Very high resolution 3d rendering of an human brain.

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Studie
08/30/2013

Armut beeinträchtigt das Denkvermögen

Finanzielle Sorgen mindern kurzfristig die geistige Kapazität, wiesen US-Forscher nach.

Geldprobleme können das Denkvermögen beeinträchtigen. Existenzängste überfordern US-Forschern zufolge das Gehirn derart, dass man sich kaum noch auf andere mentale Aufgaben konzentrieren kann, schreiben sie im Magazin Science.

"Finanzielle Nöte wirken sich auf die Konzentration aus, man macht also mehr Fehler", sagt der Psychologe Eldar Shafir von der Universität Princeton. "Und diese Fehler können Arme im schlimmsten Fall noch ärmer machen."

Mit einer Reihe von Experimenten zeigen Shafirs Team und zwei weitere Forschergruppen von den Universitäten Harvard und British Columbia, dass Geldsorgen Menschen zu Fehlentscheidungen bringen – unabhängig von den äußeren Lebensumständen.

Panik-Blockaden

Für ihr erstes Experiment wählten sie Besucher eines Einkaufszentrums in New Jersey aus. Zunächst teilten die Forscher die Studienteilnehmer in zwei Gruppen auf. Alle wurden gebeten, sich in Situationen zu versetzen, die in irgendeiner Weise mit finanziellen Problemen – etwa die Reparatur ihres Autos – verbunden waren. Der Unterschied waren die Beträge: Die eine Gruppe sollte nur 150 Dollar bezahlen, die andere Gruppe 1.500 Dollar.

Während die Testpersonen über die Szenarien nachdachten, wurde ihre kognitive Leistungsfähigkeit mit verschiedenen Tests am Computer ermittelt. In der Gruppe, die zuvor ein vergleichsweise "harmloses" Geldproblem lösen sollten, schnitten die Teilnehmer im Intelligenztest entsprechend etwa gleich gut ab – unabhängig von ihrem Vermögensstand.

Unter denen, die die Forscher mit größeren Geldverlusten konfrontiert hatten, zeigten sich hingegen starke Unterschiede: Wenigverdiener meisterten die Denkaufgaben deutlich schlechter als Versuchspersonen mit einem hohen Einkommen. "Das heißt keinesfalls, dass Arme weniger intelligent sind als Reiche", sagt Zweitautor Sendhil Mullainathan. Vorübergehend könnten akute Geldsorgen ihre Denkfähigkeit jedoch stark beeinträchtigen.

Für ihr zweites Experiment reisten die Forscher zu Bauern nach Indien. Mit rund 460 von ihnen führten die Forscher vor und nach der Zuckerernte Intelligenztests durch. Dabei zeigte sich, dass die Farmer vor der Ernte, also in der finanziell schwierigen Phase, deutlich schlechtere Ergebnisse erzielten als danach. Ihr IQ sank in der "armen Zeit" um mindestens zehn Punkte – das ist in etwa so viel, wie eine Nacht ohne Schlaf das Denkvermögen einschränkt.

"Armut macht vorübergehend dumm" lautet ergo das Fazit der Wissenschaftler.

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