Schella Kann - ein Stück österreichische Mode

Sie sind nicht so bekannt wie Fred Adlmüller oder Helmut Lang, zählen aber seit bald 30 Jahren zu den einflussreichsten Modemachern der österreichischen Fashionszene.

Schella Kann – Anita Aigner und Gudrun Windischbauer – haben gerade ihren ersten Store eröffnet, eine neue Pilgerstätte in der Spiegelgasse für echte Mode-Insider. Spät, aber doch – gut Ding braucht eben manchmal Weile ... Die Imagefotos mit der aktuellen Kollektion sind von Inge Prader und erinnern mich an die legendären Schwarzweißbilder von Rudi Molacek. Kult! Schwarzweißimages aus dem Jahre 1988 von Rudi Molacek, der ... ... von 1984 bis 1990 alle Schella-Kann-Fotos gemacht hat. "Schella Kann kann man am besten mit einem Zitat von Coco Chanel umschreiben: Mode vergeht, Stil bleibt. Schella Kann sind stilprägend, da gibt es kein Modell vom Vorjahr, dem man ansieht, dass es vom Vorjahr ist. Der Stil hält sich über viele Jahre."
Andi Lackner Anita Aigner (links) und Gudrun Windischbauer sind "Schella Kann". Ein Erfolgsduo mit strikter Aufgabenteilung: Die Wienerin Anita Aigner (Abschluss Hetzendorfer Modeschule 1978) ist die Designerin, die Salzburgerin Gudrun Windischbauer für Produktion und Marketing zuständig. Seit bald 30 Jahren entsteht in Schella Kanns Atelier "gute und intelligente" Mode jenseits des Mainstreams, bei der jedes Detail zählt. Die Schellas haben eine unverwechselbare Handschrift und sind ihrem speziellen Stil stets treu geblieben.

Elegant, modern, raffiniert, zeitlos und durchaus vergleichbar mit Kollektionen von Modestars wie Martin Margiela, wenn nicht sogar besser. Jedes einzelne Outfit ist ein Meisterwerk in Optik und Schnittführung. Viele der österreichischen, angeblichen "StardesignerInnen" der jüngeren Generation könnten sich an den Schellas ein Beispiel nehmen. Ich besitze noch Teile aus ihrer ersten Kollektion. Einen knöchellangen Abendrock zum Beispiel aus steifer smaragdgrüner Taftseide, mit dazu passender schlichter, schmaler, weißer Hemdbluse. Für meine ersten Salzburger Festspiele stellte Anita eine "Rock&Blusen"-Kombi. Underdressed, aber vom Feinsten. Im heurigen Sommer zeigte Raf Simons für Jil Sander ganz ähnliche Shirt/Maxirock-Kombis.

Die Schellas waren ihrer Zeit immer weit voraus. Und sie hatten das Zeug zum Welterfolg (aber leider keinen Finanzier). Helmut Lang hatte mehr Glück. Dafür hatten Anita und Gudrun das viel größere Talent. Die "Schella Kann"-Gründerinnen – Anita Aigner und Gudrun Windischbauer – im Interview:

freizeit: Was soll gute Mode können?
A. Aigner, G. Windischbauer: Sich der Trägerin unterwerfen. Was kennzeichnet eure Mode?
Funktionalität gepaart mit Raffinesse. Für wen macht ihr eure Mode? Habt ihr bestimmte Trägerinnen im Sinn?
Für "jederfrau".

Im Bild: Die aktuelle Herbst/Winter-Mode von Schella Kann. Welche Bedeutung hat Wien für euer Schaffen?
Heimatliche Sicherheit. Wie hat sich die "Modestadt Wien" in den letzten 25 Jahren entwickelt und verändert?
Wien ist international geworden, kann mit allen Metropolen mithalten. Wieso habt ihr euch mit eurem ersten Store so lange Zeit gelassen?
Weil es früher nicht hatte sein sollen, vor zehn Jahren wären wir noch nicht so weit gewesen. Außerdem schließt sich mit der Location ein Kreis: Anita hatte ihren allerersten Job nach dem Hetzendorfabschluss bei den Damenmodenerzeugern „Sport Nouvelle“ genau in dem Haus in der Spiegel- gasse, in dem sich der Store jetzt befindet. Die gibt’s schon lange nicht mehr, aber ein Schild im oberen Stock erinnert daran.


TIMELINE

1984
Anita Aigner & Gudrun Windischbauer gründen das
Label Schella Kann, 1. Atelier in der Seilerstätte 15. Erste Fashionshow bei Ossi Schellmann im U4, gewinnen den 1. Preis der Wiener Textilkaufleute, "Goldener Modeschöpfer"

1985
Neues Atelier in der Singer- straße 6. Seither kontinuierlich Showroom-Präsentationen in Deutschland & Paris

1986
"Schella für Austria"-Show in Rom

1987
Shows im Motto & Messepalast (heute MQ). Show in den
Sofiensälen, Eröffnung eines Showrooms in Deutschland

1988
Show in Mailand

1991
Show mit acht internationalen Designern wie Dries van Noten, Jesús del Pozo in der Cour Carrée du Louvre in Paris

1993
Gemeinschaftsshows der Österreicher im Espace Pierre Cardin in Paris (Sommer & Winter)

1998-2001
Showroom-Präsentationen in New York

2001
Schella-Kann-Atelier übersiedelt in die Singerstraße 14

September 2011
Shoperöffnung in der Spiegelgasse 15

Schella Kann Store, Wien 1,
Spiegelgasse 15,
www.schellakann.com
(kurier) Erstellt am
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