© APA/ANDY RAIN

Wirtschaft
12/05/2011

Am Sonntag zu H&M?

Die Österreich-Chefin von Hennes & Maurtiz wünscht sich am Sonntag offene Geschäfte - vor allem in Wien.

Richard Lugner hätte seine Freude: Mit der Forderung der Österreich-Chefin des schwedischen Textilkonzerns Hennes & Maurtiz nach offenen Geschäften am Sonntag, flammt die Debatte um die Sonntagsöffnung wieder neu auf. "Ich persönlich finde, dass in Städten mit hohem Tourismusaufkommen wie in unseren Landeshauptstädten, vor allem aber in Wien, eine Sonntagsöffnung von Vorteil und wünschenswert wäre", wird Claudia Oszwald im WirtschaftsBlatt vom Montag zitiert.

Ansonsten kämpft H&M mit Umsatzrückgängen, musste zuletzt ein Quartalsminus von 15 Prozent hinnehmen. In Österreich schrumpfte der Umsatz im dritten Quartal um elf Prozent. Oszwald: Der lange Spätsommer habe den Start in die Herbstsaison verpatzt, steigende Rohstoffkosten sowie schlechte Wechselkurse seien stellten weitere Belastungen dar. Dennoch hält die weltgrößte Modekette an ihren Expansionsplänen fest. "Unser Expansionsziel für das Jahr 2011, weltweit 250 neue Stores zu eröffnen, wurde auf 265 erhöht, da in einigen Märkten wie China, Rumänien, Kroatien mehr Geschäfte als geplant eröffnet werden können", so Oszwald. In Österreich werde im Frühjahr eine Filiale in Schwaz in Tirol aufgemacht, im September wurde ein Store in Salzburg eröffnet.

Lugner

Richard Lugner und acht Geschäftsleute aus der Wiener Lugner-City wollten im Mai des heurigen Jahres durchsetzen, dass Geschäfte überall in Österreich an speziellen Sonntagen im Jahr offenhalten dürfen und haben deswegen eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof (VfGH) eingebracht. Das Verbot der Sonntagsöffnung widerspreche dem Grundrecht auf freie Erwerbstätigkeit, argumentierte der Baumeister. Das Gutachten, auf Basis dessen die Klage beim Verfassungsgerichtshof eingebracht worden war, erstellte Verfassungsrechtler Heinz Mayer.

"Die Frage ist: Leben wir in einer freien Marktwirtschaft oder leben wir in einer Planwirtschaft, wo ein Zentralkomitee festlegt, was man am Tag des Herren tun darf?", ärgerte sich Lugner. Er verwies auf Touristen, die am Sonntag aufgrund der bestehenden Regelung nicht einkaufen könnten sowie auf jene Wiener, die zum Sonntagseinkauf ins benachbarte Ausland fahren würden. An sechs Sonntagen wollte Lugner im Jahr offen halten.

Die Bundesregierung hat sich in einer Stellungnahme an den Verfassungsgerichtshof (VfGH) gegen eine gesetzliche Ausweitung der Ladenöffnungszeiten ausgesprochen. "Durch die Sonntagsruhe sei zwar das verfassungsmäßige Recht auf Erwerbsfreiheit eingeschränkt, aber in einem sozial- und familienpolitisch gerechtfertigten Ausmaß", so das Resümee der Regierung. Eine endgültige Entscheidung des VfGH wird es voraussichtlich im kommenden Frühjahr geben.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund