Hommage an Charb beim Solidaritätsmarsch für Charlie Hebdo in Paris

© REUTERS/CHARLES PLATIAU

Charb
07/22/2015

Das letzte Buch des Charlie-Hebdo-Chefs

"Brief an die Heuchler" von Stéphane Charbonnier über Mohammed-Karikaturen, Medien und Provokation

von Georg Leyrer

Wie soll man dieses Buch lesen? Es ist ein Buch über die aus den Ufern geratene Religionskriegsrhetorik, über Provokation und islamistischen Terror, über Mohammed-Karikaturen und Meinungsfreiheit. Über Menschen, die sich bereitwillig anstiften lassen, zur Angst und zum Hass. Und insbesondere auch über jene Medien, die die grassierende Islamfeindlichkeit fürs Geschäft ausnützen.

Geschrieben von einem, der – zwei Tage nach der Fertigstellung – von islamistischen Attentätern ermordet wurde. Stéphane Charbonnier, bekannt als Charb, war Chef der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Zwölf Mitarbeiter wurden im Jänner umgebracht. "Ich sterbe lieber stehend, als kniend weiterzuleben", hatte Charb 2012 gesagt. Das wurde oft zitiert.

Am Freitag nun erscheint sein letztes Buch "Brief an die Heuchler" auf Deutsch. Spaß ist die Lektüre keiner. Obwohl es viel um die Grenzen dessen geht, worüber man sich lustig machen darf. Und Charb gleich einmal von Spaß schreibt: "Ich sollte eines Tages zum Spaß alle Drohbriefe von katholischen und muslimischen Faschisten veröffentlichen, die mich in der Redaktion von Charlie Hebdo erreichten."

Es waren viele. Charlie Hebdo hat unter Charb als Zentralorgan einer kompromisslosen Meinungsfreiheit angeeckt, bei den Linken wie bei den Rechten, bei Religiösen und Nicht-Religiösen.

Dementsprechend ungeduldig ist das Buch mit jenen, die vor Kritik an Religion zurückschrecken, und auch jenen, die sich provozieren lassen – vor allem durch die Medien. „Steht für das Fernsehen fest, dass es eine Provokation ist, dann gibt es immer ein paar Idioten, die sich provoziert fühlen“, so Charb, und wer Koran oder Bibel wörtlich nehme, sei „ein ganz besonderer Psychopath“.

Missbraucht

Die Karikaturen islamistischer Terroristen in Charlie Hebdo meinten natürlich nicht alle Muslime. Überhaupt würden die wenigen radikalen Islamisten für andere – politische und mediale – Zwecke missbraucht: "Ein Terrorist macht große Angst, aber wenn man islamistisch hinzufügt, macht sich wirklich jeder in die Hose."

Was er wohl zum Anschlag auf Charlie Hebdo schreiben würde?

Ein Einwand zum Buch: Manchen Kontext muss man sich als nichtfranzösischer Leser ausmalen. Charb verteidigt – wortreich und unnachgiebig – einen Begriff der Meinungsfreiheit, den nur Frankreich kennt. Genauer: der Freiheit, sich abschätzig öffentlich zu äußern, insbesondere auch in Richtung der Religion.

Charlie Hebdo ließ jetzt übrigens wissen, dass es keine Mohammed-Karikaturen mehr geben wird.

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