Martina Rastinger: "Made in Thailand", aber fair

Drei Frauen posieren für ein Foto, eine mit Blumenkranz, eine mit goldenem Kopfschmuck.
Die aufstrebende Jungdesignerin Martina Rastinger fördert kleine Schneidereien in Thailand. Ein Interview.

Erst vor kurzem präsentierte Jungdesignerin Martina Rastinger erstmals eine Kollektion ihres Labels "SO LCH LD Clothing" der Öffentlichkeit. Für "Mariandl in Siam" paarte die Österreicherin schwingende Kleider, Bleistiftröcke und taillierte Shorts à la 50ies mit thailändischen Einflüssen. Der KURIER traf die aufstrebende Modeschöpferin in ihrem Showroom in Ottakring.

Eine Frau mit Hut und Blumenmuster-Top steht an einem Baum und hält ein Werkzeug.
KURIER: Sie haben Ihrem Label einen sehr eigenwilligen Namen gegeben.

Martina Rastinger: Ja, das fehlende U und I irritiert sehr viele Leute. Man muss mich eben fragen, dann erkläre ich, dass mein Label Soul Child heißt, also Seelenkind. Das steht auch für die Mode, die für Frauen ist, die es sich leisten können im Herzen Kind zu bleiben.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?

Mein Schwerpunkt sind die 20er- bis 70er-Jahre. Am meisten reizen mich aber die 20er und 50er. Ideen hole ich mir aus Uraltzeitschriften und Musik ist für mich eine ganz große Inspirationsquelle. Ich kann wahnsinnig gut arbeiten, wenn ich die passende Musik dazu im Kopf habe.

In Ihrer aktuellen Kollektion verbinden Sie die 50er-Jahre mit Thailand, eine interessante Kombination.

Eine Frau kniet in einem roten Kleid mit Blumenkopfschmuck vor einer dunklen Tür.
Ich arbeite immer mit zwei Einflüssen, wie zwei unterschiedliche Kulturen oder zwei Arten von extrem gegensätzlichen Stoffen, zum Beispiel Leinen und Chiffon. "Mariandl in Siam" hat für mich auch einen sehr intensiven Zugang, weil ich seit zehn Jahren immer wieder nach Thailand fahre, die Sprache kann und viele Freunde dort habe. Es ist wie ein zweites Österreich für mich. Die Kollektion ist damit sozusagen die Verbindung meiner beiden Heimatorte.

In Ihrer Mode steht teilweise "Made in Thailand".

Man denkt im Fall von Thailand immer an Massenproduktion, das ist aber nicht der Fall. Es ist in Österreich leider so, dass nicht viele kleine Schneidereien überlebt haben. Ich konnte gerade mal eine in der Steiermark finden, die ich jetzt unterstütze, und das gleiche mache ich in Thailand. Dort sterben die kleinen Schneidereien auch alle weg, weil alle nach China in die Fabriken abwandern.

Wie reagieren Ihre Kunden darauf?

Es ist natürlich witzig. Wenn sie die "Made in Thailand"-Schilder sehen, bekommen alle immer große Augen.

Wie entscheiden Sie sich für eine Schneiderin?

Eine Frau mit einem Blumenkleid steht in einem verschneiten Wald.
Mir ist es wichtig, dass ich einen freundschaftlichen Zugang habe. Wenn ich auf der Suche bin, dann lerne ich die Schneiderin erst einmal kenne. Da wird mal essen gegangen, bevor man zusammenarbeitet. Ich möchte auch, dass sie verstehen, dass das für mich kleine Kollektionen sein sollen, die in einem netten Miteinander entstehen.

Wie viele Schneiderinnen haben Sie in Thailand?

Zwei. Uma kenne ich mittlerweile seit acht Jahren, sie ist schon 70 Jahre alt. Zaa kenne ich seit drei Jahren. Sie hat mit mir die letzte Kollektion entworfen. Dieses Mal hab ich Pat kennengelernt, mit ihr werde ich nächstes Mal vermutlich auch arbeiten. Ich versuche immer zu streuen und nicht immer bei der gleichen Schneiderin zu bleiben, ganz einfach weil ich sie nicht überfordern will. Ich mache doch 140-Stück-Kollektionen und bleib dafür nur ein Monat in Thailand. Und ich will ja auch mehrere unterstützen.

Und wie sieht das mit der Bezahlung aus?

Meine Damen werden auch äußerst fair bezahlt, das ist mir wichtig. Sie bekommen das Doppelte von einem Normalverdienst. Ich bin studierte Kultur- und Sozialanthropologin. Das heißt, ich weiß genau wie Ausbeutung funktioniert und natürlich kämpfe ich dagegen an.

Was bringt die Zukunft?

Die nächste Kollektion ist von Japan und den 20er-Jahren beeinflusst. Ich werde sie in einer schrägen Show im September vorstellen. Auch eine Kinderkollektion würde ich gerne machen, dazu habe ich schon viele Ideen. Männermode finde ich auch spannend.

SO LCH LD Clothing von Martina Rastinger
www.so-lch-ld.com

Showroom:
Feßtgasse 6
1160 Wien
Tel: 0664/4624066
Termine nach telefonischer Vereinbarung.

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