Wirtschaft
03.04.2017

Adidas verärgert den Fachhandel

Sportartikelhersteller will den Online-Umsatz auf vier Milliarden Euro steigern. Händler fürchten Umsatzeinbußen.

Warum über den Einzelhändler gehen, wenn ich meine Kunden auch direkt erreichen kann? Nach diesem Motto baut der deutsche Sportartikelhändler seinen Online-Handel massiv aus. Der neue Adidas-Chef Kasper Rorsted hatte vor kurzem angekündigt, den Online-Umsatz von derzeit einer Milliarde Euro bis zum Jahr 2020 auf vier Milliarden Euro erhöhen zu wollen. Begründet wird dies mit dem veränderten Einkaufsverhalten vor allem junger Kunden.

Auch wenn Adidas am Montag etwas zurückruderte und versicherte, dass der Sportfachhandel ein wichtiger Partner bleibe, so lösten die Ankündigung doch gehörigen Unmut aus. Deutsche Sportartikel-Händler befürchten massive Umsatzeinbußen und fordern von Adidas ein faires Miteinander, das den Interessen des Sportfachhandels in Deutschland ausreichend Rechnung trägt.

Benachteiligt

"Der Fachhandel kann mit einer solchen extremen Ausweitung des Adidas-Online-Handels nicht zufrieden sein", sagte der Sprecher des Verbands Deutscher Sportfachgeschäfte (VDS), Peter Thürl, am Montag. Händler beklagten etwa, sie erhielten erst Wochen nach dem Verkaufsstart im Adidas-Online-Shop begehrte Waren vom Konzern für den eigenen Verkauf.

Die Adidas-Sprecherin räumte ein, dass etwa Spezialgeschäfte für Sneakers in Berlin oder New York "selektiv" beliefert würden. "Hier geht es darum, dafür zu sorgen, dass die Marke angesagt ist und ein Hype entsteht. Dadurch entsteht eine Nachfrage, von der auch andere Vertriebskanäle profitieren." Zudem stehe es jedem Händler frei, einen eigenen Online-Shop zu eröffnen.

Der VDS, in dem 2500 Sportfachgeschäfte zusammengeschlossen sind, sieht derzeit vor allem die auch in Österreich tätigen, großen Sport-Einkaufsverbünde Intersport und Sport2000 gefordert. Sie sollten mit Adidas einzelhandelsfreundliche Regelungen ausarbeiten.