Wirtschaft
10.07.2018

Aktivisten entdecken illegalen Elfenbein-Handel in Europa

Neue Studie zeigt, dass Schlupfloch in Gesetzen für illegales Handeln mit Elfenbein genutzt wird.

Das Handeln mit illegalem Elfenbein ist immer noch sehr präsent, trotz Gesetzen, die das verbieten. Laut einer aktuellen Studie kommt demnach oftmals angeblich altes Elfenbein in Europa in Wirklichkeit oft von erst kürzlich getöteten Elefanten.

Derzeitige Beschränkungen erlauben das Handeln von älterem Elfenbein, jedoch nicht die Stoßzähne von kürzlich getöteten Elefanten. Genau genommen kann man mit Elfenbein frei handeln, das aus der Zeit vor 1947 stammt. Elfenbein aus den Jahren zwischen 1947 und 1990 darf nur mit einem Zertifikat verkauft werden. Ab dem Jahr 1990 darf mit den Stoßzähnen gar nicht mehr gehandelt werden. Das Verbot soll die Wilderei stoppen, die langsam für das Aussterben von Elefanten sorgt. Laut der gemeinnützigen Organisation Avaaz, die sich unter anderem für Menschenrechte und Tierschutz einsetzt, werden jährlich 30.000 Elefanten wegen ihres Elfenbeines illegal getötet.

Avaaz hat mehr als 100 Elfenbeinartefakte in zehn EU-Ländern gekauft und deren Alter durch die Radiokarbonmethode bestimmen lassen. Die Studie, die über Spenden finanziert wurde und von der Universität Oxford ausgeführt wurde, hat herausgefunden, dass 74,3 Prozent der analysierten Proben aus der Zeit nach 1947 stammen. Wie „The Guardian“ berichtet, stammt ein Fünftel der Proben aus der Zeit nach 1990. Demnach sind diese Artefakte illegal im Umlauf und die anderen Stoßzähne vor 1990 hätten nur mit einem Zertifikat verkauft werden dürfen.

Insgesamt hat Avaaz innerhalb von vier Monaten 109 Artikel wie Aschenbecher oder Figuren, die aus Elfenbein bestehen, gekauft. Die Stücke kommen aus Belgien, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, den Niederlanden, Portugal, Spanien und dem Vereinigten Königreich, berichtet „The Guardian“. Mehr als die Hälfte der Proben aus Deutschland bestand aus illegal gehandeltem Elfenbein. Wie ist dies möglich? Händler können sagen, dass sie denken, dass das Elfenbein vor 1947 stammt – es zu überprüfen ist schwierig.

Bert Wander, der Kampagnenleiter von Avaaz, sagte in einem Interview mit „The Independent“: „Es ist schon hart genug, mit den Wilderern, der illegalen Mafia und der Korruption zu kämpfen, nun muss man einige der am meisten fortgeschrittenen Demokratien auf dem Planeten davon überzeugen, eine simple Änderung im Gesetz zu machen. Europa muss wirklich eine Rolle darin spielen, diesen schrecklichen Handel zu beenden.“

Schlupflöcher im Gesetz
Die Studie bestätigt, dass Händler Lücken in den EU-Verordnungen gefunden und ausgiebig ausgenutzt haben. „Diese Funde müssen das Ende einläuten. Jeder weitere Tag, an dem Elfenbein verkauft wird, kommt jenem Tag näher, an dem alle Elefanten ausgestorben sind“, meint Wander.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist der Binnenhandel von Elfenbein in Ländern wie den USA, China und Hongkong verboten, in der EU ist er noch erlaubt. Im vergangenen Monat appellierte das Europäische Parlament für ein komplettes Verbot von Binnenhandel mit Elfenbein. Die Mitglieder des Europäischen Parlaments sagen, dass die EU der größte Binnenmarkt der Welt für legales Elfenbein ist. Dennoch gelingt illegales Elfenbein in den legalen Markt. Dies bewirkt, dass Elefanten eine lukrative Beute für die Wilderer darstellen. Die Wilderei birgt nicht nur Gefahren für Tiere. Wilderei wird auch in Verbindung mit Korruption, organisiertem Verbrechen, der Finanzierung von bewaffneten Gruppen und den Morden an Parkwächtern gebracht, sagten die Mitglieder des Parlaments. Daher spricht sich das Parlament deutlich für ein komplettes Verbot für den Handel mit Elfenbein aus.