber sie interessierte die Medien weniger. (...) Mohammed mit einer Bombe konnte die Instrumentalisierung der Religion durch Terroristen anprangern."

Klaren Haltung gegenĂŒber religiösen Extremisten

Charb warf Kritikern einen "verabscheuungswĂŒrdigen Paternalismus des bourgeoisen, weißen, linken Intellektuellen" vor. Er verteidigte die Auffassung, den Islam in der Berichterstattung nicht anders zu behandeln als andere Religionen: "Wenn man signalisiert, dass man ĂŒber alles lachen kann, außer ĂŒber bestimmte Aspekte des Islam, weil die Muslime viel empfindlicher sind als der Rest der Bevölkerung, was ist das dann, wenn nicht Diskriminierung?"

Der Zeichner ging noch weiter: "Diejenigen, die den Zeichnern von Charlie Hebdo jedes Mal, wenn eine Figur einen Bart trĂ€gt, Islamophobie vorwerfen, sind nicht nur unehrlich oder böswillig, sie zeigen ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr den sogenannten radikalen Islam", fuhr er fort. Charb blieb bei seiner klaren Haltung gegenĂŒber religiösen Extremisten: "Kurz, das Problem ist weder der Koran noch die Bibel, diese einschlĂ€fernden, inkohĂ€renten und schlecht geschriebenen Romane, sondern der GlĂ€ubige, der den Koran oder die Bibel liest, wie man die Montageanleitung eines IKEA-Regals liest."

Die BrĂŒder Cherif und Said Kouachi hatten Anfang JĂ€nner die RedaktionsrĂ€ume des Satiremagazins gestĂŒrmt und zwölf Menschen erschossen, darunter neun Journalisten. Schon im Jahr 2011 hatten Unbekannte einen Brandanschlag auf die Redaktion verĂŒbt. Charb hatte dem Bericht zufolge noch zwei Tage vor seinem Tod am Buch gearbeitet.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare

Letztes Buch des ermordeten "Charlie"-Chefs kritisiert Medien | kurier.atMotor.atKurier.atKurier.atFreizeit.atFilm.atImmmopartnersuchepartnersucheSpieleCreated by Icons Producer from the Noun Project profilkat