Wirtschaft atmedia
07/09/2009

Das Internet ist nicht der Feind

int // Das European Publishers Council überreichte der EU-Kommission die "Hamburger Erklärung zum Schutz des geistigen Eigentums". Diese an EU-Medienkommissarin Viviane Reding und Binnemarkt-Kommissar Charlie McCreevy übergebene Erklärung trägt 166 Unterschriften von Vertreten europäischer Medienhäuser. Sowohl der Europäische Verlegerrat wie auch der Weltzeitungsverband WAN-IFRA haben sich der "Hamburger Erklärung" angeschlossen. "Der Standard"-Herausgeber Oscar Bronner und Styria-Vorstandsvorsitzender Horst Pirker haben ebenfalls unterzeichnet.

Faire Beteiligung

"Das Internet ist nicht der Feind, sondern die Zukunft des Journalismus, wenn auch in der digitalen Welt geistiges Eigentum respektiert wird", bemüht sich Springer AG-Vorstandsvorsitzender Matthias Döpfner in Diplomatie. Er sieht die "Hamburger Erklärung" auf zwei Ziele gerichtet: "Eine faire Beteiligung an den Umsätzen derjenigen, die unsere Inhalte vermarkten, und darüber hinaus die Entwicklung eines Marktes für bezahlte Inhalte in der digitalen Welt. Wir sind zuversichtlich, dass auch die Vertreter von Suchmaschinen und anderen Aggregatoren mit uns gemeinsam die Marktchancen von legalen bezahlten Inhalten im Internet erkennen, erschließen und gemeinsam nutzen wollen."

Hamburger Erklärung (im Wortlaut)

Das Internet ist für den Journalismus eine große Chance. Aber nur, wenn die wirtschaftliche Basis auch in den digitalen Vertriebskanälen gesichert bleib.
Das ist derzeit nicht der Fall.

Zahlreiche Anbieter verwenden die Arbeit von Autoren, Verlagen und Sendern, ohne dafür zu bezahlen. Das bedroht auf die Dauer die Erstellung von Qualitäts-Inhalten und von unabhängigem Journalismus.

Wir treten deswegen entscheiden dafür ein, den Schutz geistigen Eigentums im Internet weiter zu verbessern.

Freier Zugang zu Webseiten bedeutet nicht zwingend kostenlosen Zugang. Wir widersprechen all jenen, die behaupten, dass Informationsfreiheit erst hergestellt sei, wenn alles kostenlos zu haben ist. Der freie Zugang zu unseren Angeboten soll erhalten bleiben, zum Verschenken unseres Eigentums ohne vorherige Zustimmung möchten wir jedoch nicht gezwungen werden.

Wir begrüßen deshalb die wachsende Entschlossenheit von Bundesregierung, Landesregierungen und den im Bundestag vertretenen Parteien, die Rechte von Urhebern und Werkmittlern weiter an die Bedingungen des Internets anzupassen.

Im Internet darf es keine rechtsfreien Zonen geben. Gesetzgeber und Regierung auf nationaler wie internationaler Ebene sollten die geistige Wertschöpfung von Urhebern und Werkmittlern besser schützen. Ungenehmigte Nutzung fremden geistigen Eigentums muss verboten bleiben.

Am Ende muss auch im World Wide Web gelten: Keine Demokratie gedeiht ohne unabhängigen Journalismus. Kein Wissen entsteht ohne faire Beteiligung an seinem wirtschaftlichen Erfolg.

Hamburg, 8. Juni 2009

Axel Springer AG Relations/Hamburger Erklärung kommentiertHamburger Erklärung an EU-Kommission übergebenFAZ.net