McDonald´s Filialen in Argentinien geht das Ketchup aus.

© APA/dpa-Zentralbild/Stefan Sauer

Argentinien
02/05/2014

Kein Ketchup bei McDonald´s

In rund 200 argentinischen McDonald´s Filialen gibt es kein Ketchup mehr.

Wir möchten unseren Followern mitteilen, dass der Ketchup-Mangel in unseren Lokalen vorübergehend ist und wir eine baldige Lösung erwarten. Bis zur Lösung des Problems verteilen wird ersatzweise andere Saucen.“

Mit dieser Meldung versuchte McDonald´s in Argentinien am Montag aufgebrachte Kunden zu beruhigen. Grund für den Aufruhr: In rund 200 McDonald´s Filialen des Landes gibt es kein Ketchup mehr. Warum das so ist, wollte die Fastfood-Kette offiziell nicht mitteilen.

In Buenos Aires gibt es kaum Zweifel, dass strenge Devisen- und Importbeschränkungen der Regierung dafür verantwortlich sind. Unternehmen unterliegen straffen Im- und Exportvorgaben, um den Devisenabfluss einzudämmen. So bekommen Firmen nur dann Dollar für Importe, wenn sie im Gegenzug Produkte exportieren. Und das dürfte der Grund sein, warum aus dem Nachbarland Chile kein Ketchup importiert werden darf.

Bislang konnte Argentinien fehlende Importe mittels lokaler Produktion ausgleichen, doch fällt es argentinischen Unternehmen immer schwieriger, diese Lücke zu schließen.

Präsidentin Cristina Kirchner hatte zu Beginn ihrer zweiten Amtszeit 2011 strenge Devisenkontrollen eingeführt, um eine Flucht ihrer Landsleute in den Dollar zu stoppen. Die Devisenreserven sind binnen drei Jahren von 52 auf 29 Mrd. Dollar geschrumpft. Der Peso hat seit Anfang Jänner 18 Prozent an Wert verloren. Die jährliche Inflation liegt seit sechs Jahren über 20 Prozent – Experten schätzen die Rate auf 30 Prozent. Am Montag vorige Woche gab die Regierung in Buenos Aires die Devisen-Käufe von US-Dollar frei, begrenzte diese aber auf maximal 2.000 Dollar im Monat. Wer das Geld innerhalb von 12 Monaten ausgibt, muss 20 Prozent Steuer abführen. (siehe unten)

Ein Tango Richtung Abgrund

Tropische Hitze im Norden, eisige Kälte in Patagonien im Süden: Argentinien ist ein Land der Extreme. Auch die Stimmung der Wirtschaft schwankt ständig zwischen Euphorie und Agonie.

Jetzt steht das Land wieder einmal am Abgrund: Argentiniens Regierung hat das Vertrauen der Bürger verspielt, weil sie die galoppierende Inflation nicht in den Griff bekommt. Dass die offizielle Teuerungsrate von 10,5 Prozent stimmt, glaubt kein Mensch; Analysten, die andere Schätzungen bekannt gaben, drohten bis vor Kurzem heftige Geldstrafen. Realistischer ist, dass die Preise um 25 bis 30 Prozent pro Jahr steigen. Das macht das Leben schwer: Die Gewerkschaften wollen Lohnabschlüsse nur noch für drei Monate statt für ein ganzes Jahr verhandeln.

Kapitalflucht in Dollar

Die Landeswährung Peso verliert rasant an Kaufkraft. Wer kann, flüchtet in US-Dollar. Oder versucht, sein Geld loszuwerden: Luxusautos erlebten 2013 einen Absatzboom. Händler in Buenos Aires stehen vor einem Dilemma: Welchen Preis sollen sie angeben? Auf dem Schwarzmarkt legt man bis zu 13 Pesos für einen Dollar hin. Nach offiziellem Wechselkurs wären es nur 8 Pesos.

Außer Verboten und hohen Steuern fiel der Regierung dagegen wenig ein. Seit Oktober 2011 sind Dollar-Käufe und Sparkonten in Fremdwährung verboten. Vergangene Woche wurden Online-Einkäufe mit bis zu 50 Prozent Steuer belegt. Das alles konnte den Devisenabfluss aber nicht stoppen. Nur massive Interventionen der Notenbank verhinderten den Peso-Absturz. Doch jetzt ist das Ende der Fahnenstange erreicht: Die Feuerkraft der Notenbank schwindet, die Währungsreserven wären bald aufgebraucht. Der Peso hat binnen einer Woche gegenüber dem Dollar 14,5 Prozent an Wert eingebüßt.

Am Montag musste die Regierung Dollarkäufe wieder erlauben. Sie öffnete das Ventil aber nur ein kleines Stück: Je nach Einkommenshöhe dürfen Argentinier bis zu 2000 Dollar pro Monat erwerben. Wer das Geld innerhalb von 12 Monaten ausgibt, muss allerdings 20 Prozent Steuer abführen. Landeskenner haben Zweifel, ob das die Währungskrise beendet.

Wirtschaftsminister Axel Kicillof hatte einen „spekulativen Angriff“ des Ölkonzerns Shell für die Probleme verantwortlich gemacht. Dieser wies die Vorwürfe zurück: Die Zentralbank habe gewusst, dass Shell Dollarkäufe tätigen müsse, sagte Shells Argentinien-Chef.

Mega-Pleite 2001

Die auf Konfrontation ausgerichtete linkspopulistische Politik stößt nun an ihre Grenzen. Cristina Fernández de Kirchner, seit 2007 Präsidentin, lässt penibel alle Geschäfte regeln, die internationale Konzerne machen dürfen. 2012 wurde die spanische Repsol genötigt, ihre Mehrheit an der Erdölfirma YPF an den Staat abzutreten.

Seinen 100-Milliarden-Dollar-Bankrott von 2001 (die größte Staatspleite vor Griechenland) hat Argentinien noch immer nicht verdaut. Das Land erhält keine neuen Kredite, solange es sich mit den Gläubigern nicht über die Rückzahlung offener Schulden einigt. Zudem müsste Fernández de Kirchner für Kontrollen den Internationalen Währungsfonds ins Land lassen – was sie strikt ablehnt.

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