Wirtschaft
20.10.2017

Air Berlin bittet Merkel um finanzielle Hilfe

Die Spitze des insolventen Konzerns richtet sich mit einem Brief an die deutsche Kanzlerin.

Die insolvente deutsche Fluggesellschaft Air Berlin bittet nun auch den deutschen Staat um Hilfe bei der Finanzierung einer Auffanglösung für die Beschäftigten. Air Berlin werde selbst bis zu zehn Millionen Euro beisteuern, brauche aber für eine Transfergesellschaft noch Geld der öffentlichen Hand, wie aus einem Brief der Konzernspitze an Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel hervorgeht.

"Hierzu hoffen wir auf die Unterstützung der betroffenen Länder und des Bundes, setzen aber auch auf die Verantwortung der Käufer unseres Unternehmens." Zuerst hatten die Zeitungen BZ und Bild darüber berichtet.

Die Transfergesellschaft soll Mitarbeiter, für die es vorerst keine Perspektiven gibt, qualifizieren und in andere Jobs vermitteln. Air Berlin rechnet damit, dass rund 4.000 Beschäftigte in diese Einrichtung wechseln könnten. Mit Piloten wären es laut Kalkulation 4.500. Die Kosten für die Transfergesellschaft dürften sich - je nach Modellrechnung - auf bis zu rund 65 Millionen Euro belaufen. In dem Brief bittet der Konzern die öffentliche Hand um die finanzielle Unterstützung bei den sogenannten Overhead-Kosten, die nicht einzelnen Posten zugeordnet werden können, und bei den Remanenzkosten. Dazu gehören etwa Sozialabgaben für Pensions-, Kranken- und Pflegeversicherung wie auch die Lohnzahlungen für Urlaubs- und Feiertage.

Verhandlungen ziehen sich in die Länge

Zuletzt hatte ein Sprecher des deutschen Arbeitsministeriums allerdings gesagt, es gebe keine gesetzliche Grundlage für Beiträge des Bundes an eine Transfergesellschaft für Air Berlin, abgesehen von der Bundesagentur für Arbeit. Die Airline verhandelt auch mit Berlin, Nordrhein-Westfalen und Bayern, wo es jeweils Standorte gibt, um finanzielle Hilfen. Air Berlin hatte im August Insolvenz angemeldet und kann den Flugbetrieb nur dank eines Staatskredits von 150 Millionen Euro fortsetzen.

Die Verhandlungen mit Easyjet über die Übernahme von rund 25 Air-Berlin-Maschinen ziehen sich in die Länge. Die Gespräche dauerten über das Wochenende an, erklärte Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann. Dies gelte auch für die Gespräche mit Bietern für die Technik-Sparte und die Frachttochter Leisure Cargo. "Heute ist das Ende der exklusiven Verhandlungsfrist mit Easyjet", betonte Winkelmann. Dies dürfte ein klares Signal an die Briten sein, dass der Konzern Gespräche mit anderen Interessenten wie der Thomas Cook-Tochter Condor nun wieder intensiviert. Denn die Zeit drängt. Air Berlin will noch bis Ende nächster Woche einen Deal unter Dach und Fach bringen, da der Flugbetrieb in eigener Regie am 27. Oktober endet. Ein Condor-Sprecher äußerte sich dazu nicht.

Air Berlin sei sich mit Easyjet zwar grundsätzlich einig, berichtete die "Bild"-Zeitung. Doch die Briten pochten auf Vorabzusagen der EU hinsichtlich wettbewerbsrechtlicher Vorschriften sowie des Flughafenkoordinators wegen der Übertragung von Start- und Landerechten. "Diese Zusagen kann niemand vorab geben", zitierte das Blatt eine an den Verhandlungen beteiligte Person.