Mehr Zeit für die Kinder hätten Mütter und Väter gerne. Die Realität sieht anders aus.

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Wirtschaft
10/09/2019

15 Jahre Recht auf Elternteilzeit: Wo sind die Väter?

Rechtsanspruch auf Arbeitszeitverkürzung nutzen fast nur Frauen. Männer machen lieber Überstunden

von Anita Staudacher

Die Arbeitszeit reduzieren, um genügend Zeit zur Betreuung und Erziehung des Kindes zu haben: Der vor 15 Jahren eingeführte Rechtsanspruch auf Elternteilzeit sollte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern. Für beide Elternteile. Eine erste Bilanz des Forschungsinstituts FORBA im Auftrag der Arbeiterkammer Wien zeigt nun: Es sind fast ausschließlich Frauen mit mittleren Bildungsabschlüssen, die den Rechtsanspruch nutzen und bis zum Schuleintritt des Kindes Teilzeit arbeiten. Dadurch sind in Summe zwar mehr Frauen erwerbstätig als 2004, aber auch mehr in einer Teilzeitbeschäftigung.

Weil die Elternteilzeit oft darüber hinaus wirkt, stieg die Teilzeitquote bei Müttern mit Kindern zwischen sieben und zehn Jahren von 45 auf 53 Prozent. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit liegt bei 19 bis 23 Stunden. Bei der Wochenarbeitszeit von jungen Vätern hat sich seit 2004 hingegen wenig getan. Sie beträgt inkl. Überstunden 42 Stunden. Der Teilzeitanteil von Vätern mit Kleinkindern erhöhte sich nur leicht von 3 auf 7 Prozent. Männer mit Kindern arbeiten sogar öfter Vollzeit mit Überstunden als Männer ohne Kinder. Gehen Väter doch in Teilzeit, arbeiten sie im Schnitt 27 bis 30 Wochenstunden.

Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl ortet ein tradiertes Rollenbild vom „Mann als Ernährer“: „Wir reden viel, wie die Digitalisierung die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert prägen wird. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass wir noch nicht einmal im 20. Jahrhundert angekommen sind.“

Licht und Schatten

Für Anderl bringt die Elternteilzeit daher „Licht und Schatten“. Einerseits erleichtere sie die Vereinbarkeit und steigere die Jobchancen der Frauen durch einen früheren Wiedereintritt. Andererseits blieben Frauen dann oft zu lange in schlecht bezahlter Teilzeit, was sich negativ auf die spätere Pension auswirke. „Und die Männer haben zu wenig Zeit für die Familie, obwohl viele den Wunsch nach mehr äußern.“

Damit sich Frauen „nicht allein um den Nachwuchs kümmern müssen“, fordert die AK unter anderem den Ausbau von Kindergärten und Krippen, familienfreundlichere Arbeitszeiten sowie die Förderung von Väterkarenz und Elternteilzeit für Väter. Weiters soll der Rechtsanspruch, derzeit erst ab 20 Beschäftigten möglich, auf Kleinbetriebe ausgeweitet werden.

WKO bremst

Rolf Gleißner, Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer (WKO), hält nichts von einer Ausdehnung des Rechtsanspruches auf Kleinunternehmen. Diese könnten nicht so leicht disponieren und hätten oft Probleme, entsprechende Ersatzkräfte zu finden. Wirtschaftsvertreter forderten schon vor fünf Jahren eine Verkürzung der Anspruchsdauer von 7 auf 4 Jahre, was die Gewerkschaft aber verhinderte. „Generell sollte es keine Anreize geben, die Frauen davon abhalten, von der Teilzeit in eine Vollzeit zu wechseln“, sagt Gleißner und verweist auch auf steuerliche Aspekte.