Schwerer Job, karges Einkommen. Davon sollen Pflegerinnen nun auch noch der Kirche etwas abgeben.

© APA/BARBARA GINDL

24-Stunden-Pflege
02/10/2014

Kirche fordert von Pflegerinnen aus Osteuropa Beiträge ein

Weil die Betreuerinnen in Österreich gemeldet sind, sollen sie auch Kirchensteuer zahlen.

Als der erste Brief von der Katholischen Kirchenbeitragsstelle der Erzdiözese Wien ins Haus flattert, fühlt sich Ludmilla Malikova (Name von der Redaktion geändert) noch willkommen geheißen. Die Kirche begrüßt darin die selbstständige Personenbetreuerin aus der Ostslowakei freundlich als neues Mitglied und informiert über Kirchenstellen. Am zweiten Schreiben hängt schon ein Zahlschein dran. Und die unverhohlene Aufforderung, doch den gesetzlichen Kirchenbeitrag zu leisten.

Dass Frau Malikova gerade einmal 560 Euro für ihren 14-Tage-Dienst bei einer Familie im Bezirk Hollabrunn erhält, scheint die Kirchenbeitragsstelle irgendwie zu ahnen. Denn im Schreiben heißt es wörtlich: „Nach unseren Unterlagen verfügen Sie über kein oder nur ein sehr geringes Einkommen. Sie brauchen daher in diesem Jahr keinen Beitrag zu bezahlen.“ Dies bedeutet aber nicht, dass für die Kirche nicht doch etwas zu holen wäre: „Wir bitten Sie aber, nach eigenem Ermessen einen Ihren finanziellen Möglichkeiten entsprechenden Betrag zu leisten und auch damit Ihre Zugehörigkeit zu unserer Glaubensgemeinschaft zum Ausdruck zu bringen.“

Kein Einzelfall

Malikova, die schlecht Deutsch spricht und von einer Kirchensteuer noch nie gehört hat, ist verunsichert und wendet sich hilfesuchend an einen Nachbarn. Schnell wird klar, dass sie nicht die einzige Betroffene ist. „Die Pflegerinnen leisten rund um die Uhr Schwerstarbeit für einen Hungerlohn und sollen davon noch etwas an die Kirche abgeben, ich verstehe das nicht“, schreibt der Nachbar dem KURIER. Sein Brief an Kardinal Christoph Schönborn (Bild) mit der Bitte um Stellungnahme blieb unbeantwortet.

Die Erzdiözese Wien bestätigt auf Anfrage des KURIER, dass selbstständige Pflegerinnen aus der Slowakei, Ungarn oder Rumänien Beitragsinformationen erhalten haben könnten. Aber nur jene, die ihren Hauptwohnsitz in Österreich hätten, weil nur dann eine Beitragspflicht bestehe. „Es kann aber sein, dass Vermittlungs-Agenturen ihre Pflegerinnen irrtümlich mit Haupt- statt Nebenwohnsitz angemeldet haben“, heißt es aus der Pressestelle. Aus den Meldedaten geht zwar das Religionsbekenntnis hervor, nicht aber Beruf und Verdiensthöhe. Daher werde jeder neue Katholik zunächst einmal angeschrieben. „Anders können wir nicht feststellen, ob es sich um eine Pflegerin handelt, die in der 24-Stunden-Betreuung arbeitet“, ergänzt Reinhold Steffel, Leiter der Kirchenbeitragsstelle. Betroffenen rät er, sich zu deklarieren, damit Irrtümer rasch aufgeklärt werden können.

Kirchenbeitrag nur bei Hauptwohnsitz

Meldedaten: Beitragspflichtig sind Katholiken in jener Diözese, in der ihr Hauptwohnsitz liegt. Die Kirche erhält von der Gemeinde die Meldedaten jener Personen, die sich zu der Religionsgemeinschaft bekennen (freiwillige Angabe). Familienstand, Beruf und Einkommen sind nicht ersichtlich.

Einnahmen: Die Erzdiözese Wien hob 2012 95 Mio. € an Beiträgen ein. Die Höhe ist sozial gestaffelt und beträgt 1,1 Prozent des Einkommens abzgl. eines Absetzbetrages von 52 Euro.

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