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Klimaschutz
01/14/2020

Agrana: Satte Gewinne mit Bioethanol

Agrana-Chef Marihart rechnet mit der Verdoppelung der Biozugabe zum Benzin

von Andreas Anzenberger

Bei einer leichten Steigerung des Umsatzes hat der Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern Agrana in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres deutlich mehr Geld verdient. Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum stieg das Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) um 9,9 Prozent auf 69,8 Millionen Euro.

Der Generaldirektor der Agrana, Johann Marihart, verweist auf die Mehreinnahmen aus dem Stärkesegment. Vor alle die „deutlich höheren Ethanolerlöse“ hätten die Ergebnisverbesserung möglich gemacht.

Derzeit wird Benzin fünf Prozent Ethanol (Ethylalkohol) beigemischt. Marihart verweist auf die Pläne der neuen Regierung. Im Regierungsübereinkommen habe man sich auf eine Ausweitung der Anwendung geeinigt. Konkret geht es laut Abkommen um die „forcierte Beimischung von Bioethanol (E10) und Überarbeitung der entsprechenden Zielsetzungen in der Kraftstoffverordnung, um die bestehende heimische Bioethanol-Produktion bestmöglich zu nutzen und den tatsächlichen -Ausstoß im Verkehr laufend zu reduzieren“.

 

„Ich glaube, es ist allen ein Anliegen, dass wir - mäßig etwas tut müssen“, betont Marihart. „Insbesondere in dieser Regierungskoalition.“ Die notwendigen Ethanol-Mengen dafür sind vorhanden.

Weniger Exporte

„Wir haben damals den Bau der Anlage, die 2008 in Betrieb gegangen ist, auf E10 ausgelegt, das dann allerdings nicht gekommen ist“, erinnert sich der Agrana-Chef. Derzeit wird rund die Hälfte der Ethanol-Produktion exportiert. Bei einer verstärkten Nutzung im Inland würden die Exporte sinken.

Die Verdoppelung des Anteils von Bioethanol im Benzin habe „erhebliche Vorteile für die Umwelt“, betont der Vorstandsvorsitzende der Agrana. „Da Ethanol aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen wird, ist es weitgehend -neutral. Wir sparen zwischen 70 und 90 Prozent . Bezogen auf zehn Prozent Beimischung sparen wir 400.000 Tonnen in den Benzinmotoren.“ Dazu komme als weiterer Vorteil eine Reduktion der Feinstaubbelastung um 25 Prozent. „Es wirkt sofort über die gesamte Flotte ohne Zusatzmaßnahmen am Motor.“

Die Einführung von E10 werde nicht zu einer deutlichen Erhöhung der Benzinpreise in Österreich führen, verspricht Marihart. Der Benzinpreis an der Tankstelle schwankt täglich in einem kleinen Bereich. „Im Rahmen dieses Schwankungsbereiches wird auch die Verteuerung liegen.“

Die Agrana hat 2005 begonnen, „auf der grünen Wiese“ in Pischelsdorf bei Tulln eine Alkoholanlage zu bauen. „Alkohol allein ist ein schwankendes Geschäft“, weiß Marihart.

Mehr Stärke

Daher wurde in Pischelsdorf auch eine Weizenstärkefabrik errichtet. „Dann haben wir begonnen, die Nebenprodukte der Weizenstärkeproduktion zu Alkohol zu verwerten.“ Stärke, ein unscheinbares weißes Pulver, wird für Nahrungsmittel wie etwa Sirup oder auch in der Papierindustrie gebraucht. Ein Bonbon besteht zu 50 Prozent aus Stärkesirup. Außerdem wird Stärke als Verdickungsmittel, etwa für Pudding, verwendet.

Wegen der Zunahme bei den Paketzustellungen, steigt die Nachfrage nach Stärke. „Recyclingpapier braucht viel Stärke. Wir gehen von einer gesicherten Abnahme aus“, blickt Marihart optimistisch in die Zukunft. Im November vergangen Jahres wurde in Pischelsdorf ein zusätzliches Weizenstärkewerk mit Investitionskosten von 100 Millionen Euro eröffnet.

Getreide, das industriell verarbeitet wird, eignet sich nicht für die Herstellung von Mehl, weil der Eiweißgehalt zu niedrig ist. Das Argument, Getreide sollte nicht im Tank, sondern auf dem Teller landen, gilt hier damit nicht.