Wirtschaft
05.12.2011

Athen: Behörden prüfen "Massen-Erblindung"

Auf einer griechischen Insel beziehen zwei Prozent aller Bewohner Blindengeld. Das Ministerium hegt Missbrauchsverdacht.

Vor kurzem bewahrte Europa Griechenland mit einem neuen Hilfspaket vor einer Pleite. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man seit Wochen mit Argusaugen auf den verschuldeten Euro-Staat blickt. Athen musste bereits einräumen, für tausende tote Landsleute weiter Pensionszahlungen geleistet zu haben. Nun berichtet die Nachrichtenagentur AFP über einen einen ähnlich kuriosen Fall.

Ein ungewöhnlich hoher Anteil von Blindengeld-Empfängern auf einer griechischen Insel hat die Behörden stutzig gemacht. Das Gesundheitsministerium hat bereits eine Untersuchung auf dem nicht genannten Eiland im Ionischen Meer angeordnet. Mehr als 600 Inselbewohner erhalten demnach die staatliche Unterstützung für Blinde. "Wir wissen nicht, wie vielen von diesen Leuten die Leistungen tatsächlich zustehen", sagte ein Regierungsbeamter.

Die griechische Zeitung Ethnos berichtete, dass zwei Prozent der Inselbevölkerung Blindengeld beantragen würden, viele von ihnen seit der Kindheit. Der Zeitung zufolge will die Regierung alle staatlichen Sozialprogramme auf ungerechtfertigte Zahlungen überprüfen.

Die jährlichen Sozialleistungen des griechischen Staates betragen 6,4 Milliarden Euro. Das Land konnte nur mit Hilfe der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds vor dem Staatsbankrott bewahrt werden. Im Gegenzug verpflichtete sich Athen zu einem harten Sparkurs.

Anleihentausch bis Mitte August

Der im Rahmen des Hilfepakets für Griechenland geplante Anleihentausch soll sich angeblich bis Mitte August konkretisieren. In Bankenkreisen hieß es am Dienstag, bis dahin rechne man mit einem formellen Angebot der griechischen Regierung mit den konkreten Details des Tausches. Durch diesen soll Griechenland letztlich einen deutlichen Zahlungsaufschub um mehrere Jahre verbunden mit einer begrenzten Entlastung bei seinen Schulden erhalten.