Wolfgang Prock-Schauer hat genug

© APA/dpa/Paul Zinken

Airline
11/03/2014

Air-Berlin-Chef Prock-Schauer wirft das Handtuch

Der Österreicher kehrt der maroden flyniki-Mutter im Februar den Rücken.

Air Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer tritt ab. Der 57-jährige Österreicher wird mit 1. Februar 2015 sein Amt auf eigenen Wunsch niederlegen, teilte die Muttergesellschaft von flyniki (Niki) am Montag mit. Zu seinem Nachfolger hat der Aufsichtsrat Stefan Pichler bestimmt. Prock-Schauer war erst Anfang 2013 zum Nachfolger des jetzigen Berliner Flughafenchefs Hartmut Mehdorn ernannt worden. Als Chefstratege bleibt der Österreicher dem Management-Board der Fluggesellschaft aber erhalten.

Air Berlin steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise und hat in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne geschrieben. Die arabische Airline Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und hält die Berliner seither mit Finanzspritzen am Leben. Prock-Schauer hatte im Frühjahr zugeben müssen, dass die bisherigen Sparanstrengungen nicht ausreichen, um Deutschlands zweitgrößte Airline zurück in die Gewinnzone zu bringen. Er kündigte daraufhin eine grundlegende Neuausrichtung an, hielt dann aber am bisherigen Geschäftsmodell fest. Air Berlin sei mit den drei Segmenten Europa, Touristik und Langstrecke genau richtig positioniert.

In den vergangenen Monaten strich die Fluggesellschaft 900 Stellen. Ende Oktober kündigte Prock-Schauer an,dass weitere 200 Stellen wegfallen.

Sein Nachfolger Stefan Pichler (Bild) gilt als Urgestein der Reisebranche, arbeitete bei Lufthansa, Thomas Cook, bei Airlines in Australien, im Mittleren Osten und zuletzt auf den Fidschi-Inseln. Der 57-Jährige gilt als beinharter und erfolgreicher Sanierungsmanager. „Der hat sein ganzes Leben nichts anderes getan“, sagen Insider.

Zur Person: Wolfgang Prock-Schauer

Prock-Schauer - in neun Tagen wird er 58 Jahre alt - gilt als echter Luftfahrt-Profi: Dreimal saß der Klosterneuburger mittlerweile im Chefsessel einer Fluggesellschaft. Mit seinen bisherigen Sanierungsbemühungen war er allerdings nicht immer erfolgreich.

1981 begann Prock-Schauer seine berufliche Laufbahn bei der Austrian Airlines (AUA), wo er Netzwerk-Management, strategische Planung und die Integration der regionalen Fluggesellschaften Lauda Air und Tyrolean verantwortete. Er managte den Beitritt der österreichischen Airline in die Staralliance. Wenig später wechselte er selbst an die Spitze des Luftfahrtbündnisses.

Seinen ersten Posten an der Spitze einer Fluggesellschaft hatte Prock-Schauer 2003 bei Jet Airways in Indien. Er führte das indische Unternehmen 2005 an die Börse, baute das Langstreckengeschäft aus und half den Indern in ein globales Netzwerk mit weiteren Fluggesellschaften. 24 Prozent der Anteile an Jet Airways gehören mittlerweile ebenfalls Etihad.

Als er 2009 nach Europa zurück kam, um für den ebenfalls aus Österreich stammenden damaligen Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber die britische BMI (British Midland) zu sanieren, erinnerten sich deutsche Medien noch an alte Scherze zwischen den beiden Airline-Managern: "Ich bin der kleine Wolfi und das da drüben ist der große Wolfi", beschrieb Prock-Schauer dem Autor der "Süddeutschen Zeitung" sein Verhältnis zu Mayrhuber. Nur bei der BMI-Sanierung hatte der Österreicher keine glückliche Hand. Die musste 2012 mit hohen Verlusten an die British Airways verkauft werden und wurde in den Monaten danach aufgelöst.

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