Wirtschaft
16.04.2018

Agrana produziert mehr Stärke für Versandhandel

Am Standort Pischelsdorf bei Tulln werden 100 Millionen Euro in eine neue Anlage investiert.

Die Nachfrage nach Stärke steigt. Denn das unscheinbare weiße Pulver wird nicht nur in der Lebensmittelindustrie etwa für Backwaren verwendet, sondern auch für völlig andere Zwecke wie die Kartonproduktion. Der wachsende Online-Versandhandel führe zu einer „steigenden Nachfrage insbesondere der Papierindustrie“, begründet Agrana-Generaldirektor Johann Marihart den Ausbau des Standorts Pischelsdorf bei Tulln.

Um rund 100 Mio. Euro wird dort eine neue Anlage zur Verdoppelung der Produktion von Weizenstärke gebaut. Ende 2019 soll die Anlage in Betrieb gehen und 45 neue Arbeitsplätze schaffen. Zur Grundsteinlegung am Montag waren die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Agrana-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder gekommen.

Gewinnbringer

Die guten Geschäfte mit Stärke haben positive Auswirkungen auf die Agrana-Konzernbilanz. Der Umsatzanteil der Stärkeproduktion betrug in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2017/18 fast 29 Prozent. Der Anteil der Stärke am Ebit (Einnahmen vor Steuern und Zinsen) lag mit 41 Prozent deutlich höher. Die Agrana investiert also in jenen Bereich, bei dem es am meisten zu verdienen gibt. Der Jahresumsatz des Stärke-, Zucker- und Fruchtkonzerns beträgt rund 2,6 Milliarden Euro.

In Pischelsdorf werden auch andere Inhaltsstoffe von Getreide verarbeitet. Das Eiweiß der Pflanzen wird für Bioethanol und Tierfutter verwendet. Im Regierungsübereinkommen von ÖVP und FPÖ wird auch der „weitere Einsatz nachhaltiger erzeugter Biotreibstoffe“ angekündigt. Konkrete politische Ankündigungen gibt es aber noch nicht.

Probleme haben derzeit die Zuckerbauern wegen des niedrigen Zuckerpreises. Weil die Quoten für die Produktionsmengen in der EU abgeschafft worden sind, wird nun mehr Zucker erzeugt. Dazu kommt: Nach derzeitigem Stand der Dinge wird es in der EU ein Totalverbot für Neonicotinoide geben, die von den Rübenbauern zur Schädlingsbekämpfung verwendet werden. Agrarministerin Elisabeth Köstinger verlangt daher eine Reduktion der Zuckerimporte in die EU. Marihart verwies auf die hören Kosten. „Wir zahlen den Bauern für Biorüben den dreifachen Preis.“