Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin kämpft um ihre Zukunft.

© Reuters/RALPH ORLOWSKI

Fluglinie
03/26/2014

Air Berlin: Reise ins Ungewisse

Die angeschlagene "Niki"-Mutter bastelt an einem tiefgreifenden Umbau des Konzerns.

Die Zukunft von Air Berlin steht in den Sternen. Nach der überraschenden Verschiebung der Bilanzvorlage vorige Woche scheint klar, dass das Unternehmen vor tiefgreifenden Veränderungen steht. Es gebe "fortgeschrittene Gespräche über Optionen, die im Fall ihrer Umsetzung einen wesentlichen Einfluss auf die Gesellschaft haben werden", gab man bisher nur kryptisch bekannt.

Einzelheiten wurden eigentlich bei der Bilanzvorlage am Donnerstag erwartet. Doch nun wurde auch dieser zweite Termin abgesagt.

Air Berlin, Mutter der österreichischen Airline "Niki", ist sei Jahren schwer angeschlagen und steckt schon im zweiten Sparprogramm. Der aus Österreich stammende Vorstandschef Wolfgang Prock-Schauer und Finanzchef Ulf Hüttmeyer hatten bereits im November ein Minus für 2013 angekündigt - es wäre das fünfte Negativ-Ergebnis in sechs Jahren. Analysten erwarten einen operativen Jahresverlust zwischen 114 und 132 Millionen Euro.

Der arabische Großaktionär Etihad soll sehr unzufrieden mit der Sanierung sein. Berichten zufolge will sich Air Berlin nun von der Börse zurückziehen und Etihad mehr Einfluss verschaffen. Die Araber sind derzeit mit knapp unter 30 Prozent an Air Berlin beteiligt und würden Deutschlands kriselnde Nummer zwei gern komplett übernehmen.

Lösungsszenarien

Knackpunkt dabei ist, dass Unternehmen, die außerhalb der EU sitzen, nicht die Mehrheit an einer hiesigen Fluggesellschaft erwerben dürfen. Ansonsten gehen die Anflugrechte verloren. Etihad bräuchte daher jemanden, der die Mehrheit der Stimmrechte hält, den Arabern aber Einfluss gewährt.

Gehandelt werden dafür mehrere Szenarien: Air Berlin könnte von der Börse genommen und in eine GmbH umgewandelt werden. Die Kleinaktionäre, die bisher 38,5 Prozent halten, würden abgefunden. Deutsche Großaktionäre wie der ehemalige Air-Berlin-Chef Joachim Hunold könnten die Mehrheit übernehmen.

Spekuliert wird aber auch, dass Etihad mit mehreren europäischen Airlines eine eigene Regional-Gesellschaft aufbauen könnte. Zunächst müssten die Araber die angeschlagene italienische Alitalia schlucken - die Verhandlungen dazu seien bereits nahezu abgeschlossen, hatten sie Anfang Februar berichtet. Die italienische Airline würde ihre Verkehrsrechte behalten und dann Air Berlin übernehmen. Auch Aer Lingus aus Irland, die Schweizer Darwin Airline und Air Serbia könnten der Gruppe beitreten.

In einem dritten Szenario würde Air Berlin in mehrere Gesellschaften aufgeteilt. Etihad könnte die Zubringerdienste zum Drehkreuz Abu Dhabi übernehmen. Die Ferienflüge blieben in einer kleineren Gesellschaft.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.